Heute beginnt Chanukka, das letzte Fest des bürgerlichen Kalenders im Jahr 2020

24.Kislev 5781

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Es ist die Geschichte der Wiedereinweihung des 2.Tempels von Jerusalem.

© screenshot Wikipedia

Das zweite Jahrhundert BCE war eine unruhige Zeit für die Region rund um das östliche Mittelmeer. Die Seleukidenstaaten, die sich nach dem Tod von Alexander d. Grossen gebildet hatten, herrschten über weite Teile zwischen Kleinasien, Palästina, Syrien bis hin zum Hindukusch. Zunächst waren die Besatzer, wie so oft in der Geschichte, nicht unbeliebt. Sie sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung und modernisierten Jerusalem, das sich mehr und mehr in eine hellenistisch geprägte Stadt wandelte. Den einen gefiel es, sie machten sich die neuen Gebräuche und Moden zu eigen und fielen vom jüdischen Glauben ab. Andere aber fürchteten um ihre Tradition und ihre Religion. Bestrebungen der Seleukiden, aus dem Tempel Salomon einen Zeus Tempel zu machen und die jüdische Religion zu verbieten, lösten schliesslich das aus, was als Aufstand der Makkabäer in die Geschichte einging.

Im damals noch kleinen Ort mit heutigem Namen Modi’in sammelte Matityahu aus der Familie der Hasmonäer seine Freunde um sich und sie begannen mit zivilem Ungehorsam. Sie warfen die heidnischen Altäre um und organisierten immer grösser werdende Aktionen gegen die ungeliebten Besatzer. Seinem Sohn, Yehuda Maccabi gelang es endlich, das seleukidische Heer, das zahlenmässig so überlegen war, zu besiegen und zurückzudrängen. 

Nicht immer kann bewiesen werden, dass unsere jüdische Geschichte an den von uns genannten Orten zu den von uns beschriebenen Daten stattgefunden hat. In diesem Fall gibt es aber bereits aus dem Jahr 1980 einen sicheren Beleg. Damals wurde eine Menora als Inschrift auf einem Grabstein gefunden. Dieser Stein konnte zurückdatiert werden auf die Zeit der Maccabim. Man muss wirklich das Auge eines erfahrenen Archäologen haben, um solche Feinheiten zu entdecken!

© 1980 Photograph-of-the-facade-of-the-tomb-in-outstrik-of-the-village-of-Mukhmas-from-the-archive-of-the-Unit-of-Staff-Officer-for-Archaeology, screenshot ToI

Im Jahr 164 BCE wurde der Tempel neu geweiht. Die Geschichte, des Chanukka Wunders ist hinreichend bekannt. Der kleine Rest von koscherem Öl für die Kerzen würde nur für wenige Stunden ausreichen. Doch das Wunder geschah, das Öl war aussereichend für acht Tage!

Am Abend werden wir vor Sonnenuntergang die erste Kerze der Chanukkia anzünden und uns damit an das grosse Wunder erinnern, dass  sich vor 2184 Jahren am 25. des Monats Kislev ereignet hat. 

Woher kennen wir das genaue Datum von חנוכה? Es gibt darüber viele Vermutungen. הם נחו bedeut tatsächlich «sie ruhten». Die letzten Buchstaben כה sind gleichzusetzen mit der Zahl 25. Doch ob das ein verlässlicher Hinweis ist? 

Eines ist Chanukka sicher nicht, der Vorläufer der christlichen Weihnachtsgeschichte.

Auch wenn es Bestrebungen, vor allem im extrem liberalen Judentum gibt, beide Feiertage, die oft zeitgleich so dicht beieinander liegen zu vermischen, ist damit niemandem gedient. «Weihnukka» mag vielleicht einer modernen Zeitströmung entsprechen, hat aber nichts mit dem traditionellen jüdischen Chanukka zu tun. 

In diesem Sinne: Chag Chanukka sameach!!

Anhängen möchte ich ein Gedicht des jüdischen Schriftstellers Erich Mühsam, der am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde.

Geboren ward zu Bethlehem
ein Kindlein aus dem Stamme Sem.
Und ist es auch schon lange her,
seit’s in der Krippe lag,
so freu’n sich doch die Menschen sehr
bis auf den heutigen Tag.
Minister und Agrarier,
Bourgeois und Proletarier
es feiert jeder Arier
zu gleicher Zeit und überall
die Christgeburt im Rindviehstall.
(Das Volk allein, dem es geschah,
das feiert lieber Chanukka.)



Kategorien:Israel, Religion

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