Was geschah am 16. Januar?

14. Shevat 5782

Geboren:

1855 wird Jenny Julia Eleanor Marx in London geboren. Sie ist die jüngste Tochter von Jenny und Karl Marx. Nachdem ihre Brüder als Kleinkinder verstarben, wurde sie zum Lieblingskind des Vaters, der «Kumpel», wie er sie nannte. 

Er sah es nicht als notwendig an, ihr eine Ausbildung zu ermöglichen und widersetzte sich auch einer Verlobung mit einem französischen Journalisten. So war es nur folgerichtig, dass sich Eleanor, als ihre Mutter schwer erkrankte, ganz in den Dienst ihres Vaters stellte. Sie erledigte alle administrativen Dinge für ihn, begleitete ihn auf Reisen und zu Kongressen und erledigte mit 19 Jahren bereits seine gesamte Korrespondenz. Mit 17 Jahren versuchte sie trotzdem, sich vom Vater zu lösen und unterrichtete für ein halbes Jahr an einer Privatschule für Mädchen. Dann musste sie nach Hause zurückkehren, um einer Schwester nach der Geburt ihres ersten Kindes beizustehen. 

Nach dem Tod ihres Vaters 1883 traf sie Edward Aveling, der ihr die Mitarbeit an der Zeitschrift «The Progress» anbot. 15 Jahre lebte sie mit ihm zusammen und nannte sich schliesslich Eleanor Marx Aveling, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Sie galten lange als ein sozialistisches Traumpaar. Gestört wurde diese Beziehung durch den dubiosen Charakter ihres Lebenspartners. Gesellschaftlich war sie durch diese Beziehung sehr oft von anderen isoliert. Freundschaften pflegte sie nur mit Friedrich Engels, Olive Schreiner, einer südamerikanischen Schriftstellerin, und George Bernard Shaw. 

Eleanor schrieb nicht nur für diese eine, sondern auch für mehrere andere Zeitschriften. Dabei berichtete sie hauptsächlich über die internationale Arbeiterbewegung. Sie spielte auch eine wichtige Rolle bei der Gründung der englischen Gewerkschaftsbewegung.

Im Gegensatz zu ihrem Vater, der sein Judentum immer verleugnete, setzte sie sich zunehmend mit dem Schicksal des jüdischen Proletariats im Londoner East End auseinander, lernte Jiddisch und sagte schliesslich von sich selbst «Ich bin jüdisch».

Am 31. März 1898 nahm sie sich in London das Leben. Sie wurde nach mehreren Umbettungen im Grab ihres Vaters auf dem Highgate-Friedhof in Camden, London beigesetzt. 

1897 wird Eva Gabriela Reichmann in Lublinitz, Oberschlesien geboren. Sie promovierte in Heidelberg mit dem Thema «Spontaneität und Ideologie als Faktoren der modernen sozialen Bedingungen». 

Während der Weimarer Republik arbeitete sie mit ihrem Ehemann für den «Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens». Dieser Verein versuchte, die Bürgerrechte der Juden in Deutschland und ihre gesellschaftliche Gleichstellung mit Nicht-Juden miteinander zu vereinbaren. Gegründet worden war der Verein im Jahr 1893 und erfreute sich grosser Beliebtheit, bis er im Jahr 1938 verboten wurde. Dieser Verein stand dem Gedanken des Zionismus grundsätzlich kritisch gegenüber, er betonte immer wieder die Loyalität der Juden Deutschland gegenüber. 

1939 emigrierte das Ehepaar nach London. Reichmann arbeitete einige Zeit als Übersetzerin für den Abhördienst der BBC. 1945 promovierte sie ein zweites Mal an der London School of Economics. Der Titel dieser Arbeit war «Die Flucht in den Hass. Die Ursachen der deutschen Judenkatastrophe.» Sie trug mit dieser Arbeit stark zur Forschungsarbeit über den Holocaust in Deutschland bei.

Unschätzbar ist ihre gesammelte Dokumentation von Berichten von verfolgten Juden und Augenzeugen. Auch die Auswertungen der Protokolle der Nürnberger Prozesse liefern bis heute bedeutende Dokumente. 

Sie erhielt für ihre Arbeit den Moses-Mendelsohn-Preis, das Grosse Bundesverdienstkreuz und die Buber-Rosenzweig-Medaille. 

Was ist heute in Israel wichtig?

Der 15. Tag des Monats Shevat ist in Israel ein ganz besonderer Tag. In diesem Jahr beginnt er heute, am 16. Januar abends, wenn nach jüdischer Zeitrechnung der nächste Tag beginnt. 

Tu Bisvat wurde bereits im ersten Jahrhundert BCE von Hillel, einem der grössten Lehrer des Judentums als «Neujahrsfest der Bäume» festgelegt. 

Warum ist dieser Tag so wichtig? In Wajikra 19:23 lesen wir: «… wenn ihr in das Land kommt und allerlei Obstbäume pflanzt, dann sollt ihr ihre Früchte als unbeschnitten halten. Drei Jahre sollen sie euch als unbeschnitten gelten, sie dürfen nicht gegessen werden». 

Im Mischna Traktat «Orla» werden alle Vorschriften ausführlich beschrieben. Dieser Tag markiert auch zugleich das Ende der normalen Regenzeit. Na ja, das war vielleicht einmal so, die heftigen Regenfälle in Israel, die in den vergangenen Tagen niedergingen und auf die man noch während der nächsten Monate hofft, sprechen eine andere Sprache!

Zurück zu den Bäumen und Sträuchern. Während der ersten drei Lebensjahre dürfen die Früchte nicht gegessen werden. Es ist kein Zufall, dass die Mischna von «Orla» עָרלָה ,Vorhaut, spricht. Die Bäume sind unkoscher, weil sie nicht beschnitten sind. Im vierten Jahr wurden die geernteten Früchte im Tempel geopfert, heute werden sie mit einem kleinen Geldbetrag ausgelöst. Erst dann sind sie für den Verzehr zugelassen. 

In Israel ist dies der Tag, den man gerne in der Natur verbringt. Die Tradition will es, dass man möglichst viel Früchte isst. Ganz besonders die sieben Früchte, die שבעת המינים  shiv‘at ha-minim, die sieben Arten, die für das Land Israel stehen. In Dewarim 8:8 werden sie genannt: Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln. 



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

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