Wenn Meinungsfreiheit zur Voreingenommenheit, wenn nicht gar zur bewussten Lüge führt

19. Kislev 5782

Die Fakten, was geschah?

Am Sonntag, den 21.11.21, eröffnete ein Mann in einer der engen Gassen der Jerusalemer Altstadt das Feuer mit einem «Carlo» Maschinengewehr. Dabei erschoss er einen Israeli und verletzte drei weitere, zwei davon schwer. Die Terrorattacke fand unmittelbar neben dem dem Aufgang zum Tempelberg statt. Der Terrorist wurde von Polizisten erschossen.

Eines der schwerverletzten Opfer, das als Eliyahu Kay s’’l identifiziert wurde, erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Eliyahu Kay, 26, war ein Einwanderer aus Süd Afrika, der seinen Dienst bei der IDF als «lone soldier» leistete. «Lone soldier» bedeutet, dass der Soldat ohne Familie nach Israel eingewandert ist, um hier freiwillig seinen Militärdienst zu absolvieren. Er war in Jerusalem als Fremdenführer tätig.

Zwei der Verletzten sind IDF Offiziere, der dritte ist ein ziviler Bewohner der Altstadt, der sich gerade auf dem Heimweg vom Morgengebet an der Kotel befand. 

Der Terrorist wurde als Fadi Abu Shkhaidem, 42 Bewohner des Flüchtlingslagers Shua’fat und Mitglied der Hamas identifiziert. Im Zivilberuf war er Lehrer an einer Schule in der Nähe der Altstadt.

Palästinensische Zeitungen zeigten ein Bild, auf dem er eine ähnliche Waffe wie die, die er bei seinem Terroranschlag benutzte, trug.

Die Hamas lobte ihn als «Helden» und glorifizierte den Terrorakt. Sie benannten ihn auch als Mitglied ihres politischen Armes, übernahmen aber keine Verantwortung. So war er auch den israelischen Behörden bekannt. 

Die Reaktion einiger Medien

Die ARD,  MDR,   BR 24  berichten kurz und knapp, aber korrekt. Beim MDR gibt es noch einen Hinweis auf den Terrorakt vom vergangenen Mittwoch.       

Der Kurier berichtet in seiner online Ausgabe vom 21.11 ebenfalls prinzipiell korrekt, nimmt aber eine von keiner Seite bestätigten Information hinzu «Er soll nach ersten Angaben als orthodoxer Jude verkleidet gewesen sein», eine völlig überflüssige Information. Diese findet sich ebenfalls im Bericht der Presse wieder. Woher diese Information ursprünglich stammte, ist unklar. Sie wurde in israelischen Medien nur einmal erwähnt und bereits dort als fake-news bezeichnet. Die Presse nutzt den Terrorakt vom Sonntag, um ausführlich über die politische Situation in Ostjerusalem zu berichten.

RND (Redaktionsnetzwerk Deutschland) bringt um 21.11. um 10:53 einen ausführlichen Bericht. Allerdings nimmt der korrekte Bericht nicht einmal 50 % des Textes ein. Der Grossteil befasst sich mit der Geschichte des Tempelberges. [sie (die Stätte) ist aber auch den Juden heilig, weil dort zwei jüdische Tempel standen].[1]

Nicht beantwortet wird die Frage, warum, wie berichtet, die Ehefrau des Terroristen «das Land drei Tage vorher verlassen» habe. In den Augen der israelischen Behörden ist das ein Indiz, dass es sich um ein länger geplantes und spontanes Attentat gehandelt hat.

Dass der Tempelberg für Juden sehr bedeutsam ist, wird ganz lapidar mit der Begründung «weil dort zwei jüdische Tempel standen» erklärt. Bei jedem auch nur halbwegs mit Israel und dem Judentum vertrauten Leser, müssten hier Alarmglocken schrillen. 

Es sind nicht einfach zwei beliebige Tempel. Die Zerstörung des Salomonischen Tempels durch die Babylonier führte zum Exil der Juden von 597 bis 539 BCE in Babylon, die Zerstörung des Herodianischen Tempels 70 CE durch die Römer zur endgültigen Zerstörung Jerusalems und der Vertreibung nahezu aller Juden aus ihrer Heimat. Dieses Exil endete erst mit der Staatsgründung des heutigen Staates Israel im Jahr 1948. Das Recht auf Heimkehr für alle Juden ist Teil von antisemitisch geführten Diskussionen. Die Frage, die immer wieder von Palästinensern gestellt wird: «Warum dürfen die Juden jederzeit zurückkommen, und uns wird dieses Recht verweigert?» ist einer der zentralen Streitpunkte bei Friedensverhandlungen. Zeitpunkt der Zerstörung beider Tempel gab es keine palästinensische Ethnie, geschweige denn einen «palästinensischen Staat». 

Mit solchen kleinen, scheinbar harmlosen und unschuldigen Zeitungsmeldungen wird das Thema immer wieder von Neuem angeheizt. Eine gewollte, gezielte Provokation und Anti-Israelhetze.

Die Zeit schreibt um 10:23 mit update um 12:20  den gleichen Text wie RND. Dieser Bericht geht weiterhin auf die Themen: Gaza, Westjordanland, Besatzung und Völkerrecht ein. Der eigentliche Terrorakt rückt völlig in den Hintergrund.

Das ZDF beschränkt sich auf einen Kurzbericht: «In Jerusalem hat die israelische Polizei am Eingang zum Tempelberg einen Palästinenser erschossen. Die Polizei teilte mit, dass der Mann zuvor einen Israeli getötet und mindestens drei weitere verletzt habe. Über die Hintergründe der Tat ist bisher nichts bekannt.» Der Titel des kurzen Videos lautet immerhin korrekt «Israel: Palästinensischer Attentäter erschossen.» Knapp 21 Sekunden dauert die Meldung. Bewusst unklar oder einfach nur schlampig formuliert? Nein! Es ist eine typische Falschmeldung des ZDF.

Das ist der zweite klar antisemitische Ansatz in Medienberichten, der immer wieder anlässlich von dramatischen Terroranschlägen zum Einsatz kommt. Das Opfer, der jüdische Zivilist wird zur Nebensache. Der Täter, der den Terrorakt ausführte, wird zum Opfer einer angeblich willkürlich handelnden israelischen Polizei. Erst im zweiten Satz werden knapp die Fakten genannt. Die möglichen Hintergründe, die klar auf der Hand liegen, werden ignoriert. Die müsste ja die Polizei liefern, aber die sind doch die wahren Täter…..Was bleibt dem flüchtigen Hörer in Erinnerung: in Jerusalem wurde ein Mann von der Polizei erschossen….

Es ist nicht das erste Mal, dass Medien so verzerrt und verfälscht Informationen zu Israel weitergeben. Es ist nicht immer das ZDF, es ist auch die Deutsche Welle, es ist auch die ARD und es sind andere, auch private Medien. Es sind Printmedien, online Dienste, Radio und TV. 

Immer wieder in der Regel einseitig gegen Israel. Der ORF hat sich weitgehend immer um eine ausgewogene Berichterstattung bemüht.

Anfrage, Leserbriefe an die Medienbetreiber bleiben in der Regel unbeantwortet. 

Das ist mit ein Grund, dass sich der Antisemitismus so tief in das Unbewusste der Konsumenten eingraben kann. 

Wir trauern mit seiner Familie und seinen Freunden um diesen jungen Mann, Eliyahu Kay, der so voller Hoffnung nach Israel kam. 

Den Verletzten wünschen wir gute und vollständische Besserung!


[1] Der Text «weil dort zwei jüdische Tempel standen» dürfte von einer dpa Meldung stammen, die von anderen Zeitungen übernommen wurden.



Kategorien:Israel, Politik

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