Investigativer Journalismus

15.Tevet 5781

Israel ist ein politisch vielschichtiges Land. Deshalb ist es Tradition, dass sich Journalisten auch mit spitzer Feder äussern.

Unter einigen erstklassigen Journalisten, die sich mit Benjamin Netanyahu, derzeit PM, und seinem Umfeld befassen, sind Raviv Drucker und Igal Sarna

Bereits im Jahr 2011 geriet Drucker erstmals ins Kreuzfeuer des derzeitigen PM. Zu der Zeit war Netanyahu mit verschiedenen Ministerposten in der Regierung von Ariel Sharon betraut, die zwischen 2003 und 2005 immer wieder Auslandsreisen notwendig machten. 15-mal ist er in der Zeit gereist. 

Natürlich immer in Begleitung seiner Ehefrau Sara. Im selben Jahr kam es zu einer Untersuchung der als «Bibitours Affair» bekannt gewordenen Ungereimtheiten. Nur sieben der Reisen wurden vom Finanzministerium finanziert. Alle anderen Reisen wurden von regierungsfremden Personen und/oder Organisationen gesponsert. Der damalige State Comptroller, Yosef Shapira, äusserte sich im Mai 2016 zu den Vorwürfen. «Es ist unangemessen, dass eine externe Partei die Reise auch bezahlt, wenn ein Minister auf eine von der Regierung finanzierte offizielle Reise ins Ausland geht. Wenn die Reise eines Ministers von einer externen Quelle finanziert wird, ist es nicht angemessen, dass die Ausgaben seiner Frau oder seiner Kinder von einem Dritten finanziert werden, insbesondere von einem Dritten, der keinen Bezug zum Zweck der Reise hat.“ Auch sein Sohn Yair kam mehrmals in den Genuss einer solchen fremdfinanzierten Reise. Das alles wäre ja gar kein Problem, wenn die Begünstigungen zuvor von der staatlichen Finanzaufsicht abgesegnet worden wären. 

So aber, ohne diese Bewilligung fügt es sich perfekt in das Bild des Mannes, der sich unter anderem genau aufgrund solcher „geldwerten Vorteilnahme“ jetzt wird vor Gericht verantworten müssen. 

Igal Sarna, Redaktionsmitglied beim beliebten Massenmedium Yedioth Ahronoth, musste sich bereits 2016 vor Gericht verantworten. Das Ehepaar Netanyahu hatte eine Verleumdungsklage gegen ihn eingebracht. In seinem Verteidigungsschreiben an das Gericht vom Mai 2018 bestätigte Sarna nochmals die Richtigkeit seiner Aussagen. Unter anderem bekräftigte er die bisher nur unter der Hand (und im Film: «Netanyahu – der Medienprofi und die Macht», Arte TV, 8. April 2019) geäusserte Information, dass Netanyahu nach seinem Ehebruch 1993 einen, einem Ehevertrag ähnlichen Vertrag mit weitreichenden Zugeständnissen unterschreiben musste.

Darin ist unter anderem festgehalten, dass seine Ehefrau ihn auf sämtlichen Reisen begleiten wird, auch wenn dies vom Protokoll her nicht notwendig wäre. Weiterhin hat sie das Recht, zu bestimmen, wer mit ihnen gemeinsam im Flugzeug sitzen darf. Haaretz zitiert am 11.5.2016 wie folgt: «Das Spektakel, dass der Führer eines Landes [von seiner Frau] kontrolliert wird oder die Kontrolle über seine Regierungszeit mit seiner Frau teilt, ist in der internationalen politischen Welt nicht unbekannt.“ Dies unter Berufung auf die Beispiele des rumänischen Führers Nicolae Ceausescu und seiner Frau Elena sowie des Argentiniers Juan und Eva Peron.

Das Büro des PM musste natürlich mit seiner Antwort schnell reagieren «Diese Reisen waren wichtig für Israel. Während dieser Reisen hat Herr Netanyahu Millionen Schekel zum Wohle des Staates gesammelt. Er wurde Dutzende Male von der internationalen Presse interviewt und trat vor zahlreichen öffentlichen Institutionen auf, nur um den Staat Israel positiv zu vertreten.» 

Und nachdem bereits die nächsten Wahlen wieder kurz bevorstanden und man sich Sorgen machte, dass das Bild des PM in der Öffentlichkeit angekratzt werden könnte, lancierte man schnell eine Plakatkampagne. Am 19. Januar 2019, mitten im Wahlkampf für den erneuten Wahlgang am 9. April, erschien ein riesiges Plakat an einer der häufigsten frequentierten Kreuzung in der Nähe von Tel Aviv. Die bekannten und beliebten Journalisten Amnon Abramovich und Guy Peleg  (Hadashot TV – ein Nachrichtensender), Raviv Drucker (Arutz 13) und Ben Caspit (Maariv) sind darauf zu sehen. Darunter der Slogan «Sie [die Journalisten] werden nicht entscheiden! Ihr [die Wähler] werdet entscheiden!» Dazu im bekannten Likud-Blau «Dafka Netanyahu!», was in etwa mit «Jetzt erst recht Netanyahu!» übersetzt werden kann. 

Am 28.12. platzierte Raviv Drucker eine erneute mediale Bombe im Haaretz. Eine sich vor den Augen der Leser entwickelnde Tragikomödie. Die Protagonisten sind: PM Netanyahu, James Packer (australischer Milliardär und Unternehmer), Arnon Milchan (israelischer Geschäftsmann, Filmproduzent und ex-Mossad Agent), Hadas Klein (persönliche Assistentin von Parker und Milchan), sowie eine unbekannte Psychotherapeutin.

Im Jahr 2014 hatte Milchan, ein Bekannter von Packers’ Vater, Packer nicht nur nach Israel gebracht, sondern auch mit Netanyahu bekannt gemacht. Packer gelang es recht schnell, die entsprechenden Aufenthaltspapiere zu erhalten, die ihm einen Hauskauf als Nicht-Israeli in Israel ermöglichten. Seine Villa steht neben der des PM in Caesarea, einem der schönsten und begehrtesten Wohnorte Israels. 

Von da an überschüttete er die Familie Netanyahu mit allem, was ihr Herz begehrte. Der jüngere Son Yair kam in den Genuss von Ferienaufenthalten überall dort, wo Packer eine Immobilie besass. Hadas Klein, so berichtet die Times of Israel am 18. Mai 2019, die Netanyahus hätten die enge Beziehung Packards zu ihrer Familie schamlos ausgenutzt. Jeder Wunsch, und sei er noch so abstrus gewesen, sei sofort erfüllt worden. Zumeist seien die Wünsche, ja eher Forderungen, von Sara ausgegangen. In ihrer Zeugenaussage zitiert Klein den PM: “Sara ist so eine wunderbare Frau, tue einfach alles, was sie will. Stell dich nicht auf die Seite der Medien. Hör auf eine Linke zu sein.»

Und nun wird es wirklich skandalös. Dass er unter Depressionen litt und deshalb in einer Klinik therapiert wurde, verheimlichte James Packard nie. Daran ist ja auch wirklich nichts, was ehrenrührig ist. Dass sich aber Netanyahu und Milchan nicht entblödeten, die Telefonnummer des Psychotherapeuten von Klein zu erpressen, kann diese nicht verstehen. Sie beruft sich völlig zu Recht auf die Verschwiegenheitspflicht des Arztes gegenüber Dritten.

Irgendwie muss es Netanyahu gelungen sein, die Nummer zu erhalten. Auf die sehr souveräne Abwehr der Therapeutin antwortet Netanyahu, und das ist einfach unglaublich: «Ich schliesse mich oft mit den Ärzten meiner Freunde kurz und frage, wie es ihnen geht. Und sie geben mir immer eine Antwort.» Der Mann hat alle Grenzen überschritten, er ist als Politiker nicht mehr tragbar!

Dies ist der Moment, in dem ich, die ich selber jahrelang für Netanyahu gestimmt habe, glücklich bin, die Notbremse gezogen zu haben. 

Hier hat ein Mann die Grenzen des Anstandes eindeutig überschritten, es ist nur mehr Menschenverachtung, Respektlosigkeit und Geringschätzung, die seine Aktionen kennzeichnen. 

Mein Dank an Raviv Drucker, und seinen Kollegen für die wichtige journalistische Arbeit, um die israelischen Bürger aufzuklären. Yishar Koach.



Kategorien:Israel, Politik

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1 Antwort

  1. It’s ironic, we Israelis, know most of these facts, and yet he is elected time after time. Furthermore, Gantz is blamed for not keeping his word to his voters ONCE (by joining the coalition with Bibi), and for that he will pay a huge electoral price. Bibi NEVER EVER keeps his word, and his voters follow him blindly. He will most likely be the next PM again.

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