Wochenabschnitt: Wajera, Gen. 18:1 – 22:24 

ב“ה

16./17. Cheshwan 5782                                              22./23. Okt 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                     17:19

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:35

Shabbateingang in Zürich:                                                            18:07

Shabbatausgang in Zürich:                                                           19:10

Shabbateingang in Wien:                                                             17:34

Shabbatausgang in Wien:                                                            18:38

Jesuiten Apotheke in Trier (BRD) „Die Opferung des Isaak“

Dieser Wochenabschnitt ist voll von Dramatik! Er ist die Gegenüberstellung von Güte und Schrecken. Güte bei Abraham und Lot, Schrecken in Sdom!

Es muss ein heisser Sommertag in Mamre bei Hebron gewesen sein. Abraham hatte Schutz vor der Hitze im Schatten seines Zelteingangs gefunden, als er sah, dass sich drei Männer näherten. Etwas muss ihn aufmerksam werden lassen. Er eilte zu ihnen und begrüsste einen der drei als „Herr“ sich selbst aber als „Knecht“, der sie auf das Herzlichste zu sich einlud. Tatsächlich waren zwei der Männer Engel, der dritte aber war Gott. Jeder weiss, dass Gottes Gegenwart allgegenwärtig ist, aber nur ganz wenige Menschen dürfen ihnen sehen. Selbst Moses, der doch so viele Stunden und Tage in Gottes unmittelbarer Nähe verbracht hatte, durfte ihn nie von Angesicht zu Angesicht sehen. Nur einmal war es ihm vergönnt, ihn von hinten zu erahnen. 

Abraham zeigt sich von seiner allerbesten Gastgeberseite. Nicht nur Wasser zur Erfrischung liess er bringen. Von Sarah liess er Kuchen backen, die Knechte mussten ein junges Kalb schlachten und zubereiten. In Gen. 18:8 lesen wir dann zunächst etwas Verwirrendes: „Er nahm Butter und Milch, sowie das Kalb, das er hatte zubereiten lassen und setzte es ihnen vor.“ Bereits als kleine Kinder haben wir gelernt, dass wir „… nicht das Böcklein in der Milch seiner Mutter kochen sollen.“ Dreimal lesen wir diesen grundsätzlichen Leitsatz aller Kashrut Gesetze, zweimal im zweiten und einmal im fünften Buch Moses. Für Abraham waren diese Gesetze noch nicht existent.  Für ihn bildeten feine Kuchen, Milch, Butter und ein perfekter Kalbsbraten das höchste der gastronomischen Gefühle. 

Für Sarah, ganz Frau ihrer Zeit, war es klar, dass sie „unsichtbar“ bleiben musste. Ihr Platz war bei den Frauen und nicht bei den Männern. Auch wenn das, was sie nun hörte, ihre Neugierde erweckt haben muss, sie musste im Verborgenen bleiben. Aber ihre Reaktion blieb Gott, der einer der drei Männer war, nicht verborgen. Als er ankündigte, dass sie in einem Jahr, wenn er wieder vorbeikäme, einen Sohn haben werde, musste sie schmunzeln. Gott bekräftigt nochmals seine Prophezeiung, bevor er sich mit seinen Begleitern aufmacht. Nur mit Abraham spricht Gott direkt, so wie er später mit Moses sprechen wird. 

Gott und seine Begleiter machen sich auf nach Sodom und Gomorrha (Sdom ve Amora סְדֹם וַעֲמֹרָה), jenem Ort, an dem sich Lot, der Neffe Abrahams niedergelassen hatte. Sdom liegt am südlichen Teil des Toten Meeres. Eine Felsformation erinnert an das Drama, das sich hier abspielte. Sdom, Gott wohlbekannt für seinen Sittenverfall, soll von ihm ausgelöscht werden. Abraham, ein gerechter Mann, der aber auch berechtigte Sorge um seine dort lebende Familie hat, handelt mit Gott. Eine berührende, grossartige Szene! Abraham nutzt die einmalige Situation, in der Gott direkt mit ihm spricht aus. Er handelt mit Gott fast so, wie er auf einem Basar um einen besseren Preis feilschen würde – und Gott, was tut er? Er lässt mit sich handeln!! Im Sinne der Gerechtigkeit fleht Abraham, Sdom zu verschonen, wenn sich in der Stadt doch gute, gerechte Menschen finden sollten. Er spricht von 50, 45, 40, 30, 20 und schlussendlich 10 Menschen. Gott weiss, dass die Familie von Lot gut und gerecht ist, diese gehört zum Clan von Abraham. Auch die Nachfahren von Lot sind Teil des Versprechens, dass Gott Abraham gab. Gott weiss, dass er keine zehn Gerechten in Sdom finden wird und beendet das Gespräch.

Wie zuvor Abraham, so begrüsst auch Lot die Männer auf das Herzlichste und bewirtet sie in seinem Hause. Der Mob von Sdom verlangt von ihm ihre Herausgabe, damit sie sich an ihnen vergehen konnten, wie es ihren sexuellen Praktiken entsprach. In seiner Verzweiflung, die Gäste zu schützen, bietet er dem Mob sogar seine zwei Töchter an. Gott lässt dieses Opfer nicht zu und fordert Lot auf, mit seiner Frau und den zwei Töchtern die Stadt zu verlassen. Für sie, die als einzige wohlgefällig in Sdom gelebt hatten, würde er eine kleine Stadt im Gebirge verschonen. Aber, so machte er zur Auflage, niemand dürfe sich umdrehen, wenn er Sdom und Amora verwüsten würde. Doch Lots Weib konnte sich nicht zurückhalten, sie blickte zurück auf die zerstörte Heimat und ….. erstarrte zu einer Salzsäule, heute bekannt als „Lot’s Weib“.

Lot war nun ein alleinerziehender Vater mit zwei Töchtern, die schon lange heiratsfähig waren. Nur gab es in dem Gebiet, in dem sie lebten, weit und breit keinen Mann, den sie hätten heiraten können. War es Verzweiflung? War es Torschlusspanik? Oder war es das Wissen, dass ihr Stamm weiter existieren müsse, um Gottes Plan zu erfüllen? Wir dürfen die Wertvorstellung von heute nicht mit der von damals vergleichen. Lots Frau war selbst Sodomiterin, sie war aufgewachsen in deren Wertesystem und hatte dies auch ihren Töchtern weitergegeben. Hüten wir uns also, und das gilt nicht nur hier und jetzt, jemanden vorschnell zu verurteilen, ohne die genauen Hintergründe zu kennen! 

Das Leben nahm seinen Gang, so wie es Abraham prophezeit worden war, nach Ishmael, seinem Erstgeborenen, wurde sein zweiter Sohn, Isaak – Er [Gott] hat gelacht – יִצְחָק, geboren. Sara jedoch wurde beim Anblick des älteren Ishmael immer unruhiger und bat ihren Mann schlussendlich, ihn, gemeinsam mit seiner Mutter wegzuschicken. Hagar ging fort und musste sich um ihr Leben und das ihres Sohnes sorgen. Beide Frauen, so muss man sagen, hatten zu wenig Vertrauen in Gott und dessen Weitsicht. Hatte er doch beiden Knaben versprochen, ihre Nachfahren zu grossen Völkern zu machen. Also würde er sie auch beschützen und für sie sorgen.

Heute, rückwirkend ist es einfach zu sagen, klar, Gott hat das alles geplant, und er wird nicht seine eigenen Pläne torpedieren. Aber ganz ehrlich, wie würden wir heute reagieren, selbst im Wissen, dass wir uns auf Gottes Pläne verlassen dürfen, wie würden wir reagieren, wenn er uns auffordern würde, unser einziges Kind zu opfern? Genau das aber tat Gott, er verlangte von Abraham, ihm Isaak zu opfern. Kein unbekanntes Tun in der Zeit. Noch kurz bevor Gott seinen Bund mit Abraham schloss, waren Menschen- und hier vor allem Kinderopfer durchaus an der Tagesordnung.

Ich kann nur für mich sprechen, ich würde versuchen zu verhandeln, Alternativopfer anzubieten. Und dabei im Prinzip wissen, dass das alles nicht helfen wird. Abraham hat dieses Wissen aber noch nicht. Er hat noch keine Vergleichsmöglichkeiten. Doch er vertraut auf alles, was Gott von ihm verlangt. Ohne es zu hinterfragen. Sicher wird er sich schweren Herzens auf den Weg gemacht hinauf zum Berg Moria, im heutigen Jerusalem auf dem Tempelberg gemacht haben. Mit einem Herz, das vor Trauer schmerzte. Vielleicht auch mit einem kleinen Funken Hoffnung …

Gott geht bis an die Grenze des für ihn Erträglichen. Erst als die Hand des verzweifelten Vaters schon das Messer hielt, stoppte Gott ihn! Er hat das grösstmögliche Opfer von Abraham verlangt und er hat es bekommen. Nicht als vollendete Tat, aber als feste Absicht. Und wieder in Gen 22:17-19 erneuert Gott sein Versprechen und seinen Bund.

Abraham kehrt nicht nach Mamre zurück, warum, erfahren wir nicht, sondern er bleibt auf seinem Rückweg in Beer Shewa und siedelt sich dort, gemeinsam mit seinem Sohn Isaak an. 

Von Sarah hören wir hier ab dieser Stelle nichts mehr. Wir wissen nicht, ob sie von der glücklichen Rettung ihres einzigen Kindes gehört hat, wir wissen nicht, ob die Ehe mit Abraham an dieser grossen Prüfung zerbrochen ist. 

Die grosse Abraham Erzählung, die unseres ersten Stammvaters endet hier zwar glücklich, aber doch mit einigen offenen Fäden. Sie werden in den kommenden Wochen zusammengefügt werden. 

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

Schlagwörter:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: