Wochenabschnitt: Beschalach, Shmot 13:17 – 17:16, 2. Buch

ב“ה

16./17. Schwat 5781    29./30. Januar 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)   16:31

Schabbatausgang in Jerusalem:                              17:50

Gott kannte sein Volk. Statt sie auf direktem Weg in das Land Kanaan zu führen, liess er sie einen Umweg machen. Denn, so seine Vermutung, sie würden erneut aufgeben und in die Sklaverei zurückkehren, sobald sich ihnen Schwierigkeiten in den Weg stellen würden. Er führte sie durch die Wüste ans Schilfmeer. 

Wie es die Vorfahren der jetzigen Kinder Israel Josef versprochen hatten, gruben sie seine Gebeine aus dem provisorischen Grab aus und nahmen sie mit sich, um ihn im Land seiner Väter zu beerdigen. 

Gott hatte seine Pläne mit Pharao noch nicht beendet. Er liess die Kinder Israel an einer Stelle rasten, an der Pharao sie nicht vermutete. Der bereute es mittlerweile, dass er seine Sklaven hatte einfach ziehen lassen und stellte ihnen nach. Dazu nahm er sein gesamtes Heer und seine Kriegswagen mit sich. Als die Kinder Israel sahen, dass sich die ägyptische Streitmacht näherte, verzweifelten sie wieder einmal an ihrem Schicksal. 

Wie anders hätten sie auch reagieren können? Hinter sich die wütende Armee des Pharaos, der ihnen entgegen seinem Versprechen sie ziehen zu lassen, nach dem Leben trachtete. Vor sich die scheinbar unüberwindbare Weite des Roten Meeres. Viele werden innerlich aufgegeben haben. Der scheinbar sichere Tod stand ihnen vor Augen und liess sie hilflos erstarren. 

Wieder waren sie unglücklich mit dem, was Moses im Namen Gottes tat. Sie fragten, warum er ihnen das antäte. Für sie schien es das bessere Los gewesen zu sein, in Ägypten in der Sklaverei zu sterben, statt in der Wüste. 

Moses, unterstützt von Gott, versuchte, sie zu überzeugen. Er sprach «So wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie nie wieder sehen! Der Herr kämpft für euch, ihr könnt ruhig abwarten.»

Und er forderte Moses auf, mit seiner Hand das Meer zu teilen, damit die Kinder Israel trockenen Fusses durch die freigewordene Furt fliehen konnten. So geschah es, die Wolkensäule und die Feuersäule sicherten den Weg durch das nun trockene Schilfmeer. In dem Mass, in dem die Kinder Israel trockenen Fusses das Schilfmeer durchquerten, wurden die Ägypter von den zurückfliessenden Wassermassen getötet. 

Als am kommenden Morgen das Ausmass der Tragödie sichtbar wurde, schienen sich die Kinder Israel endlich zu besinnen und Gott als ihren einzigen Gott anzuerkennen. Auch Moses als sein Sprachrohr wurde nun von ihnen anerkannt. 

Die folgenden Verse geben eines der für mich schönsten Lieder in der Thora wieder, das Lied des Meeres. Mit diesem Lied erinnern wir uns bei jedem Morgengebet an die erfolgreiche Flucht aus Ägypten, nachdem Gott uns durch Moses den Weg freigemacht hat. (Ex 15:1-18) Es ist nicht die physische Rettung, die in diesem Lied besungen wird, es ist die Zusage und das Versprechen, Gott als den einen Gott anzuerkennen und das Lob der Grösse Gottes, die die Kinder Israel verspürt haben. 

Doch viel erstaunlicher ist es, dass unmittelbar nach dem Ende dieses Liedes Miriam, die Schwester Moses’ und Aarons’ gemeinsam mit anderen Frauen das Wort ergreift und ihre eigene, wenn auch kürzere Siegeshymne anstimmt. (Ex 15:20-21) Miriam wird hier bezeichnet als מִרְיָם הַנְּבִיאָה, Miriam die Prophetin. Die Schwester Moses’, die ihren Bruder nicht aus den Augen gelassen hatte, als ihre Mutter ihn im Nil ausgesetzt hatte, und auch dafür sorgte, dass ihre Mutter seine Amme wurde, wird zur ersten von wenigen Prophetinnen, die die Thora kennt. Ihre Sonderrolle, die sie in der Rolle des Exils und der Flucht aus Ägypten einnimmt, wird damit klar unterstrichen. 

Moses liess die Kinder Israel weiterziehen, hinein in die Wüste, drei Tage fanden sie kein Wasser und, als sie schliesslich fündig wurden, war das Wasser bitter und ungeniessbar. Wieder murrten die Kinder Israel gegen Moses. Der wandte sich erneut an Gott. 

Gott befahl ihm, den Stab, den er in der Hand hielt, ins Wasser werfen, woraufhin es sofort süss und geniessbar wurde. Gott sprach weiterhin «Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, [dann] werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.» Ob die Kinder Israel diese Worte ohne Widerspruch annehmen werden? 

Es ist die erste von vielen Regeln, die erste «wenn – dann» Formulierung, die Gott den Kindern Israel gibt. 

Warum sind «wenn-dann» Formulierungen so bedeutsam? Schauen wir das Beispiel an. «Wenn du .. hörst und tust, gehorchst und achtest, dann werde ich dir keine …» Der erste Teilsatz ist die Bedingung, der zweite die Folge. Unser Gehirn verbindet beide Teilsätze als zusammenhängende Einheit. Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit, und das macht sich Gott hier zunutze, wird die Aussage als wahr angesehen und akzeptiert. Gott stellt kein Ultimatum, Gott konfrontiert die Kinder Israel genau mit seinen Plänen. In einer Art, die sie akzeptieren können, ohne das Gesicht vor sich oder anderen, noch zögernden, zu verlieren.

In Eilim, einer von Wasser reich gesegneten Oase, lagerten sie einige Zeit. Hinter ihnen lagen zwei harte Monate, voller Misstrauen, Verzweiflung, und Wut. Sie werden diese wenigen Tage der Ruhe und Erholung dringend gebraucht haben.

Moses hiess sie weiterziehen, hinein in die Wüste. Nach wenigen Tagen klagten sie erneut. Sie hätten es vorgezogen, an den «Fleischtöpfen Ägyptens» geblieben zu sein. Dort wären sie, so meinten sie, vielleicht durch die Gewalt ihrer Aufseher gestorben, aber hätten nicht Hunger gelitten. Die Fleischtöpfe Ägyptens? An dieser Stelle erleben wir ein Phänomen, dass Menschen in verschiedenen Situationen, hier ist es Angst, Stress und Unsicherheit, die Vergangenheit glorifizieren. Sie blenden alles aus, was sie während ihrer Versklavung in Ägypten erdulden mussten, den Hunger, die Erniedrigungen, die Grausamkeiten. Sie träumen von den «Fleischtöpfen», die es vielleicht für sie vor 430 Jahren, zu Lebzeiten Josefs und seiner Brüder gegeben haben wird. Also zu den Zeiten, die ihre guten Zeiten in Ägypten waren.

Moderne Fleischtöpfe Ägyptens

Gott verspricht erneut, für sie zu sorgen, indem er ihnen Nahrung bringen wird. Dies soll ein Test für sie werden, ob sie sich an seine Weisungen halten, oder ob sie ungehorsam sind. 

Tatsächlich brachte der Abend genügend Wachteln, um alle satt zu machen. Als der Morgen dämmerte war der Boden bedeckt mit etwas, das Brot ähnelte, aber doch kein Brot war. Es war genug für alle. Jeder sollte nur das nehmen, was er benötigte. Die Auflage war, es bis zum kommenden Morgen restlos zu verspeisen. Ob jemand sein ich zustehendes Mass wirklich nahm, ob er sich beschied und weniger sammelte, oder ob er gierig mehr nahm, als ihm zustand, immer hatten alle das korrekte, auf sie abgestimmte Mass, um satt zu werden. Das war der Beweis, dass Gott, so wie er es versprochen hatte, für jeden sorgen wird. Die Kinder Israels erleben das, was wir als Teil göttlicher Gerechtigkeit bezeichnen dürfen, und sie erleben, wie die göttliche Wirtschaftslehre funktioniert. 

Aber, die Kinder Israels waren eigensinnig, sie liessen, wohl aus Angst, keine neue Nahrung mehr zu erhalten, Reste übrig. Diese waren am kommenden Morgen ungeniessbar. 

Mose wurde wütend über das ungläubige Volk. 

Am sechsten Tag, forderte er sein Volk auf, die doppelte Menge zu sammeln, auch mehr zu kochen und das, was sie nicht assen, bis zum nächsten Tag aufzubewahren. Es würde nicht verderben. 

Trotzdem gingen einige hinaus, um zu sammeln. Aber es war nichts da. Gott fragte Moses, wie lange er denn noch geduldig sein sollte, bis das Volk endlich zu Einsicht käme. «Ihr seht, der Herr hat euch den Sabbat gegeben; daher gibt er auch am sechsten Tag Brot für zwei Tage. Jeder bleibe, wo er ist. Am siebten Tag verlasse niemand seinen Platz.» (EX 16:29) Endlich ruhte das Volk am siebenten Tag.

Kurze Zeit darauf kamen sie in die Wüste Zin. Dieser Teil der Negev Wüste gehört zu den trockensten Gebieten der Welt. Nur wenig Regen fällt im Laufe des Jahres. Sollte es einmal zu stärkeren Regenfällen kommen, so überfluten die Wadis und stellen lebensgefährliche Orte für Menschen und Tiere dar. Ich liebe diesen Teil Israels ganz besonders. Vor allem den Grossen Ramon Krater, an dessen nördlichem Teil sich der Kibbutz Sde Boker befindet. Hier verbrachte Israels erster Präsident David Ben Gurion seine letzten Lebensjahre. Steht man am Rande dieses grössten Erosionskraters der Welt scheint es, als könnte man gerade in das Herz der Erdgeschichte schauen. Schicht um Schicht breitet sich vor dem Auge aus. 

Immer wieder stritten die Kinder Israel mit Moses, weil es kein Wasser für sie gab. Wieder klagten sie, dass es besser gewesen wäre, in Ägypten geblieben zu sein, wo es ausreichend Wasser für sie und ihr Vieh gehabt hätten. Moses beschuldigte sie, Gott immer wieder auf die Probe zu stellen. In seiner Verzweiflung wandte er sich nochmals an Gott und bat ihn, ihm zu helfen. Er selbst war in diesem Moment völlig hilflos.

Gott forderte ihn auf, gemeinsam mit den Ältesten zu einer bestimmten Stelle zu gehen und seinen Stab mitzunehmen. Dort solle er auf den Stein schlagen und eine grosse Menge Wasser würden aus dem Fels kommen, um den Durst der Kinder Israel zu stillen. So geschah es. Später wird sich die Situation wiederholen, aber mit einem ganz anderen Ausgang.

Die ersten von vielen Schlachten stand unmittelbar bevor. Amalek kam mit seinen Truppen, um die Kinder Israel zu zerstören. Gott stand erneut hinter ihnen. Solange Moses seinen Arm mit dem erhobenen Stab erheben konnte, war es möglich, Amalek zu besiegen. Mit göttlicher Unterstützung gelang es Joshua, die Amalekiter zu besiegen. Die Amalekiter waren aus dem Stamm Esaus, der Bruders von Jakob und galten seither als natürliche Feinde der Kinder Israel. Joshua, der diese entscheidende Schlacht gewann, stammt aus der Sippe Ephraims. Er ist derjenige, der nach Moses’ Tod die Kinder Israel in das versprochene Land führen wird. 

Nach der erfolgreichen Schlacht gibt Gott den Befehl, diese Erinnerung auf ewig zu bewahren, vor allem Joshua, der der Nachfolger Moses’ werden wird. «Denn ich will die Erinnerung an Amalek unter dem Himmel austilgen. Krieg ist zwischen Gott und Amalek von Generation zu Generation.» (Ex 17:14-16)

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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