Wochenabschnitt: Vayikra, Lev 1:1 – 5:26, 3. Buch

ב“ה

6./7. Nissan  5781                                  19./20. März 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)  17:10

Schabbatausgang in Jerusalem:                              18:27

In diesem ersten Wochenabschnitt im 3. Buch Mose lernen wir Vieles über die Opfer, die von den Priestern, vor allem vom Hohen Priester, dem Cohen Gadol im Stiftszelt dargebracht werden.

Aaron und seine Söhne müssen lernen. Es geht nicht einfach darum, irgendetwas in irgendeiner Form darzubringen. Nichts wird dem Zufall überlassen. 

Fünf Arten von Opfern werden beschrieben:

Brandopfer – ein Opfer, das jeder, ohne einen bestimmten Zweck damit erfüllen zu wollen, darbringen konnte. Es konnte grundsätzlich jedes männliche und koschere Tier geopfert werden. Nur eine Bedingung musste es erfüllen, es musste unversehrt und gesund sein. Ob der Geruch, wie an zwei Stellen beschrieben, wirklich ein «angenehmer Duft» war, darüber liesse sich streiten. Die Opfergabe wird von den Priestern zur Gänze verbrannt.

Speiseopfer – es wird zusätzlich zu den regelmässigen Opfern dargebracht. Es sind zumeist Backwaren, die mit feinstem Mehl hergestellt wurden und die mit Salz und Öl verfeinert wurden. Die Priester müssen einen kleinen Teil des Gebäcks verbrennen, den grösseren Teil dürfen sie selber essen. Im 4. Buch Mose werden wir nochmals ausführlicher von diesen Speisopfern hören. Heute erinnern wir uns immer noch daran, indem beim Backen der Challot (Schabbatbrote) ein kleiner Teil verbrannt wird. Interessant ist, dass kein Honig als Beigabe benutzt werden durfte!

Friedensopfer – für dieses Opfer dürfen sowohl weibliche, als auch männliche koschere Tiere genutzt werden. Selbstverständlich müssen sie ebenfalls gesund und unversehrt sein. Auch bei dieser Form des Opfers finden wir eine wesentliche Zusatzbedingung! Jenes Fett, dass die inneren Organe umhüllt, sowie das bei der Schlachtung ausgetretene Blut wird gesondert als Brandopfer dargebracht. Noch heute gilt die Vorschrift, dass wir weder dieses Fett, noch Blut mit der Nahrung zu uns nehmen dürfen. Auch die Nieren und der Magen der Tiere sind unkoscher und nicht zum Verzehr zugelassen. Abgeleitet davon verstehen wir auch, warum Käse, der mit Enzymen aus dem Labmagen von Kälbern hergestellt wird, nicht koscher ist. In der jüdischen Küche werden zur Käseherstellung pflanzliche Enzyme (Papaya, Feige, Ananas) oder biotechnologisch hergestellte Labaustauschstoffe verwendet. Die nicht als Opfer verbrannten Teile werden von den Priestern und den Spendern verspeist. 

Sühneopfer – diese werden dargebracht, wenn ein Mensch unabsichtliche eine Sünde begangen hat. In diesem Fall werden nur die Nieren, der Magen und die Fettanteile, sowie das Blut als Brandopfer dargebracht, alles anderen wird ausgesondert und separat verbrannt.

Schuldopfer – bei diesem Opfer werden entweder einwandfreie weibliche und natürlich koschere Tiere geopfert. Wenn die Mittel für den Spender nicht ausreichen, um ein Tier zu kaufen, so kann auch Feinmehl, aber ohne Salz und Öl gewählt werden. In einigen Fällen kann auch ein Widder als Opfertier gelten. Auch von diesem Opfer wird der grösste Teil den Priestern als Nahrung zugeteilt. 

Warum müssen wir im Jahr 2021 überhaupt noch etwas über jene Opfervorschriften lernen, wenn doch der Tempel im Jahr 70 C.E. zerstört wurde? Und mit der Zerstörung auch all jene Gebote hinfällig wurden, die im Zusammenhang mit dem Tempel und den Priestern stehen?

Nach dem spannenden Buch Exodus, das wir in den vergangenen Wochen gelesen haben, wirken diese ersten Kapitel des Buches Levitikus doch fast langweilig. Die hier festgehaltenen Vorschriften eignen sich nicht als Grundlage für ein ausführliches Barbecue oder eine Grillparty, weit gefehlt! Aber auch jüdische Metzger werden während ihrer langen Ausbildung kaum damit in Kontakt kommen. Deren Lehrbücher und Bildtafeln stellen doch bereits eine exakte Zusammenfassung der Kaschrut Vorschriften dar.

Ist dieser Wochenabschnitt also nichts als Ballast?

So darf man es nicht sehen. Zahlreiche Rabbiner und Talmud-Gelehrte sagen, dass seit der Zerstörung des Tempels die Gebete an die Stelle der Opfer getreten sind. 

Opfer in der Frühzeit des Volkes Israel sollten die kollektive und auch die individuelle Nähe zu Gott herstellen. Die Menschen wussten, dass sie sich in verschiedenen Situationen des Lebens vertrauensvoll an Gott wenden konnten. Und allein schon durch diese Nähe eine Erleichterung oder Bestätigung erfuhren. 

Im Wochenabschnitt Tezaveh haben schon einmal über den Zusammenhang zwischen dem Wort Opfer und dem Wort Nähe gesprochen.

קרב (karav) ist in den Verben: sich annähern להתקרב (lehitkarev), nähern/nahe bringen לקרוב (likrov) enthalten, aber auch in opfern/sich opfern הקריב (hikriv), sowie u.a. im Substantiv קורבן (korban) Opfer und schlussendlich im Adjektiv  von ganzem Herzen מקרב לב  (mi kerev lev).

So wie die Menschen damals die Nähe zu Gott durch tatsächliche Opfer suchten, so suchen sie sie heute durch Gebete zu finden. 

Gott verlangt, dass die ihm dargebrachten Opfer makellos sind. Erwartet er das aber auch von unseren Gebeten? Nein, im Gegenteil, er kennt unsere menschlichen Unzulänglichkeiten. Sogar Moses, den er auserwählt hat, sein «Sprachrohr» bei den Menschen zu sein, litt unter einer «unvollkommenen» Sprache. Mag diese ein physisches Gebrechen sein oder eine Unvollkommenheit, die makellosen Worte zu finden, Gott wird sie hören und akzeptieren. Gott verlangt von uns keine Vollkommenheit. Er verlangt, und das zu Recht, unser echtes Bemühen.

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

Schlagwörter:

  1. Really well written, Esther. Both clear, informative, and relevant. Thank you, and keep up this great project!

    Gefällt mir

  2. Thank you so much Elisha! I appreciate your comment very much. It encourages me to go on with this project, which I really love. Shabbat Shalom and chag pessach sameach.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: