Wochenabschnitt: Toldtot, Gen. 25:19 – 28:9

ב“ה

1./2. Kislev 5782                                                 5./6. Nov 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)             16:06

Shabbatausgang in Jerusalem:                                        17:23

Shabbateingang in Zürich:                                                16:45

Shabbatausgang in Zürich:                                               17:49

Shabbateingang in Wien:                                                  16:11

Shabbatausgang in Wien:                                                 17:17

Isaak segnet Jakob. Gemälde des holländischen Malers Govert Flinck (1615–1660) aus dem Jahr 1638

Dieser Wochenabschnitt beginnt mit der Geburt der Zwillinge Esau und Jakob. Oder sollen wir sagen der Zwillinge Jakob und Esau? Über Rebekkas Alter wissen wir nichts Genaues, Isaak ist auf jeden Fall 40 Jahre alt, als er seine Frau heiratet. Überhaupt wissen wir sehr wenig über ihn, er scheint völlig im Schatten seines Vaters Abraham zu stehen. Am Anfang des Wochenabschnittes heisst es ganz lapidar: „Abraham zeugte Isaak“ und im nächsten Satz lesen wir „Isaak war 40 Jahre alt, als er Rebekka zur Frau nahm …“ Wir sind geneigt zu fragen und was geschah bis dahin mit ihm? Immerhin hatte er wenige Jahr zuvor doch dem Vater blind gehorcht, als dieser ihn Gott opfern wollte. Er muss also zutiefst traumatisiert gewesen sein. Und nun im Erwachsenenalter muss er die Frau heiraten, die Gott ihm durch seinen Vater bestimmt hatte.

Seine Mutter Sarah, zu der er ein enges Verhältnis hatte, stirbt vor Kummer, als sie glaubt, ihren geliebten Sohn verloren zu haben. Isaak wird sie vor ihrem Tod nicht mehr sehen. Wie gut die Beziehung zu seinem Vater war, erfahren wir nicht. Aus dem Schatten dieses grossen Patriarchen tritt er erst nach dessen Tod, erst dann beginnt er sich von ihm zu lösen. Interessant ist, dass er gemeinsam mit seinem Bruder Ishmael den Vater zur Ruhe legt. Zwei Brüder, die keine gemeinsame Geschichte haben, ausser, dass sie Söhne des gleichen Vaters sind, treffen sich noch einmal zu einem nahezu versöhnlichen Akt. Sie dürfen sich gleichzeitig von ihrem Vater verabschieden. Danach trennen sich ihre Wege wieder. 

Ishmael verstirbt kurze Zeit später, Isaak muss jetzt lernen, seinen eigenen Weg zu gehen.

Endlich wird Rebekka schwanger. Es ist keine unproblematische Schwangerschaft. In ihrem Bauch kämpfen zwei Kinder bereits vor der Geburt um ihre spätere Geschwisterhiercharchie. In Gen 25:23 lesen wir „Zwei Völker sind in deinem Leib … ein Stamm ist dem anderen überlegen, der Ältere muss dem Jüngeren dienen.“ Wir kennen die Geschichte, der erste Sohn, der auf die Welt kommt, ist der rothaarige Esau, der zweite, Jakob, klammert sich an die Ferse des Aelteren. Fürwahr, eine befremdliche Geburtssituation. „Der Ältere muss dem Jüngeren dienen“, Esau muss sich seinem Bruder Jakob unterordnen. Ob das gutgehen wird?

Schon einmal, lange vor Isaak und Ishmael, hatte ein Bruderpaar eine schwierige Beziehung zueinander. Kain und Abel. Für Abel, den Hirten endet der Bruderzwist tödlich, als Kain, der Ackerbauer eifersüchtig auf Abels Bevorzugung durch Gott reagiert.

Isaak liebte seinen Erstgeborenen, den Jäger Esau, Rebekka bevorzugte Jakob, den Landwirt. Auch zwischen ihnen herrschte Eifersucht. Jakob nutzte die Erschöpfung seines Bruders aus und kaufte ihm im Gegenzug zur Lieblingsspeise Esaus dessen Erstgeburtsrecht ab. Eine schändliche Tat! Doch Esau scheint zunächst nichts zu vermissen. 

Heute ist jedes Kind in der Erbfolge gleichberechtigt. Damals war das allerdings ganz und gar nicht der Fall. Der Erstgeborene, und hier spreche ich nur von Söhnen, kam in den Genuss, alles zu erhalten. Alle nachgeborenen Söhne mussten sich auf den Weg machen und anderswo ihr Glück suchen. Mädchen und Frauen gingen gänzlich leer aus. Erst viel später in der Geschichte des Volkes Israel werden zwei Töchter ihr Erbe einfordern und auch erhalten. Esau ist noch jung, er denkt noch nicht über seine Zukunft nach. Es kümmerte ihn auch noch nicht, dass sein Vater im Laufe der Jahre zu einem sehr wohlhabenden Mann geworden war. 

Isaak war alt geworden, sein Augenlicht war erloschen, seine Aufgabe hatte er erfüllt. Von den Stammvätern hinterlässt er ein unscharfes Bild. Erst bei seinem Sohn Jakob erfüllt sich die Prophezeiung, Stammvater eines grossen Volkes zu werden. Fast scheint es, als sei es die ausschliessliche Aufgabe Isaaks gewesen, das Verbindungsglied zwischen drei Generationen zu sein.

Er möchte seinen Erstgeborenen segnen. Rebekka hatte andere Pläne und bereitete den Betrug vor. In Esaus Kleidern, die dessen Duft verströmten, die Arme und den Hals in Ziegenfell gehüllt trat Jakob zu seinem Vater. Isaak scheint irritiert. Mehrfach versichert er sich, wirklich seinen Sohn Esau vor sich zu haben. Schliesslich segnet er ihn, damit ist das Schicksal Esaus besiegelt. Als er kurz darauf zu seinem Vater kommt, muss er erfahren, dass sich die vorgeburtliche Prophezeiung „der Ältere muss dem Jüngeren dienen“ erfüllt hat. Für ihn hat der Vater keinen Segen mehr. Er schickt ihn fort, verspricht aber, dass er sich schlussendlich gegen seinen Bruder durchsetzen wird. Esau spürt eine mörderische Wut in sich, die sich gegen Jakob richtet. 

Rebekka schickt Jakob fort zu ihrem Bruder Laban nach Haran. Dass er dort sein grosses Lebensglück finden wird, kann er zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen. 

Die Geschichte verspricht weiterhin spannend zu bleiben!

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Politik

Schlagwörter:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: