Wochenabschnitt: Chaje Sarah, Gen. 23:1 – 25:18 

ב“ה

24./25 Cheshwan 5782                                    29./30. Okt 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)             17:12

Shabbatausgang in Jerusalem:                                        18:28

Shabbateingang in Zürich:                                                17:55

Shabbatausgang in Zürich:                                               18:59

Shabbateingang in Wien:                                                  17:22

Shabbatausgang in Wien:                                                18:27

Höhle Machpela, Vincent van Gogh 1877

Chaje Sarah ist der Wochenabschnitt, der für mich immer wieder mit einem Fragezeichen beginnt. Nachdem Gott Abraham aufgefordert hatte, ihm seinen Sohn Isaak in Jerusalem auf dem Berg Moria zu opfern, war er nicht zu Sarah nach Hebron zurückgekehrt. Laut rabbinischer Auslegung war Isaak zu dem Zeitpunkt bereits 37 Jahre alt. Abraham war weitergezogen nach Be‘er Sheva, das immerhin, je nachdem, welchen Weg man wählt, zwischen 66 und 88 km weit entfernt ist. Ein zügiger Geher schafft auf diesem ansteigenden Weg durch unwegsames Land drei bis vier km in der Stunde, ein Kamel hingegen schafft die gesamte Strecke in wenigen Stunden. Als Abraham die Nachricht vom Tode seiner Frau Sarah erhielt, musste er sich auf den langen Weg machen. Wir wissen nicht, warum das Ehepaar getrennte Wege gegangen ist, wir finden nirgends einen Hinweis dazu. Vielleicht müssen wir die Ursache für die Trennung darin suchen, dass Sarahs Mutterherz den vermeidlichen Tod ihres einzigen Kindes nicht ertragen konnte und sie sich deshalb von ihrem Mann getrennt hatte. Die grosse Freude, ihren Sohn wohlbehalten in die Arme schliessen zu dürfen, war ihr nicht zuteilgeworden. Vielleicht hat sie sich auch aus diesem Kummer heraus an den Ort zurückgezogen, an dem ihr grösstes Glück begann.

Nahe dem Ort Mamre (Hebron), jenem Platz, an dem ihn Gott mit zwei Engeln besucht hatte, kaufte Abraham von den Hetitern die Höhle Machpela und beerdigte dort seine Frau. Heute gilt sie als Grabstätte unserer Erzeltern. Die Gräber von Abraham und Sarah sowie die von Jacob und Lea liegen im heute jüdischen Teil, die von Isaak und Rebecca im heute muslimischen Teil. Diese Szene ist bedeutend für die ganze Zukunft der Kinder Israel. Noch ist Abraham Fremder in diesem ihm von Gott verheissenen Land. Rechtlich hat er keinen Anspruch auf einen Begräbnisplatz innerhalb der Gemeinschaft. Doch die Hetiter bieten ihm grosszügig einen Platz an und ermöglichen es ihm dadurch zu einen „toshaw“ einem Einwohner zu werden. Dazu ist es aber nötig, sich dieses Recht zu „erwerben“ und nicht nur geduldet zu werden. Abraham weiss das und besteht auf der Bezahlung. 

Mit 37 Jahren ist es nun höchste Zeit, den Grundstein für die kommenden Generation zu legen. Abraham schickt seinen Verwalter Eliezer los, eine Frau für seinen Sohn Isaak zu finden. Er hat bestimmte Vorstellungen, sie soll keine einheimische Kanaaniterin sein, sondern aus seiner alten Heimat stammen. Die Frau soll das Band zwischen seinem alten und seinem neuen Leben sein. Abraham ist sich seines Alters durchaus bewusst. Ob er die Brautwerbung seines Sohnes Isaak noch erleben darf, scheint ihm ungewiss zu sein. Er vertraut Eliezer, doch lässt er ihn schwören, alles daranzusetzen, dass sein Wunsch sich erfüllt. Wie immer vertraut er dabei auf Gott, die richtige Braut zu bezeichnen. Sollte allerdings das Mädchen nicht bereit sein, aus der Heimat in die Fremde zu ziehen, so gilt der Schwur als hinfällig. Eliezer ist nicht so vertraut im persönlichen Umgang mit Gott und unsicher, wie er „die Richtige“ finden wird. 

Und so betet er zu Gott um Hilfe. In Gen 24:12-14 schlägt er Gott eine schlüssige Handlung vor. „Wenn das und das geschieht, dann weiss ich, sie ist die Richtige.“ Rebecca kam an den Brunnen vor dem Tore, um Wasser zu schöpfen. Eliezer sah, dass sie sehr schön war und hoffte wohl, dass sie die Braut von Isaak werden würde. Und so geschah es. Für unser heutiges Frauenbild scheint dieses Verhalten befremdlich zu sein. Eliezer spricht sie an, bitte sie um Wasser und auch noch darum, die Kamele zu tränken. Noch dazu muss sie den schweren Krug nochmals von der Schulter nehmen und erneut füllen. Andere Mädchen sind noch nicht so weit und könnten ihm seine Wünsche leichter erfüllen. Gehört sie zu den Frauen, die sich uneingeschränkt dem Willen der Männer (auch wenn es Fremde sind!) unterordnen? Der Gedanke darf an dieser Stelle nicht aufkommen, im Gegenteil. Sie entscheidet von sich aus, die Kamele zu tränken, dem Reisenden einen Schlafplatz in ihrem Vaterhaus anzubieten und an den gemeinsamen Tisch zu bitten. Auch als von ihrem Bruder gefragt wird, ob sie überhaupt mit Eliezer gehen will, nimmt sie ihr Leben selbstbestimmt in die Hand und sagt ja. Und dies gegen den Willen von Bruder und Mutter, die sie gerne noch bei sich behalten hätten. Sie ist bereit, mit ihrer neuen Familie den Wunsch und die Prophezeiung Gottes mitzugestalten. 

Abraham hat begonnen das Zepter an die nächste Generation weiterzugeben, als Isaak seine junge Braut, Rebecca begrüsst und zu seiner Frau macht, ist der Generationenwechsel vollzogen. 

Abraham spürt, dass er seinen Anteil an der Gründung des neuen Volkes geleistet hat und darf sich nun noch einige Jahre als, heute würden wir sagen, Pensionär leisten. Er heiratet nochmals und zeugt weitere sechs Kinder. Am Ende seines Lebens ordnet er sein Erbe. Alle Nebenfrauen und deren Kinder versorgt er grosszügig, schickt sie aber dann fort nach Osten. 

Er möchte viel Raum zwischen sie und seinen einzigen Erben Isaak legen. Ihm soll sich nichts in den Weg stellen und nichts die Erfüllung der göttlichen Prophezeiung behindern. 

Abrahams erste zwei Söhne, Ishmael und Isaak treffen sich am Lebensende ihres Vaters wieder und legen ihn in der Höhle Machpela gemeinsam zur Ruhe. Es ist dies die zweite von mehreren Geschwistererzählungen, die bei Kain und Abel begann und sich von dort durch die gesamte Torah ziehen wird. 

Shabbat Shalom 

p.s. nicht vergessen, an diesem Wochenende endet die Sommerzeit!



Kategorien:Israel, Religion

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