Wochenabschnitt: Chukat, Num 19:1 – 22:1, 4. Buch

ב“ה

8./9. Tammus 5781                                 18./19. Juni 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)  19:07

Schabbatausgang in Jerusalem:                              20:30

Die Wüste Zin mit dem Zinfluss © ES

Die Dinge entwickeln sich dramatisch für das Volk Israel, vor allem aber auch für Moses. 40 Jahre sind sie nun schon in der Wüste unterwegs und nähern sich langsam dem Ziel ihrer Reise. Es ist der Wochenabschnitt der grossen Verluste. Viele Menschen und ein hervorgehobenes Tier verlieren ihr Leben. So hatte Gott es angekündigt, niemand aus der Generation derer, die Ägypten verlassen hatten, sollten im von ihm versprochenen Land ankommen. 

Zunächst jedoch lesen wir eine befremdend anmutende Anweisung. Vielleicht die befremdlichste in der ganzen Thora. Es geht um die «rote Kuh». Gott hebt die Bedeutung dieses Gesetzes besonders hervor. «זֹאת חוקת הַתּוֹרָה» (sot chukat hatora) (diese Statue der Thora) (Num 19:2) kann frei übersetzt werden als «Dieses in Stein gemeisselte Dekret». Um einen Menschen, der mit einem Verstorbenen Kontakt hatte und der damit unrein wurde, wieder zu «reinigen», bedarf es eines speziellen Reinigungswassers. Das reinigende Element basiert auf der Asche einer als Ganzes mit stark duftenden Gewürzen zusammen verbrannten «roten Kuh». Die Rückstände werden mit frischem Wasser vermischt und als «Reinigungswasser» מֵי-הַנִּדָּה (Num 19:21) für das Volk Israel zur Verfügung gestellt. Neben den hier als «rote Kuh» bezeichneten Kühen, die noch niemals trächtig gewesen waren, noch jemals gemolken worden oder im Joch gegangen waren, gibt es tatsächlich eine Kuh Rasse, deren Fell rot-golden ist. Vielleicht hätte diese Tatsache den Vorschlag eines Kindes, den ich vor einigen Jahren einmal gehört habe, unterstützt. Er meinte, man könne doch einfach «rote Kühe» züchten und dann, nach einer entsprechenden Verarbeitung, mit diesem Reinigungselixier ein gutes Geschäft machen. Es sei seinem Alter zugestanden, dass er über die «Unverkäuflichkeit» göttlicher Anweisungen noch nichts wissen konnte. 

Mirjam, Moses’ Schwester, verstirbt in der Wüste Zin. In der Thora ist sie immer Teil an für das Volk Israel wichtigen Ereignissen. In EX 2:1-10 ist sie diejenige, die beobachtet, was mit ihrem Bruder geschieht. Sie ist es auch, die ihre Mutter als Amme für das Baby Moses vorschlägt. Namentlich wird sie hier zwar nicht genannt, aber aufgrund ihrer Nähe zu Moses während der folgenden Jahre geht die Tradition davon aus, dass sie eben diese Schwester ist.  

Jahrzehnte später, nach der Durchquerung des Schilfmeeres, erleben wir ihre übergrosse Freude, als sie in Ex 15:20 zusammen mit den anderen Frauen tanzt und singt. In dieser Textstelle wird sie als erste Prophetin bezeichnet. מִרְיָם הַנְּבִיאָה  – Mirjam hanevia. Mirjiam und die Frauen wiederholen mit ihrem Lied den ersten Vers des viel längeren «Shir haYam» (Lied des Meeres): «Singt für den Herrn, denn er ist gross! Die Pferde und Wagen [der Ägypter] hat er ins Meer geworfen!»

Viel später in Num 12:3 stellt sie erstmals gemeinsam mit ihrem Bruder Aaron die Vorherrschaft von Moses infrage «Hat Gott wirklich nur mit Moses gesprochen? Hat er nicht auch mit uns gesprochen?» Doch Gott weist sie in die Schranken. Er wisse schon, mit wem er direkt spreche und mit wem nicht. Damit hat Gott den alleinigen Anspruch, als Prophet von ihm anerkannt zu sein, nochmals bekräftigt. Viel später, in Deut 18:9 – 22 führt Gott nochmals an, wer für ihn als echter und wer als falscher Prophet gilt. 

Unmittelbar nach dem Tod Mirjams’ erhebt sich das Volk erneut gegen Moses und Aaron. Wieder machen sie ihn verantwortlich dafür, dass es in der Wüste kein Wasser für sie gebe und stellten erneut die Frage, warum er sie aus Ägypten geführt habe, nur um nun in der Wüste zu sterben. Wieder wendet sich Moses an Gott. 

Dieser gibt ihm eine klare Anweisung: «Nimm deinen Stab, versammele dich mit dem Volk Israel vor dem Felsen und sprich zu ihm [dem Felsen]. Er wird genug Wasser geben, um die Menschen und das Vieh zu tränken.» (Num 20:8) Doch was macht Moses? Er schlägt mit seinem Stab zweimal auf den Felsen. Hat er die Nerven verloren? War das genau das eine Mal zu viel, dass das Volk sich gegen ihn erhob? Zwar fliesst das Wasser wie versprochen, aber dieses Mal ist es auch für Gott das eine Mal zu viel, dass Moses und Aaron ihm nicht blindlings vertraut haben. «Ihr beide werdet das Volk nicht in das Land bringen, das ich euch versprochen habe!» (Num 20:12)

Kurze Zeit später verstirbt Aaron und das Volk Israel trauert 30 Tage um ihn. 

Zentrale Punkt dieses Wochenabschnittes ist das Wasser. Wasser als Sinnbild des Lebens. Und damit auch als Sinnbild für die Thora. 

Mirjam hatte es ermöglicht, dass Moses aus dem Nil gerettet wurde. Das Schilfmeer hatte sich geteilt, um das Volk Israel endgültig vor den ägyptischen Verfolgern zu retten. In ihrer überschäumenden Freude und Dankbarkeit hatte sie mit den anderen Frauen ihre Stimme zum Gesang erhoben. In der Wüste leidet das Volk Israel unter Wassermangel und Gott schickt die Rettung durch einen Felsen, aus dem er das rettende Wasser sprudeln lässt. Mirjam stirbt und eine grosse Dürre setzt ein. Ohne Wasser kein Leben. 

Das Volk Israel ist müde geworden während der langen Wanderung. Die Beziehung zwischen ihnen und Gott scheint gestört. Doch irgendwann löst sich der Beziehungsknoten, indem sie endlich Moses gegenüber zugeben können, dass sie Fehler gemacht haben.

Und Gott schickt wiederum die Rettung. In der Nähe der Grenze zu Moab kamen sie an einen Ort Be’er. Dort sagte Gott «Versammele Dein Volk hier, ich werde ihnen Wasser geben.» (Num 21:16)

Voll Glück und die Freude, dass es von jetzt an besser werden würde, stimmten die Menschen erneut ein Lied an «Brunnen breche hervor!»

Wasser ist Leben, Wasser ist immer in Bewegung. Wasser ermöglicht Mobilität. Wasser kann vernichten, aber auch Schutz geben. Wasser verändert die Landschaft. Das kann man vor allem in Wüstengebieten oder entlang von Wasserläufen erkennen. 

Wasser ist auch das Sinnbild für die Thora. Wenn wir uns das immer wieder vor Augen halten, werden wir vielleicht die von ihr ausgehenden Kräfte für uns leichter erkennen und verstehen können. 

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel, Religion

Schlagwörter:

1 Antwort

  1. This „חוקת התורה“
    Came to us All in the right time of our life in our beloved country.
    We all hope and pray for A brave new government to lead us to sensible and respectful attitude toward our leaders and naturally to one another.
    שבת שלום

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: