Wochenabschnitt: Noah, Gen. 6:9 – 11:32 

ב“ה

2./3. Cheshwan 5782                                                  8./9. Okt 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)             17:35

Shabbatausgang in Jerusalem:                                        18:50

Shabbateingang in Zürich:                                               18:33

Shabbatausgang in Zürich:                                              19:35

Shabbateingang in Wien:                                                18:01

Shabbatausgang in Wien:                                               19:03

Der Wochenabschnitt der vergangenen Woche endet fast mit einer Katastrophe. Dass Gott mit dem Prototypen der Menschen, mit Adam und Eva ziemlich unglücklich war, hatte sich bereits früher abgezeichnet. Doch er hatte ihnen verziehen, ihnen eine zweite Chance gegeben.

Er hatte ihnen die Fähigkeit zur freien Entscheidung mit auf den Weg gegeben. Damit mussten sie zukünftig die Verantwortung für sich selbst übernehmen.

Doch musste er erkennen, dass die Menschen sich seiner Liebe nicht würdig erwiesen. Das Schlechte in ihrem Verhalten nahm Überhand und so beschloss er, sie mitsamt den meisten Tieren wieder von der Erde zu nehmen. Wenn, ja wenn es da nicht Noah gegeben hätte!

Die Erde, einst von Gott so liebevoll und voller Hoffnung erschaffen, verdorrte, die Tiere litten, weil ihre Pflege die Menschen offensichtlich nicht mehr interessierte. Müssen wir nicht Ähnlichkeiten mit heute erkennen? 

Menschen machen Fehler, das liegt in ihrer Natur. Nicht jeder erste Versuch, etwas Neues zu erfinden, neue Wege zu gehen, wird erfolgreich sein, manchmal bedarf es langer Phasen des Ausprobierens. „Heureka!“ soll Archimedes ausgerufen haben, als er nach vielen Versuchen endlich mehr zufällig auf das Prinzip der Wasserverdrängung stiess. Nehmen wir die fossile Energienutzung als Beispiel für einen der grössten Verursacher der heutigen Klimakrise. Als der Mensch herausfand, dass man mit Kohle hervorragend heizen konnte, verbesserte sich die Lebensqualität in den Städten schnell. Was er nicht wusste war, dass durch die Verbrennung grosse Mengen von gesundheitsschädlichen Schadstoffen in die Atemluft gelangen. Und nicht nur das, im Braunkohlenabbau leidet die Natur unter den exzessiven Abbaumethoden. Die Erde hat durch menschliches Versagen und Veruntreuung dieses grossen göttlichen Geschenkes Schaden genommen. Jetzt, um „Fünf vor zwölf“ ist es das globale Thema!

Wir müssen selbst aktiv werden, wenn wir unsere Erde, den einzigen Lebensraum, den wir haben, retten wollen. 

Gott revidiert seine Meinung ein zweites Mal, nach der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden. Er wird zwar alles Leben auf der Erde durch eine grosse Überflutung zerstören, sie sozusagen wieder in den Urzustand zurücksetzen: (Gen 1:2) וְהָאָרֶץ, הָיְתָה תֹהוּ וָבֹהוּ «und die Erde war wüst und leer».

Gott gibt eine genaue Anweisung, wie Noah vorzugehen hat, damit mit dem Ende der Flut das Leben weitergehen kann. Noahs Familie und von jedem Tier ein Paar, die sind es, die in der Arche eine vorübergehende Heimstatt finden sollen. Die Erfüllung dieser Anweisung ist der erste Bund, der von Gott mit den Menschen geschlossen wird. 

Vierzig Tage wird der reinigende Regen dauern. Und nochmals 150 Tage, an denen die Erdoberfläche völlig vom Wasser bedeckt war. Vierzig Tage der Erneuerung, so wie Generationen später eine andere «Erneuerung» vierzig Jahre dauern wird, um die Kinder Israel fort aus der Sklaverei in Ägypten in ein neues Leben führen wird. Und noch etwas ist bedeutsam, auch bei dieser Erneuerung stand am Anfang des langen Weges Wasser, das Schilfmeer, das sich teilte, um die Kinder Israels passieren zu lassen. Wasser hat im Judentum eine besondere Bedeutung. Denken wir auch an den Besuch der Mikwe, dem Ritualbad, das aus «lebendigem Wasser» gespeist werden muss. Frauen wie Männer besuchen sie regelmässig, um sich rituell für einen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten.

Als die Taube, von Noah ausgeschickt, nicht mehr zurückkehrt, und er weiss, dass die Erdoberfläche wieder trocken ist, brachte er das erste Brandopfer, von dem wir erfahren, dar. 

An dieser Stelle steht ein interessanter Satz. (Gen 8:21) »Ich will die Erde wegen des Fehlverhaltens des Menschen nicht mehr verfluchen. Die Absicht des Menschen ist von Anfang an schlecht. Ich will auch nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe.» Bei Gott geschieht nichts ohne Absicht, er hat auch ganz sicher keinen Fehler in seiner Überlegung, wie er den Menschen schaffen wollte, gemacht. So kann dieser Teil des menschlichen Charakters nur als der gewertet werden, der uns die Entscheidung, ob wir «gut» oder «schlecht» handeln ermöglicht. Ein perfekter Mensch würde diese Möglichkeit gar nicht brauchen, und eben den gibt es nicht!

Als Zeichen des völlig neuen Anfangs gibt Gott den Menschen das Recht Fleisch zu essen. Aber auch hier ist er schon weit hinausschauend! Fleisch ja, aber kein Blut. Der erste Gedanke des Schächtens ist geboren.

Als Sinnbild des Neuen Bundes zwischen Gott und den Menschen schenkt er uns ein wunderbares Bild. Nein, es ist nicht der Turm zu Babel, der am Ende des Wochenabschnitts beschrieben wird und der ein neues Chaos auslöst.

Es ist der Regenbogen. Jenes Zeichen, das sich uns bei entsprechender Wetterkonstellation als vollkommener Halbkreis am Himmel zeigt. 

Gibt es jemanden unter uns, der nicht die Geschichte kennt, die uns unser Vater, oder unsere Mutter erzählt hat? Die Geschichte vom grossen Schatz, der am unteren Ende des Regenbogens versteckt ist? Gibt es jemanden unter uns, der nicht versucht hat, das Ende des Regenbogens zu erreichen, um dort den Schatz zu finden?

Keiner von uns hat ihn je gefunden. Und doch ist der Schatz da.

Deswegen lesen wir in Gen 9:16-17, dass der Bogen Gott auf immer daran erinnern wird, dass er einen ewigen Bund mit den Menschen geschlossen hat.

Glaube und Hoffnung, Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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