Wochenabschnitt: Chol HaMoed Sukkot, Ex 33:12- 34:26. u. Num 29:26-28

ב“ה

18./19.Tishrei 5782                                         24./25 September 2021  

Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)             17:53

Schabbatausgang in Jerusalem:                                        19:08

Schabbateingang in Zürich:                                               19:01

Schabbatausgang in Zürich:                                              20:03

Schabbateingang in Wien:                                                18:30

Schabbatausgang in Wien:                                                19:32

Dieser Schabbat fällt in die sieben Tage von Sukkot, es ist also ein Schabbat Chol HaMoed. Daher lesen wir ebenso wie an Chol HaMoed Pessach, einen besonderen Wochenabschnitt aus den Büchern Exodus und Numeri. 

Am kommenden Dienstagabend beginnt das letzte Fest des herbstlichen Zyklus von jüdischen Feiertagen. Shemini Azeret und Simchat Thora werden in Israel zusammen gefeiert. Überall sonst auf der Welt ist dies ein zweitägiger Feiertag. Es ist der fröhlichste Feiertag im Judentum. In Gemeinden, in denen die fünf Bücher in einem Jahr gelesen werden, endet der Zyklus an diesem Tag. Anschliessend wird gleich wieder mit dem Lesen des ersten Buches begonnen. Die Ehre, zu diesen zwei besonderen Kapiteln aufgerufen zu werden, erhalten zumeist zwei hoch angesehene Gemeindemitglieder. Von «Braut und Bräutigam der Thora» und von «Braut und Bräutigam Bereschit» [in der Orthodoxie gibt es natürlich nur besonders angesehene Männer] erwartet man nach dem Gottessdienst einen festlichen Kiddusch. Und der will zunächst wohlverdient sein! An Simchat Thora werden alle Thorarollen hervorgeholt und in feierlich-fröhlichen Hakafot (Umzüge durch die Synagoge getragen. Manchmal werden aus den Umzügen fröhliche Tänze.

Dabei ist der letzte Abschnitt der Thora kein lustiger. Er berichtet vom Tod Moses’. Dem grössten Propheten, den das Volk Israel hatte. 

Meine Freundin Barbara Pfeffer Billauer-Bailey hat diesen Abschnitt im Jahr 2014 in eine moderne Form gebracht. Danke Barbara, für diese Geschichte über die letzten Lebenstage von Moses!

Moses und die geheimnisvolle rote Box (2. März 2014)

Wir wissen, dass Moses kurz vor seinem Tod im Alter von 120 Jahren für einen kurzen Augenblick ganz Israel sehen durfte. Es war ihm aber verboten, das Land zu betreten. Dieses neue Szenario der uralten Geschichte hätten wir noch vor zwanzig Jahren als unmöglich abgetan. Aber es hat sich viel geändert!

Gott sagt zu Moses: „Also, ich werde dir nun dein Land zeigen, das Land, das ich dir und deinem Volk versprochen habe.“

 Gott stellt eine kleine rote Box vor Moses und sagt: „Das ist ein Computer, Moses, ich erkläre dir jetzt, wie er arbeitet. Als Erstes drückst du diesen blauen Knopf und die Box wird sich öffnen.“

 Moses drückt, wie Gott ihm erklärt hat, den blauen Knopf und für ein paar lange Minuten geschieht – gar nichts! Was Moses nicht weiss, es handelt sich um eine Schabbat taugliche Version, die mit der entsprechenden Zeitbegrenzung ausgestattet ist. Moses wird kribbelig.

 „Nu?”, fragt er die Box. Irgendwann beginnt sich die Abdeckung langsam zu öffnen, Lichter gehen an und die ganze Box beginnt in einem exterrestrischen Licht zu leuchten. Aber alles, was Moses sehen kann, ist ein blauer Bildschirm, den er erstaunt anstarrt.

 Dann meldet sich wieder Gott und sagt zu ihm: „Dieser Computer ist mit einer automatischen Stimmerkennung ausgestattet. Sage jetzt: Google!

 Moses ist jetzt wirklich aufgeregt. Wird er wirklich das ihm und seinem Volk versprochene Land sehen? Und alles, was er tun muss, ist „Google“ zu sagen? Also sagt er „Google“.

Pech, der Computer ist schon wieder im Schabbat Modus, nichts passiert. Moses wird immer unruhiger, er zappelt vor dem dunklen Bildschirm herum.

 „Ok denkt er, manchmal muss man etwas länger auf Gottes Wunder warten. Erinnert euch an Nachschon, den Sohn des Aminadav. Er musste erst bis zum Kinn in das Wasser des Roten Meeres eintauchen, bevor es begann, sich zu teilen.” Aber diese Verzögerung hier, die ist wirklich lächerlich. Moses denkt, dass Gott ihn verlassen hat.

 Plötzlich verändert sich die Bildschirmfarbe und Moses sieht:

„Was ist das für ein Spiel, das Gott hier mit mir spielt?”, denkt Moses, „Das ist ein Bild vom Garten Eden, jeder kennt das.“ Er will gerade aufbegehren, als Gott sagt:

„Moses, jetzt sagst du: Google Earth.“

Moses, der schon leicht verwirrt ist, und sogar schon die Worte „Hüte“ und „Gedenke“ im Gebet verwechselt hat, was zwar nicht weiter schlimm ist, aber doch zeigt, wie es um seine Nerven steht, missversteht den Befehl. Trotzdem, in ihm keimt wieder Hoffnung. Er denkt daran, dass er das magische Wort „Google“ schon einmal benutzt hat und Gott ganz sicher nicht will, dass er es wiederholt. Sogar die Thora ist sparsam im Umgang mit Worten, eines einfach hinzuzufügen ist ebenso unerwünscht, wie eines abzuändern und einfach wegzulassen. Entsprechend interpretiert er den Befehl und sagt nur „Earth“.

Das Bild vom Paradies verschwindet langsam aus dem Blickfeld und macht einem pechschwarzen Bildschirm Platz. Langsam tauchen aus dem Hintergrund einzelne, winzig kleine Lichtflecken auf, die sich in der Mitte des Bildschirms langsam zu einer Kugel zusammenfinden. Überall verteilt auf der Kugel gibt es grüne Felder. Auf einmal taucht eine zweite, kleinere Kugel auf, die um die große rotiert.

Moses starrt auf das seltsame Bild. Und starrt, und starrt.

Plötzlich schießt es ihm durch den Kopf: Ist das das Land, in dem Milch und Honig fließen?

Er kann nicht glauben, was er sieht. Er schüttelt den Kopf. Ganz sicher ist dies kein Land, in dem es Sahne und Melasse im Überfluss gibt, auch nicht Milch und Honig. Tatsache ist, es schaut aus wie…………. der Himmel! Was ist das? Ein Trick? Versucht Gott ihn zu beschwichtigen, dass der Ort, an den man nach dem Tod geht, doch nicht so schlimm ist?

Kann sein, aber, es ist nicht das versprochene Land!

Gott kann Moses Gedanken lesen und sagt: „Moses, ich sagte zu dir: Google Earth!“

„Ups, tut mir leid”, antwortet Moses, nun leicht sauer, aber immerhin, es ist Gott, der da spricht. Also knurrt er „Google Earth“.

Der Bildschirm wird wieder schwarz und dann wieder blau.

Was soll das wieder? Das ist nicht Israel. Da fließen nicht Milch und Honig durch sattgrüne Weiden. Stattdessen tauchen einige Worte auf, die Moses laut liest.

Google Earth Download Free 1400 BCE Edition Full Version

Moses beginnt zu schwitzen, sein Puls rast und sein Herz klopft stark, und er ist sicher, dass Gott mit ihm spielt. Kann es sein, dass Gott eifersüchtig ist, weil er, Moses, Jethro gebeten hat, als sein Mentor bei ihm zu bleiben?

„Aber Gott, du hast gesagt, ich könne es sehen, du hast es versprochen.“ Er beginnt zu weinen.

Gott beachtet das Weinen nicht. „Und jetzt sagst du dem Computer: Israel.“

Aber Moses erträgt keine weiteren Enttäuschungen mehr, das Warten, die vierzig Jahre der Wanderung durch die Wüste, das Maulen und die Beschwerden der Israeliten. Gott hat ihn angeschrien, seine Leute haben ihn angeschrien. Jetzt wird er verrückt, richtig verrückt!

Voller Wut und Zorn nimmt er seinen Stock und drischt auf die kleine Box ein, immer und immer wieder, mit all seiner Kraft.

Die kleine Box klappert und scheppert und fällt teilweise auseinander. Aber plötzlich beginnen die Buchstaben auf dem Bildschirm zu tanzen und als sie schlussendlich stehen bleiben kann man lesen:

Google Earth is now fully downloaded

Dann ganz plötzlich verschwindet dieser Schriftzug und ein Schatten wird sichtbar, unscharf zuerst, dann immer schärfer. Bilder des versprochenen Landes tauchen auf, es ist, als würde das ganze Land gescannt werden, vom Norden bis ganz in den Süden, vom Westen bis in den Osten. Jedes Bild wird herangezoomt, sodass Moses jedes Detail erkennen kann Blumen, Büsche, Bäume, Berge, Strände. Von Rosh Pina bis Eilat, Von Dor bis Jerusalem. Dort zoomt der Computer den Moriah Berg ganz nah heran, jenen Ort, an dem irgendwann der Tempel gebaut werden wird.

Doch dann bricht die Box endgültig auseinander, zerstört durch Moses Gewalt.

Moses erkennt, was er getan hat.

Und Gott nimmt Moses mit einem Kuss zu sich – bevor er an den Folgen seines Schocks sterben wird.

Vielleicht hat Gott ihm damit einen Gefallen getan. 

Schabbat schalom, moadim le simcha!

© Barbara Peffer-Billauer
 



Kategorien:Barbara's and Norman's corner, Israel, Religion

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