Wochenabschnitt: Vayishlach, Gen. 32:4 – 36:43

ב“ה

15./16. Kislev 5782                                             19./20. Nov 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)               15:58

Shabbatausgang in Jerusalem:                                          17:16

Shabbateingang in Zürich:                                                 16:28

Shabbatausgang in Zürich:                                                17:35

Shabbateingang in Wien:                                                  15:54

Shabbatausgang in Wien:                                                 17:02

Jakob hat sich mit seinen Frauen und Kindern auf den Weg nach Hause gemacht. Wieder einmal sind es Engel, die ihn begleiten. Jakob weiss, dass er ein Treffen mit seinem älteren Bruder Esau nicht vermeiden kann und bittet die Engel, die ihn begleiten, ihm als Boten und vielleicht auch als Vermittler zu dienen. 

Das hebräische Wort für Engel heisst מַלְאָך malach. Im Griechischen heisst Engel ἄγγελος. Dort hat es ebenfalls die Bedeutung Bote oder Abgesandter, wie im Hebräischen. Wann immer wir einem Engel begegnen, dürfen wir davon ausgehen, dass es sich um einen Boten Gottes handelt.

Wir wissen, das Gott nur sehr wenigen Menschen selbst erschienen ist. Aber, und das war den Kindern Israel bewusst, Gott schickte immer dann einen Boten, wenn wichtige Entscheidungen anstanden. Jakob trifft sie schon zum dritten Mal.

Jakob fürchtet sich vor dem Treffen mit seinem Bruder. Zu Recht möchte man sagen. Immerhin hat er ihn sein Erstgeburtsrecht und den Segen des Vaters gestohlen. Doch mittlerweile sind zwanzig Jahre vergangen. Die Engel, die er vorgeschickt hatte, um Esaus Stimmung zu ergründen, kommen mit erschreckenden Nachrichten zurück. Zwar kommt der Bruder ihm bereits entgegen, aber er führt 400 Mann mit sich. Jakob versucht ihn auf vielerlei Art zu beschwichtigen, um seine zu erwartenden Verluste möglichst gering zu halten. 

In der letzten Nacht vor dem Treffen bringt er daher seine Familie in Sicherheit. 

Plötzlich ist da ein Mann. Wir erfahren nichts von ihm, ausser, dass Jakob die ganze Nacht mit ihm kämpft und ihn unerwartet besiegt. Jakob wächst in diesem Kampf über sich selbst hinaus. Man könnte sagen, in diesem Kampf bekämpft er seine Angst vor dem Treffen mit Esau. Trotzdem zeichnet der Mann ihn, indem er ihn auf die Hüfte schlägt. Er muss fest zugeschlagen haben, den Jakob wird für den Rest seines Lebens leicht gehbehindert sein. Ab diesem Augenblick darf er einen neuen Namen tragen. Israel! «Gott wird für mich kämpfen» Die Geburtsstunde des Namens unseres Volkes und unseres Staates. «Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und darf weiterleben.» Dieser Moment der Erkenntnis muss für Jakob überwältigt gewesen sein. An diesem Tag, an dem Jakob, der nun mit sich selbst im Reinen ist morgens aufwacht, hat er sich den Segen seines Vaters, den er vor zwanzig Jahren ergaunert hatte, wohlverdient. 

Moralisch gestärkt durch den nächtlichen Kampf mit Gott konnte sich Israel dem Treffen mit Esau stellen. Das Treffen der Brüder verläuft harmonisch. Keiner der beiden muss dem anderen beweisen, dass er der Stärkere ist, sie sind gleichberechtigt. Es scheint, als hätten sie die kurze Zeit zusammen genossen und konnten sich nun wieder in Freundschaft und Ruhe trennen. Ihre Fehde ist beigelegt. Das nächste Mal, an dem sie sich treffen werden, wird sein, um ihren Vater Isaak in der Höhle Machpela beizusetzen. Schon einmal haben sich zwei Brüder nach langer Zeit, in der sie keinen Kontakt hatten, getroffen, um ihren Vater beizusetzen. Ishmael und Isaak. Ihr Vater und ihr Onkel.

Israel kaufte genügend Land für seinen ganzen Stamm vor der Stadt Sichem in Kanaan. Doch das Schicksal meint es nicht nur gut mit der Familie Israels. Dina, die einzige Tochter von bisher zwölf Kindern wird von Sichem, dem gleichnamigen Sohn des Landesfürsten vergewaltigt. Er glaubt sie zu lieben und bittet den Vater, um sie bei Israel zu werben. Woher dieser von der Schändung seiner Tochter gehört hatte, erfahren wir nicht. Später erzählt er davon seinen Söhnen, die ausser sich sind. Damals wie heute ist Vergewaltigung eine schwerwiegende Straftat. Doch Hamor stellt sich vor seinen Sohn. Statt klar Stellung zu beziehen, versucht er, die aufgebrachten Männer zu beschwichtigen. Dinas Brüder ersinnen eine List. Scheinbar einverstanden mit der Heirat, haben sie dennoch eine Bedingung. Alle Männer des Hauses Sichem müssen beschnitten werden.  Hamor und sein Sohn schwelgen schon in Vorfreude über das Vermögen, das auch ihnen zugutekommt, wenn die beiden Familien vereint sein werden. Sie überzeugen die Männer ihres Stammes und unterziehen sich der Prozedur. 

Die «tapferen» Männer erholten sich nur langsam. Shimon und Levi nutzten die Gelegenheit. Sie erschlugen alle Männer, nahmen Frauen und Kindern, sowie allen beweglichen Besitz mit sich und sahen damit die Entehrung ihrer Schwester als gerächt an. 

Israel aber sah mit gemischten Gefühlen auf das, was seine beiden hitzköpfigen Söhne getan hatten. 

Gott aber schien einverstanden. Er wies ihnen den neuen Weg, den sie gehen sollten. Zuvor mussten die Gefangenen sich von allen alten Götzen befreien. Alle Figurinen, aller Schmuck, jedes Kleidungsstück wurde von Israel eingesammelt und verbrannt. Israels Familie befürchtete, dass sie Racheakte wegen des Massakers zu erwarten hätten. Doch nichts geschah, Gott beschützte sie auf ihrem Weg. 

Gott tat noch mehr, die Prophezeiung, die er schon Abraham und Isaak gegeben hatte, wiederholt er hier nochmals. Die Nachfahren Israels sollen zu einer Schar von Völkern werden, sie sollen das Land erhalten, das er schon den Vorvätern versprochen hatte. Dann, so lesen wir in Gen 35:13 «Fuhr der Herr von der Stelle, an der zu ihm gesprochen hatte in den Himmel auf.» Für den Moment scheint seine Anwesenheit auf der Erde nicht mehr notwendig zu sein. 

Rachels Grab nahe Bethlehem

In Efrata, wenige Kilometer vom heutigen Bethlehem entfernt, stirbt Rachel, die Lieblingsfrau Israels bei der Geburt ihres zweiten Sohnes, zehn Jahre nachdem sie Josef das Leben geschenkt hatte. In ihrer verzweifelten Situation nennt sie ihn Ben-Oni, was frei übersetzt «Sohn oder Klage» oder «Sohn meiner Lebenskraft» heisst. Israel aber hat seinen Lebensmut trotz des grossen Verlustes nicht verloren, er nennt ihn «Benjamin» wörtlich übersetzt «Sohn zur Rechten», was oft frei als «geliebter Sohn» interpretiert wird. Beide Söhne Rachels werden später massgeblich zur Geschichte des Volkes Israel beitragen!

Es ist eine Familiengeschichte, die sich vor allem im ersten Buch Moses vor unseren Augen entwickelt. Eine Geschichte voll von Liebe und Leid, Mut, Hass, Angst, Neid, Hoffnung, Zuversicht. Sie ist es wirklich wert, im Original gelesen zu werden!

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel, Religion

Schlagwörter:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: