Wochenabschnitt: Tzav, Lev 6:1 – 8:36, 3. Buch

ב“ה

13./14. Nissan  5781                            26./27. März 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)   18:15

Schabbatausgang in Jerusalem:                              19:32

Gleichzeitig Beginn von Erev Pessach                     19:32

Ende Pessach Sontag 28. März (in Israel)               19:32

Dieser Wochenabschnitt beginnt mit der Wiederholung aller Vorschriften, diesmal aus der Sicht der Priester. Es ist quasi eine noch detailliertere Repetition, wie genau sie bei den verschiedenen Opferarten vorgehen müssen. 

Ein neues Opfer kommt für den Tag hinzu, an welchem die Priester gesalbt werden. Also dem Tag, an dem sie ihr neues Amt aufnehmen. Dieses Opfer, wiederum rein vegetarischer Natur darf nicht verspiesen werden, es muss «mit einem beruhigenden Duft zur Gänze für den Herrn in Rauch aufgehen».

Im folgenden Vers lernen wir zum ersten Mal, wie der Priester, und damit schlussendlich auch wir, mit tierischem Blut umgehen sollen. In der vergangenen Woche haben wir erfahren, dass Teile vom Blut des Opfertieres am Altar verspritzt werden sollen. Ein Grund wurde uns dafür nicht gegeben. Wir können es nur vermuten. Blut ist, warum auch immer nicht als Opfer geeignet. 

In Lev 6:20 heisst es «Alles was mit dem Fleisch in Berührung kommt, wird heilig. Und wenn vom Blut etwas auf die Gewänder spritzt, so soll die Stelle an einem heiligen Ort gewaschen werden.» In Lev 6:23 heisst es «Aber man darf kein Sündopfer essen, dessen Blut man in das Offenbarungszelt gebracht hat (…) es muss im Feuer verbrannt werden.»

In Lev 7:26-27 wird das Verbot, Blut zu essen, genauer definiert «Wo immer ihr wohnt, dürft ihr kein Blut geniessen, weder von Vögeln, noch von Vieh. Wer Blut geniesst, soll von seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden.»

Was hat es mit dem Verbot, Blut zu essen auf sich? 

Noch heute wird beim halachischen Schächten darauf geachtet, dass das geschächtete Tier völlig ausblutet, bevor es zum Verkauf freigegeben wird. Und natürlich, dass es unversehrt, koscher und einwandfrei ist. Der «Schochet» (Schächter) durchläuft eine jahrelange Ausbildung, in der er lernt, wie er das zu tötende Tier auf respektvolle Art mit einem gezielten Schnitt tötet. Die halachische Vorschrift, nur geschächtetes Fleisch essen zu dürfen, wird von teils fragwürdigen Tierschützern immer wieder kritisiert. Zu Unrecht. 

Hausfrauen nehmen es mit dem Entfernen von Blut noch genauer. Sie salzen jedes Fleisch noch zweimal, um wirklich jeden Rest Blut aus dem Steak oder dem Braten zu entfernen. In orthodoxen Kreisen wird sogar jedes Hühnerei noch einmal durchleuchtet, um sicher zu sein, dass sich auch nicht der kleinste Blutstropfen in das Eigelb gemischt hat.

Aber erklärt das schon ausreichend, warum wir kein Blut essen dürfen? 

Gehen wir zurück zum 1. Buch Mose, Genesis. Nachdem Kain seinen Bruder Abel ermordet hatte, lesen wir in Gen 4:10 «Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden.» Nun, Blut kann nicht schreien, aber die Seele kann durchaus indirekt Verwirrung und Unruhe schaffen. Vor allem, wenn es die Seele eines Ermordeten ist. In einigen Monaten werden wir im 5. Buch Moses 12:23 lesen, dass «das Blut die Seele des Menschen ist». כִּי הַדָּם, הוּא הַנָּפֶשׁ

(ki ha dam hu ha nefesh)

Juden haben laut der Überlieferung, eine Seele in drei Ausformungen. «Neschama»«Nefesh» und «Ruach». 

Durch Neshama, den Lebensatem, wurden wir erst zu einem lebendigen Wesen. Neshama wurde uns durch Gott nach der Erschaffung des Adam in unsere Lungen eingeblasen. נִשְׁמַת חַיִּים (neshemet chajim) 1. Buch Mose, 2:7

Nefesh הַנָּפֶשׁ ist die Kraft, die unser Leben ausmacht und die uns in der Sekunde unseres Todes wieder verlässt. Die jüdische Tradition sieht den Sitz der Nefesh im Blut des Menschen.

Ruach רוח steht, wenn man es für die Person definiert, für den Intellekt, aber auch für Entschlüsse, Gefühle und Willen. Es ist der Teil der Seele, der die Verbindung zu Gott herstellt. Im 1. Buch Moses, 1:2 lesen wir וְרוּחַ אֱלֹהִים, מְרַחֶפֶת עַל-פְּנֵי הַמָּיִם  (der Geist [ruach] Gottes schwebte über dem Wasser)

Die Seele des Menschen wird Teil des Fötus im Moment der Zeugung und verlässt den Körper nach dem Tod. Daher bezeichnet man den physischen Tod auch als Weggang der Seele (Yetziat HaNeshama) יציאת הנשמה

Das Problem, dass wir Juden haben ist, die Ansprüche der drei Seelen miteinander zu verbinden. Wir müssen so leben können, dass wir die Ansprüche von drei Ebenen miteinander verbinden können, ohne dass eine von ihnen ihren Wert verliert.

Shabbat Shalom ve Chag Pessach sameach!

Meinen christlichen Freunden wünsche ich einen frohen Palmsonntag



Kategorien:Israel, Religion

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