Wochenabschnitt: Balak, Num 22:2 – 25:9, 4. Buch

ב“ה

15./16. Tammus 5781                                        25./26. Juni 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)  19:08

Schabbatausgang in Jerusalem:                              20:31

Totes Meer mit Blick auf die Berge von Moab ©ES

Dieser Wochenabschnitt löst bei manch Einem zunächst völliges Unverständnis aus. Das Volk Israel ist weiterhin auf seinem Weg in das Land, das Gott ihnen prophezeit hat. Auf diesem letzten Teilstück muss es sich den Weg buchstäblich freikämpfen. 

Im letzten Wochenabschnitt haben wir gelesen, dass die Edomiter ihnen die friedlich beabsichtigte Durchreise verwehrte. Auch als sie dem König von Edom anboten für alles, was sie unterwegs konsumiert hätten, zu bezahlen, bedrohte er sie und zwang sie zu einem Umweg. 

Dieser führte sie in das Gebiet der Amoriter. Sihon, deren König, verweigerte ihnen ebenfalls die Durchreise und liess auch Geld als Entschädigung nicht gelten. Stattdessen griff er sie an. Das Volk Israel gewann den Kampf mit der Hilfe Gottes und besetzte sein Land. Ebenso erging es Og, dem König von Baschan. Auch er wurde besiegt und sein Land besetzt.

Nun sind sie in der Ebene von Moab angekommen. König Balak, der Namensgeber des heutigen Wochenabschnittes, gerät in Panik. Er hat gehört, was mit den Nachbarstämmen der Edomiter und der Amoriter geschehen ist.

Er lässt Bileam, ein Magier und Prophet, rufen. Dieser soll das Volk Israel verfluchen, um ihm, Balak, die Chance eines Sieges zu ermöglichen. 

Doch so einfach ist das mit Bileam nicht. 

Er ist ein gottesfürchtiger Mann, der sich nur auf die Worte Gottes verlässt. Gott verbot ihm, zu Balak zu gehen und das Volk Israel zu verfluchen. (Num 22:12) »Du wirst nicht mit ihnen gehen und du wirst das Volk nicht verfluchen, denn es ist gesegnet.» Balak versucht es ebenfalls mit Geld, doch ohne Erfolg. «Auch wenn mir Balak sein Haus, aufgefüllt mit Gold und Silber geben würde, gegen das Wort Gottes kann ich nichts tun. Gleichgültig, ob es etwas Bedeutendes oder etwas Unbedeutendes ist.» (Num 22:18) In der kommenden Nacht spricht Gott nochmals mit Bileam. Er lässt ihn zu Balak ziehen, aber mit der Auflage, nur das zu tun, was er ihm auftragen würde. 

Bileam steigt auf seinen Esel und macht sich auf den Weg. So hatte er die Anweisung Gottes verstanden. 

Plötzlich, ohne für ihn ersichtlichen Grund wich der Esel vom Weg ab. Bileam schlug ihn mit der Gerte. Nun schien sich der Esel zwischen einem unsichtbaren Hindernis hindurchdrängen zu wollen. Ein zweites Mal schlug Bileam ihn. Und gleich darauf noch ein drittes Mal. Plötzlich sprach der Esel mit ihm (Num 22:28-30) «Warum schlägst du mich, was habe ich dir getan?» und Bileam antwortet: »Weil du mich zum Narren gehalten hast. Hätte ich ein Schwert dabei, hätte ich dich schon umgebracht.» Dies wiederum lässt den Esel antworten: «Bin ich nicht dein Esel, auf dem du seit jeher geritten bist? Habe ich mich schon jemals so wie jetzt gegen dich benommen?» Bileam muss das wahrheitsgemäss verneinen.

Heisst es nicht immer (fälschlicherweise), ein Esel sei dumm? Dieser Esel ist offensichtlich einer, der direkt dem Willen Gottes untersteht. Offenbar hatte er gesehen, was Bileam bisher verborgen geblieben war: Ein Engel Gottes stand auf dem Weg und versperrte diesen, ein Schwert in der Hand.

Bileam hatte sich im guten Glauben, dem Befehl Gottes entsprechend gehandelt zu haben, auf den Weg gemacht. Nun das? Gott war böse auf ihn? 

Erneut erhielt er einen Auftrag: «Geh mit ihnen, aber sprich nur das, was ich dir eingebe!»

Am Ende der Reise trifft Bileam auf Balak, der sich beschwerte, warum er trotz des versprochenen Lohnes so spät käme. Bileams Antwort lautet. «Ich kann dir nur sagen, was mir Gott in den Mund legt.» (Num 22:38)

Was nun folgt, scheint sehr kryptisch zu sein. Bileam fordert Balak auf, sieben Brandopferaltäre zu errichten und sieben Brandopfer vorzubereiten. Er selbst entfernt sich, um erneut Gottes Wort zu hören. Was Balak zu hören bekommt, ist nicht das, was er zu hören wünscht. 

Schliesslich kann Bileam sprechen, die Worte, die ihm Gott eingegeben hat. Statt eines Fluches spricht er einen Segen über das Volk Israel, dessen erste Zeile sich in diesem Wochenabschnitt befindet und der in den Psalmen fortgesetzt wird. «Wie schön sind deine Zelte Jakob und deine Zelte Israel!» (Num 24:5)

Bileam sprach diesen Segen für das Volk Israel, das vor dem Gebiet der Moabiter lagerte. 

Mit den Moabitern verbindet uns eine lange Geschichte. Ruth, die Urgrossmutter König Davids, war eine Moabiterin. Das Volk Moab besiedelte zur Zeit der Wüstenwanderung jenes Gebiet, das dem heutigen Jordanien entspricht. Ein Segen für das Volk Israel, gesprochen auf dem Gebiet eines damals feindlichen und heute Israel-freundlichen Staates, dem Königreich Jordanien.

Im Jahr 2008 erhielt mein Freund Prinz Hassan Ibn Talal von Jordanien den Abraham-Geiger-Preis für «Verdienste um das Judentum in seiner Vielfalt». Anlässlich der Preisverleihung sang Danny Manseng das wunderbare Gebet «Ma tovu». Er sang es nicht nur für alle Anwesenden, sondern auch und vor allem als Hommage an den Preisträger.

Der Kreis schliesst sich.

Was lernen wir aus diesem, zunächst verwirrenden Wochenabschnitt?

Gott hat uns unseren freien Willen gegeben. Wir dürfen entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Es ist unser Wille, den wir durchsetzen dürfen. Aber es ist letztlich sein Wille, dem wir folgen, wenn wir auf ihn hören.

Manchmal ist es die Stimme eines Esels, der wir uns beugen. Manchmal braucht es Umwege, Rückschläge, um zu erkennen, wohin uns der Weg führt. 

Ich wünsche für uns alle, dass es die Wünsche Gottes sein werden, die schon unsere Vorväter an ihr Ziel gebracht haben, die unsere täglichen Entscheidungen stärken und uns auf unserem Weg begleiten.

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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