Wochenabschnitt: Mikez, Gen. 41:1 – 44:17

ב“ה

29./30. Kislev 5782                                             3./4. Dez 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)               15:55

Shabbatausgang in Jerusalem:                                         17:14

Shabbateingang in Zürich:                                                 16:18

Shabbatausgang in Zürich:                                                17:28

Shabbateingang in Wien:                                                  15:44

Shabbatausgang in Wien:                                                 16:54

Wir erinnern uns, Josef leidet immer noch im Gefängnis des Pharaos. Der Mundschenk, dem er vermutlich mit seiner Traumdeutung das Leben gerettet hatte, hat ihn vergessen. Wie wird sich Josef gefühlt haben? Verlassen von der Welt und ohne jegliche Hoffnung auf eine Besserung seiner Situation. Umgeben von grosser Dunkelheit. 

Es ist kein Zufall, dass wir diesen Wochenabschnitt immer in der Woche von Chanukka lesen. Chanukka erinnert an das Öl-Wunder. Bei der Wiedereinweihung des Tempels im Jahr 3597 nach unserer Zeitrechnung hätte es gereinigtes Öl für die grosse Menora gebraucht, das sieben Tage brennen sollte. Aber irgendjemand hatte vergessen, frisches Öl pressen zu lassen und es für den Gebrauch im Tempel vorzubereiten. Das, was noch da war, reichte bestenfalls für einen Tag. 

Ein grosses Problem für die Priester, ja mehr, für das ganze Volk Israel. So konnte und durfte man den Sieg der Makkabäer über die hellenisierten Juden nicht feiern. Aber die erste Kerze brannte schon…. Und dann geschah das grosse Wunder! Das vorhandene Öl reicht für acht Tage. 

Das Licht war wieder in den Tempel zurückgekehrt!

Auch für Josef sollte es bald wieder hell werden.

Pharaos Träume, die ihn zur Verzweiflung brachten, bedeuteten die Wende. Plötzlich erinnert sich der Mundschenk wieder und riet Pharao, Josef kommen zu lassen, um ihm seine Träume zu deuten. Josef, weit entfernt von dem leicht überheblichen jungen Mann, der er einmal gewesen war, betont, dass es nicht seine Deutung sein wird. Er dürfe nur Gottes Pläne für Ägypten bekanntgeben. Pharao war einerseits beunruhigt, von dem was er hörte, aber er vertraute Josef.

Durch seinen Aufstieg zum „zweiten Mann“ im Staat gelang es ihm, Gottes Pläne umzusetzen. Die Hungersnot, die Ägypten nach sieben reichen Jahren traf, verlief danke der vorsorglichen Vorratshaltung harmlos für das Land. 

Josef hatte mittlerweile einen ägyptischen Namen angenommen und mit einer Ägypterin eine Familie gegründet. Sie hatten zwei Söhne, Menashe und Efraim. Josef lebte, wie man heute sagt, assimiliert in einem fremden Land. Ganz so, wie 1.500 Jahre später „die hellenistischen Juden“ zwar in ihrer Heimat, aber unter der Herrschaft der hellenistischen Seleukiden lebten. Dank der aufständischen Makkabäer, die die Seleukiden besiegten, überlebte das nun wieder vereinte Volk Israel. Den Namen seines ersten Sohnes Menasche, hatte er mit Bedacht gewählt. In Gen 41:51 lesen wir: „Denn Gott liess mich meine Herkunft und mein Vaterhaus vergessen.“ Josef hatte sich gefühlsmässig von seiner alten Heimat und seinem Volk gelöst. Kennen wir das nicht auch in der heutigen Zeit? Juden trennen sich von ihren Wurzeln, assimilieren sich völlig in die nicht-jüdische Gesellschaft. Jeder, der diesen Schritt geht, hat einen anderen Grund dafür, z.B.  gesellschaftliche Anerkennung, Probleme verursacht durch Antisemitismus, politische Zwänge.

Dank der nachhaltigen Bewirtschaftung konnten sogar noch umliegende Stämme ausserhalb des Landes ihre leeren Speicher auffüllen.  So kam es, dass auch zehn seiner Brüder von ihrem Vater Jakob losgeschickt wurden, um in Ägypten Getreide zu kaufen. Nur Benjamin, der jüngste der Brüder, blieb daheim. Für ihn hatte Gott noch eine besondere Rolle, von der wir später lesen werden, vorgesehen. 

Josef erkannte seine Brüder sofort, wohingegen sie ihn nicht erkannten. Er bezichtigt sie der Spionage und liess sie für drei Tage ins Gefängnis bringen. Dann befahl er, dass sie Benjamin holen sollten, um ihre Redlichkeit zu beweisen. Folgten sie seinem Befehl nicht, so müssten sie sterben. Erstmals überfiel die Brüder Reue über das, was sie vor Jahren Josef angetan hatten. 

Immer noch gab sich Josef nicht zu erkennen.  Aber etwas in ihren Worten hat ihn zutiefst berührt. Er gibt ihnen Getreide, Verpflegung und dazu noch das von ihnen gezahlte Geld mit. Die Brüder sind zutiefst verunsichert. Was hat Gott mit ihnen vor? Woher wusste der «Herr des Landes» von Benjamin? Warum musste Shimon als Pfand in Ägypten bleiben? Jakob war verzweifelt, als er bei ihrer Rückkehr erfuhr, was geschehen war. Er beschuldigte seine Söhne, ihm nach und nach all seine Kinder zu nehmen. 

Wieder wird es knapp mit den Vorräten. Jakob lässt, wenn auch sehr widerwillig, seine Söhne, zusammen mit Benjamin ziehen.

Wieder in Ägypten, erwartet sie eine grosse Überraschung. Sie werden wie Freunde empfangen und vom Hausverwalter Josefs’ bestens betreut. Auch Shimon durfte sofort wieder zu ihnen kommen. Josef ist überwältigt als er seinem kleinen Bruder gegenübersteht.  

Schon am nächsten Tag lässt er sie wieder ziehen. Wiederum mit gut gefüllten Getreidesäcken und mit dem Geld, das sie gebracht hatten. Im Beutel von Benjamin aber liess er seinen eigenen Trinkbecher verstecken. 

Natürlich werden die Beamten Josefs, die den Befehl erhalten, den Becher zu suchen, fündig. Die Brüder verzweifeln erneut. Sie sind sich so sicher, nichts Falsches getan zu haben, aber die Fakten sprechen gegen sie.  Sie erwarten, nun in die Sklaverei zu kommen.

Josef entscheidet aber anders, nur Benjamin soll als sein Sklave bleiben, alle anderen sollen nach Hause zurückkehren. 

Shabbat Shalom und Chanukka Sameach!



Kategorien:Israel, Religion

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