Wochenabschnitt: Beha’alochta, Num 8:1 – 12:16, 4. Buch

ב“ה

17./18.  Siwan  5781                               28./ 29. Mai 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)  18:58

Schabbatausgang in Jerusalem:                              20:19

So könnte die Route der Wanderung ausgesehen haben

Moses hat es schwer in diesem Wochenabschnitt!

Immerhin hat er, wie wir mehrfach gelesen haben, die fast nicht lösbare Aufgabe erhalten, mehr als 600.0000 Menschen sicher durch die Wüste zu bringen. Noch befinden wir uns am Fusse des Berg Sinai. Seit dem Auszug aus Ägypten sind erst zwei Jahre und knappe zwei Monate vergangen. Und doch ist schon so viel geschehen. 

Wir haben die Bundestafeln erhalten, nicht nur einmal, nein zweimal. Beim ersten Versuch hat Moses die von Gott selbst geschriebenen in seinem Zorn auf das Volk Israel zertrümmert. Ihnen war die Geduld ausgegangen und sie hatten das «Goldene Kalb» gebaut, hatten um es herumgetanzt, als Ersatz für die alten Götzenbilder. Doch Gott zeigte Erbarmen und überliess Moses ein zweites Paar an Gesetzestafeln. 

In der Wüste, in der Nähe vom Berg Sinai hatten sie das mobile Stiftszelt gebaut, mit allem, was dazu gehörte. Es wurde die Aufgabe der Leviten, sich des Transportes und der Pflege dieses grössten Heiligtums anzunehmen. 

Seit der Zerstörung des zweiten Tempels von Jerusalem im Jahr 70 CE ist die Bundeslade verschwunden. Man vermutet, sie sei zum Zeichen des ewigen Sieges über die Israeliten (wie sie damals hiessen) im Titusbogen in Rom eingemauert worden.

Aber als das Volk Israel sich aufmachte, vom Berg Sinai in Richtung Jordantal zu wandern, war sie noch bei ihnen. Und hier, an jenem Tag, begann die lange Wanderung durch die Wüste. 

Das Volk Israel kannte weder die Vorteile von GPS noch von Waze. Wer schon einmal in dieser traumhaft schönen und zugleich zutiefst verstörenden  Gegend unterwegs war, der kann die Sorgen der Menschen verstehen. Zu schnell kann man den Weg verlieren. 

Aber Gott liess sie auch in dieser Situation nicht allein. Nachts, so lesen wir, lag ein Feuerschein über dem Lager. Das macht Sinn. Das Feuer vertreibt auch die wilden Tiere, die das Lager bedrohen könnten. Tagsüber, sobald sich eine Wolke über dem Lager erhob, setzte sich die Menschenschlange in Bewegung. Das Feuer und die Wolke wurden ihr Zeitmesser und ihr Kompass. Stand die Wolke über dem Lager still, war die Zeit des Rastens, erhob sie sich, war es Zeit, das Lager abzubrechen und ihr zu folgen.

Jeder, der schon einmal in einem Stau vor einer roten Ampel gestanden hat, weiss, wie lange es braucht, bis sich die ganze Kolonne in Bewegung setzt. Selten gelingt es, bei der ersten Grünphase die Kreuzung zu überqueren. Es bedarf einer speziellen Fahrtechnik, dass sich alle Fahrzeuge mehr oder weniger gleichzeitig in Bewegung setzen. Weder Ungeduld noch Drängeln hilft. Wie lange müssen die Menschen damals gebraucht haben, um loszuwandern?

Heute weiss man, dass Zeiten des Aufbruchs, der Zeiten des Neuen, des Unbekannten psychische Herausforderungen sind. Moses muss sich trotz seinem Glauben unsicher gefühlt haben, denn er bat seinen Schwager Hobab, den Sohn Jithros [auch Reu-el genannt] doch mit ihnen weiterzuziehen. Der lehnte jedoch ab. «Ich werde nicht mitkommen. Ich werde in mein Land und das meiner Familie zurückkehren.» Wünscht sich nicht jeder von uns einen treuen Menschen, der uns bei wichtigen Entscheidungen zur Seite steht? Aber niemand kann «in den Schuhen des Anderen» gehen. Moses musste seinen Weg, der ihm von Gott vorgegeben war, gehen. 

Hobab wird von einigen talmudische Quellen auch als Jithro identifiziert. Von diesem hat Moses viel gelernt. Nicht zuletzt hat er ihm, wie wir in Ex 18:18 – 23 gelesen haben, die Grundzüge des modernen Managements [Management by delegation] beigebracht. Schon damals wäre Moses fast unter der übergrossen Last der Aufgabe zusammengebrochen. 

Jithro hat ihm hilfreich zu Seite gestanden, hat ihm geholfen, seinen Weg zu finden. Aber nun muss jeder allein weiterziehen.

Die Wege zweier Menschen mögen nach aussen ähnlich erscheinen. Identisch sind sie nie. Selbst bei eineiigen Zwillingen zeigen sich, wenn auch nur im geringen Umfang und vor allem bei einer frühen Trennung deutliche Unterschiede im Verhalten. 

Wir haben viele «wenn-dann» Bedingungen von Gott gehört. Er hat uns die Möglichkeit gegeben, sich für oder gegen eine der Bedingungen zu stellen. Auch heute noch wissen wir, vielleicht manchmal unbewusst, mit welcher Reaktion wir auf unsere jeweilige Entscheidung rechnen dürfen oder auch müssen.

Jeder von uns ist zu jedem Zeitpunkt des Lebens auf seinem Weg. Wir wissen, wann er begonnen hat, auch wenn wir uns bewusst nicht daran erinnern. Wir wissen aber nicht, und das ist gut so, wann er enden wird. 

Jeder von uns hat auf dieser Lebensreise Entscheidungen zu treffen. Unser Schicksal im Guten und im Schlechten zu meistern. Wir zwar voller Freude glückliche Momente und Ereignisse. Und wir sträuben uns, negative Erfahrungen anzunehmen.

An diesem Kampf zerbrechen viele Menschen. Um wie viel besser ist es doch, das Schicksal zu verinnerlichen und daraus neue Stärke zu gewinnen. 

Ich wünsche uns allen, dass wir in «unseren eigenen Schuhen» unseren ureigenen Lebensweg gehen und immer die richtigen Abzweigungen finden! Für die, die gerade jetzt einen neuen Lebensweg beginnen, hoffe ich, dass sie ihn ohne Staus, ohne Hindernisse gehen können.

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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