Manchmal zeigt sich Menschlichkeit von einer unerwarteten Seite

Und verdient grossen Dank!

Krankenhausaufenthalte sind an sich nicht Angenehmes. Die Angst, das Ausgeliefertsein an die Ärzte und die Technik. Fremdbestimmt sein den ganzen Tag. Keine Ruhe, weder am Tag, noch in der Nacht.

Und zu Corona Zeiten ist der Patient umgeben von Schutzanzügen und Masken. Die Familie darf nicht kommen. Es gibt keinen liebevollen Trost, keine Umarmung. Nichts. Am Ende ist es oft ein einsamer Tod.

Religiöse Menschen aller Religionen haben Rituale, die ihnen den Übergang vom Leben in den Tod erleichtern sollen. Diese geben ihnen, aber auch ihren Familien ein Stück Erleichterung und lassen den Beginn der Trauer einfacher werden.

Shlomo Galster, ein frommer Mann aus dem chassidischen Milieu in Nordisrael, wurde vor mehr als einem Monat in das Ha’Emek Medical Center in Afula eingeliefert. Er hatte sich mit COVID-19 infiziert. Und er hatte das Glück, dass der leitende Krankenpfleger seiner Abteilung Ibrahim Maher war.

Der Zustand des Patienten verschlechterte sich in der vergangenen Woche spontan so dramatisch, dass Ärzten und Pflegern klar war, dass sie sein Leben nicht würden retten können.

Sofort verständigten sie die Familie, aber es war klar, dass sie es nicht mehr schaffen würden, vor seinem Ableben im Spital anzukommen. Zu schlecht waren die Witterungsbedingungen an jenem Tag. Die Familie steckte im Stau. Der sehnlichste Wunsch, dass seine Familie das «Shema Israel» gemeinsam mit ihm, oder zumindest für ihn beten würde, schien nicht in Erfüllung zu gehen. 

MU

Ibrahim Maher, aufgewachsen in einer muslimischen Familie, kannte zwar nicht den genauen Text. Aber er fühlte sich sicher genug, diesen letzten Liebesdienst für seinen Patienten, den er einen Monat betreut hatte, zu erfüllen. Er nahm ein Siddur zu Hand und begann zu lesen. Stockend vielleicht, aber er betete.

«Es war mir klar, dass Shlomo wollte, dass wir das Gebet zusammen sprechen. Ich wusste, dass er ein tiefgläubiger Mann war, und wie wichtig es für ihn war, dass seine Familie gemeinsam mit ihm dieses Gebet sprach. Es war so wichtig für ihn die Worte «Shema Israel» zu hören.

Die Familie kam zu spät. Später sagte seine Tochter “Mein Vater hat uns immer wieder von der unglaublichen Pflege und Zuwendung erzählt, die er erhalten hat. Und wie dankbar er Ibrahim und dem gesamten Team war.»

Ein Dank an Ibrahim, dass er in diesem Moment nur und ausschliesslich menschlich dachte und  alle scheinbar trennenden Grenzen überwand. 



Kategorien:Israel

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