Wochenabschnitt: Vayeshev, Gen. 37:1 – 40:23

ב“ה

22./23. Kislev 5782                                             26./27. Nov 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)             15:56

Shabbatausgang in Jerusalem:                                        17:14

Shabbateingang in Zürich:                                                 16:22

Shabbatausgang in Zürich:                                                17:30

Shabbateingang in Wien:                                                  15:48

Shabbatausgang in Wien:                                                 16:57

Bereits der erste Satz dieses Wochenabschnittes weist auf einen Neuanfang hin. 

וַיֵּשֶׁב יַעֲקֹב, בְּאֶרֶץ מְגוּרֵי אָבִיו–בְּאֶרֶץ, כְּנָעַן.

«Jakob siedelte sich in dem Land an, in dem auch sein Vater sich aufgehalten hatte.» Das Verb «הִתְיַשֵׁב» hitjashev bedeutet «sich niederlassen». Das zweite Wort «לְהִתְגּוֹרֵר» lehitgorer, wird mit «sich vorübergehend aufhalten» übersetzt.

Wir wissen, dass sich Abraham bereits in Kanaan aufgehalten hatte. Immerhin ist dies das Land, welches Gott ihm und seinen Nachfahren versprochen hatte. Abraham war dort noch ein Fremder gewesen, ein vorübergehender Siedler. Er hatte sich noch kein Wohnrecht dort erworben und war weitergezogen. Auch sein Sohn Isaak hatte den Grossteil seines Lebens noch als Halbnomade verbracht. 

Jakob hingegen hofft, dass er sich mit seiner grösser werdenden Familie dort niederlassen kann. 

Josef, der zweitjüngste Sohn Jakobs, der erste Sohn Rachels, ist der Lieblingssohn Jakobs. Obwohl er noch einen jüngeren Bruder, Benjamin hat, wird dieser in unserem Wochenabschnitt nicht genannt. 

Benjamin war zehn Jahre jünger als Josef und deshalb zu jung, um aktiv am Leben seiner älteren Brüder teilzunehmen. Seine Bedeutung für die Familie beginnt erst später. Dieser Wochenabschnitt wird auch «Josefsgeschichte» genannt. Sie bildet den Übergang von der Geschichte der Vorväter zur Geschichte des Kinder Israel und ist damit der Beginn einer neuen Zeit. 

Josef war anders als seine Brüder. Möglicherweise war er sich seiner Sonderstellung bei seinem Vater bewusst. Seine Mutter war bei der Geburt des jüngeren Bruders verstorben, Jakob war nach heutigen Vorstellungen ein alleinerziehender Vater. Es gab genug Frauen in seinem Haushalt, um Josef und Benjamin zu betreuen. Ob sie den Knaben allerdings wohlgesonnen waren, zweifle ich an. Josef hatte nichts anderes im Kopf, als jeden Schnitzer, jedes Versagen der Brüder, die bereits in die Arbeitswelt der Familie integriert waren, dem Vater zu erzählen. Die Brüder wussten das und waren entsprechend ungehalten. Ebenso negativ werden die Frauen der Familie ihn erlebt haben. 

Jakob, ganz stolzer Vater war so verblendet, dass er für seinen Liebling einen bunten, aufwändig gestalteten Überwurf anfertigen liess. In seinem Musical Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat erzählt Andrew Lloyd Webber den zweiten Teil der Josefsgeschichte, die in Ägypten handelt. Der Titelsong «Wie vom Traum verführt» bezieht sich auf eine besondere Fähigkeit des jungen Mannes, der ihm zunächst nochmals den Unwillen seiner Brüder und erstmals auch den seines Vaters einbrachte, seine Träume und deren Deutung. 

Sonne, Mond und elf Sterne verbeugten sich vor ihm. Man muss keine Analytikerin sein, um den Traum zu verstehen. Mutter, Vater und elf Brüder müssen sich vor Josef beugen. Sie müssen ihn als ihr Oberhaupt anerkennen. Dieser Traum ärgert sogar den gutmütigen Vater. Fast muss es doch scheinen, als wäre Josef ein arroganter und unempathischer Mensch, der weder seinen Vater noch seine Brüder liebt. Dass beides nicht stimmt, wissen wir aus der späteren Erzählung. Er liebt seine ganze Familie, aber noch ist es nicht die Zeit, dies zeigen zu können. 

Vom Vater ausgeschickt, seine Brüder zu suchen, kommt es zu einer interessanten und zugleich auch traurigen Begegnung. Er läuft planlos herum und kann sie nicht finden. Einem Fremden, der ihn anspricht, sagt er, dass er seine Brüder suche. Doch er sagt nicht «suchen»  לְחַפֵּשlechapes, sondern er sagt «bitten» לְבַקֵּשׁ levakesh .

אֶת-אַחַי אָנֹכִי מְבַקֵּש

Er sucht also nicht seine Brüder im tatsächlichen, sondern im übertragenen Sinn. Er sucht seine Brüder, die ihm so gar keine Brüder sein wollen. Er ist einsam, obwohl er doch eingebettet sein sollte in eine Grossfamilie. Da ist niemand, der ihn mit seinen Eigenheiten annimmt, so wie er ist. Niemand, der ihm die Hand reicht.

Es zeichnet sich ab, dass auch Josef nicht an dem Ort wird leben dürfen, von dem sein Vater Jakob gehofft hat, dass er die Heimat des von Gott versprochenen grossen Volkes sein wird. Der Hass der Brüder ist so gross, dass sie planen, ihn zu töten. Nur zwei von ihnen, Ruven und Juda behielten einen halbwegs kühlen Kopf. 

Gott hatte langfristige Pläne mit den Kindern Israel und Josef war der, der sie für ihn ausführte. So war es kein Zufall, dass midianitische Handelsleute vorbeikamen und Josef kauften. Was heute in zivilisierten Ländern unvorstellbar ist, war damals an der Tagesordnung. Missliebige Verwandte, sehr oft Frauen und Kinder, wurden als Sklaven verkauft. 

Während der Vater daheim fast am angeblichen Tod seines Lieblingssohnes verzweifelte, lebte Josef erfolgreich als Verwalter eines hohen Beamten des Pharaos in Ägypten. Doch dann verliess ihn sein Glück. Die Frau des Potiphar beschuldigte ihn des sexuellen Übergriffes, woraufhin er ins Gefängnis geworfen wurde. 

Doch Gott wachte über ihn und es waren erneut Träume, die seinen Weg beeinflussten. Obwohl er wusste, dass das Traumdeuten nur in Gottes Macht lag, liess er sich die Träume des Mundschenks und des Bäckers des Pharaos erzählen und konnte sie richtig deuten. Der unschuldige Mundschenk vergass sehr schnell, beim Pharao für Josef zu sprechen. 

Josef bleibt weiterhin allein und verlassen im Gefängnis. 

Am Sonntagabend beginnt Chanukka, das Fest, mit dem wir uns an das Lichtwunder bei der Wiedereinweihung des neu aufgebauten Tempels in Jerusalem erinnern. 

Shabbat Shalom und Chag Chanukka sameach



Kategorien:Israel, Religion

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