Wochenabschnitt: Ki Tezei, Deut 21:10 – 25:19, 5. Buch

ב“ה

12./13. Elul 5781                                             20./21. August 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)           18:37

Schabbatausgang in Jerusalem:                                      19:54

Schabbateingang in Zürich:                                              20:11

Schabbatausgang in Zürich:                                             21:16

Schabbateingang in Wien:                                                19:41

Schabbatausgang in Wien:                                                20:47

Jan Massys „David und Batsheva“, Louvre Paris

Dieser Wochenabschnitt beginnt mit den Worten „Ki Tezei [le milchama]“ (wenn du hinausziehst [in den Krieg]). Wer aber nun Kriegerisches erwartet der wird enttäuscht.  Es geht um Beziehungen zwischen Mann und Frau, wie überhaupt fast der gesamte Wochenabschnitt sich mit diesem Thema beschäftigt.

Ist sie eine Kriegsgefangene, so darf der, der sie „erbeutet“ hat, sie auch heiraten. Zuvor aber soll sie die angemessene Trauerzeit für ihre Eltern einhalten. Auch für sie gilt der Grundsatz „du sollst Vater und Mutter ehren und du wirst leben ewiglich.“ (Ex 20:12 und Deut 5:16)

Wird sie von ihrem Ehemann, der sich von ihr trennen will, unberechtigt des vorehelichen Geschlechtsverkehrs beschuldigt und ihr Vater kann ihre Unschuld beweisen, so muss der Mann bestraft werden. (Deut 22:12-18) Er muss sie als Ehefrau behalten. Ein furchtbarer Gedanke. Die unschuldige Frau muss sich damit abfinden, lebenslang an den Mann gebunden zu sein, der sie so beleidigt und gedemütigt hat!

Überhaupt finden wir in diesem Wochenabschnitt einige Gebote, die die vor- oder ausserehelichen Beziehungen zwischen Mann und Frau regeln. Nicht immer und unbedingt, wird die Frau gegenüber dem Mann bevorzugt.

Damals wie heute ist einvernehmlicher Geschlechtsverkehr kein Vergehen, dass geahndet werden muss. Nach dem damaligen Rechtsempfinden begehen jedoch sowohl der Mann als auch die Frau damit eine Straftat, der, wenn sie erwischt werden, die Todesstrafe folgt. Interessant, dass hier klar formuliert wird, dass nur die Frau, ihre Ehe bricht, während beim Mann der Zivilstatus undefiniert bleibt. (Deut 22:22)

Auch wird zwischen den Orten, an denen der Beischlaf vollzogen wurde, unterschieden. In Deut 22:23 lesen wir, dass die Rechtsprechung einen Unterschied macht, ob dieser innerhalb einer Stadt, oder auf dem freien Feld stattfand. Wir können nicht erkennen, ob der Beischlaf einvernehmlich stattfand, oder ob Gewalt im Spiel war. Dass das Letztere der Fall war, kann man nur aufgrund des unterschiedlichen Strafmasses und der Begründung dazu vermuten. Im ersten Fall, also innerhalb einer Stadt, werden beide zum Tode verurteilt. Er, weil er sie sich gefügig gemacht hat und sie, weil sie nicht um Hilfe gerufen hat. Im zweiten Fall, also auf dem offenen Feld, wird er zum Tode verurteilt, sie aber geht straflos aus, weil sie vielleicht um Hilfe gerufen, sie aber niemand gehört hat.  

Hier ist eine klare Unschuldsvermutung zu erkennen, die in der modernen Rechtsprechung ein Standardgrundsatz ist.  Im Artikel 11, Absatz 1 der UN-Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 heisst es Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist so lange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.“

Im Judentum gab es im Laufe der Zeit, zurückgehend bis zu den Ursprüngen, wechselnde Haltungen. In Lev 20:10 finden wir eine weitere Besonderheit, wenn der Ehebruch mit der Ehefrau eines «Nächsten» begangen wird, so ist er strafbar, ist der betrogene Ehemann jedoch ein «Fremder» so bleibt er straflos. Einer der grossen Männer der jüdischen Geschichte, König David, war direkter Nutzniesser dieses Gesetzes. Er betrog einen seiner Generäle, Urija, mit dessen Frau Batscheva. Urija war Hethiter und somit ein Fremder. Trotzdem waren, wir kennen die Geschichte, die Folgen für alle drei Betroffenen hart. 

Das erste Kind von König David und Batscheva, das kurz nach der Geburt verstarb, war entsprechend der damaligen Rechtslage ein מַמְזֵר (mamser). Die Stellung dieser ausserehelichen Kinder, die ihr Leben einem Ehebruch verdanken wird in der Thora hart beurteilt. Sie werden (Deut 23:3) während zehn Generationen als nicht zum Volk Israel zugehörig angesehen. 

Die Urgrossmutter Davids, Rut, ist Moabiterin, und somit Angehörige eines Stammes, dessen Aufnahme in das Volk Israel in Deut 23:4 auf immer und ewig verwehr werden soll. Ist also weder der von uns allen so hoch geachtete König David, noch sein Sohn Salomon berechtigt, sich als König der vereinigten Königreiche Israel und Judäa zu bezeichnen? Wir können beruhigt sein, in der Mischna, Traktat Jevanot 8:3 lesen wir: «Amoniter und Moabiter sind verboten, und ihr Verbot ist ein ewiges Verbot; ihre Frauen sind jedoch bereits heute erlaubt.»

Damals wie heute sind Beziehungen zwischen den Geschlechtern, und ich spreche hier nur von Mann-Frau, alles andere als einfach. Heute, im Zeitalter der virtuellen Welten, ist es einfach geworden, sich hinter einem falschen Namen zu verstecken. Die sich daraus ergebende Gefahr ist nicht nur für Kinder gegeben. Auch Erwachsene sind gefährdet. Die Folgen, dieser Beziehungsanbahnung sind oft nicht vorhersehbar. Halten wir die Augen offen, achten wir auf unsere «Nächsten» und auf uns selbst!

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel, Religion

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