Wochenabschnitt: Re’eh, Deut 11:26 – 16:17, 5. Buch

ב“ה

28./ 29. Aw 5781                                               6./7. August 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)             18:51

Schabbatausgang in Jerusalem:                                          20:10

Schabbateingang in Zürich:                                              20:34

Schabbatausgang in Zürich:                                             21:43

Schabbateingang in Wien:                                               20:05

Schabbatausgang in Wien:                                               21:15

Modell des 2. Tempels in Jerusalem

Segen und Fluch, das sind die beiden Gegensätze, die Moses zu Beginn des heutigen Wochenabschnittes dem Volk Israel aufzeigt. Damit setzt er die Reihe der „wenn … dann“ Sätze fort. Grammatikalisch sind dies Kausalsätze. „Wenn du das und das tust (oder auch nicht tust), dann wird das und das passieren.“ Während der langen Zeit der Wüstenwanderung haben wir Moses nahezu ausschließlich als Sprachrohr Gottes erlebt. Durch Moses erfuhr das Volk Israel den Willen Gottes. 

Jetzt kurz von dem Ende der Wanderung und kurz vor dem Tod ist er es selbst, der mit seinen eigenen Worten spricht. Aus ihm spricht die jahrelange Lebenserfahrung. Er kennt seine Grenzen. In Deut 11:26 lässt er die Folgen unserer Handlungen offen. Über die darf nur Gott entscheiden. 

Es folgt eine ganze Reihe von Vorschriften, die für uns, aus heutiger Sicht unverständlich sind. Ist es wirklich so, dass wir Heiligtümer, Statuen und Altäre zerstören sollen, die für Menschen anderer Religionen wichtig sind?

Erinnern wir uns an den März 2001, als die Taliban die beiden, im 6. Jahrhundert entstanden Buddhastatuen von Bamiyan zerstörten. Oder als die IS Terroristen die Ruinen des Tempels im syrischen Palmyra endgültig dem Erdboden gleichmachten. Ein Aufschrei der Empörung ging durch die zivilisierte Welt.

Fordert Gott uns tatsächlich auf, uns genauso zu verhalten, wie diese Unmenschen?

Erinnern wir uns besonders an die zweimalige Zerstörung unseres Tempels in Jerusalem. Was geschah damals mit uns?

Wir verloren unsere Heimat, mussten fliehen und wieder als Fremde unter Fremden leben. Nach der ersten Zerstörung dauerte das Exil weniger als einhundert Jahre. Die zweite Vertreibungswelle begann mit der Zerstörung des zweiten Tempels und endete erst mit der Gründung des Staates Israel. Jahre, die geprägt waren mit Verfolgung, Ausgrenzung und mit der grausamen Shoa. Wir verloren nicht nur unsere äussere Heimat, sondern auch unsere gemeinsame Identität. 

Will Gott das, was er am Ende der Wüstenwanderung von uns verlangte, tatsächlich auch heute, im Jahr 2021 noch? Steht doch in Deut 13:1 „Nehmt [von den Geboten] nichts hinweg und fügt nichts hinzu.“

Damals hatten diese strikten Anweisungen durchaus Sinn. Noch war das Volk umgeben von feindlichen Völkern, die ihnen den Durchzug in das versprochene Land schwer machten und eine Bedrohung für sie darstellten. Sie, die im Umgang mit anderen Religionen keinerlei Erfahrung hatten, mussten erst lernen, sich im vielfältigen religiösen Umfeld zu positionieren und ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen. 

Diesen Prozess haben wir heute abgeschlossen. Wir haben gelitten und Rückschläge hinnehmen müssen. Mehr als sechs Millionen unseres Volkes wurden Opfer des Genozides durch die Nazis. Doch mitten in der tiefsten Dunkelheit entstanden Signale der Hoffnung. Wie in diesem Lied, geschrieben 1943 im Ghetto von Wilna.

Wir müssen auch keine Menschen töten, nur weil sie «anders» sind als wir. Im Gegenteil, gerade weil wir selbst so oft unterdrückt und gequält worden sind, müssen wir andere Lösungen finden, wenn es Probleme gibt. 

Wir haben überlebt. Wir haben bittere Erfahrungen gemacht und eine neue Sicherheit gewonnen. Wir können uns besser wehren und vor allem, wir haben eine Heimat, in die wir jederzeit gehen dürfen. In dem Land, das Gott unseren Vorvätern versprochen hat und in das Moses das junge Volk Israel geführt hat. 

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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