Weltweit anerkannt – nur in Israel nicht koscher genug!

26. Nissan 5782

Wer die Verpackung eines Koscherproduktes genau angeschaut hat, dem wird es aufgefallen sein, das kleine U im Kreis. Dies ist ein anerkanntes Zeichen dafür, dass dieses Produkt eines von 1 Million weltweit als koscher anerkannten Produkten ist. Verliehen wird es von der Orthodox Union.

Warum ist der Koscher Stempel so wichtig? Wir kennen doch alle die Grundregeln, die aus der Thora stammen und in zahlreichen anderen Schriften detailliert beschrieben werden. Welche Fische, welches Fleisch, welche Vögel wir essen dürfen. Dass wir nie «das Böcklein in der Milch seiner Mutter garen dürfen». Dass wir zwischen dem Genuss von Milchigem und Fleischigem eine Pause machen müssen.

So gut, so einfach, sollte man meinen. Doch zum Thema Pausen gibt es bereits viele verschiedene Regeln. Zwischen Milchig und Fleischig reicht in der Regel eine halbe Stunde. Ausser, man hatte zum z’Vieri Hartkäse, dazu gehört auch Raclette, dann muss man mit dem saftigen Steak sechs Stunden warten. In der umgekehrten Reihenfolge vom Fleischigen zum Milchigen beträgt die Wartezeit immer sechs Stunden. 

Was ist koscher? ©

Je nach Tradition können die Zeiten aber durchaus variieren.

Um das alles noch ein wenig zu komplizieren, müssen bestimmte Dinge sorgsam abgeklärt werden, bevor etwas als koscher eingestuft wird und auf unseren Tellern landen darf. Die heute so beliebten Müslis, Kartoffelchips oder Pommes frites sind doch weder Milch noch Fleisch, also sollten sie doch im Prinzip, ohne nachzudenken als parve/neutral zu geniessen sein.

Weit gefehlt. Bevor der begehrte Stempel auf der Verpackung steht, wird genau überprüft, ob auch alle Maschinen in der Produktionskette koscher sind. Das geht so weit, dass sogar die Antriebswellen, die nie in Kontakt mit dem Produkt kommen, nur mit pflanzlichen oder synthetischen Fetten geschmiert werden dürfen.

Es gibt Fälle, da betreibt ein Lebensmittelhersteller eine Koscher-Linie und zugleich eine zweite Produktreihe, bei der der Koscher Stempel auf der Verpackung fehlt. Je nach Unternehmensgrösse und Produktionsvolumen wird er keine zwei Produktionsstrassen haben, um ein und dasselbe Produkt zu produzieren. Da kann man wahrscheinlich davon ausgehen, dass alle Verkaufseinheiten koscher sind. Um aber sicher zu sein, wird man immer das Produkt wählen, das den entsprechenden Stempel trägt. 

Der stellvertretende Minister für Wirtschaftsreformen im Büro des PM in Israel, Abir Kara, ist kein unbeschriebenes Blatt in der israelischen Politik. Im vergangenen Jahr wurde er erwischt, als er «irrtümlich» seine Stimme zu einer Abstimmung doppelt abgab. Einmal von seinem PC und einmal vom PC seiner neben ihm sitzenden Parteifreundin Idit Silman. Silman hat vor wenigen Wochen mit ihrem Austritt aus der Koalitionspartei Yamina, der auch Kara angehört, die Regierung in arge Bedrängnis gebracht. Statt der bisher hauchdünnen Mehrheit von 61:59 Sitzen ist die Knesset nun mit 60:60 Sitzen gleichstark in der Regierung und in der Opposition vertreten.

Jetzt nutzt er seine Machtposition, mit der er die Regierung im Falle seines Austritts noch weiter schwächen könnte, um eine Reform in der Fleischindustrie voranzutreiben. 

In Israel gilt die Vorschrift, dass nicht koscheres Fleisch nicht importiert werden darf. Gleichgültig, ob die Nachfrage sehr hoch oder eher gering ist, koscher ist nur, was von einem israelischen Rabbinat zertifiziert wurde. Dazu ist es notwendig, dass vom Rabbinat ausgebildete, anerkannte und auch bezahlte Metzger engagiert werden. 

Im Ausland haben diese Metzger zwei Aufgaben zu erfüllen. Zum Ersten suchen sie die Schlachthöfe aus, die dann vom Rabbinat in Israel, nach erfolgter Prüfung, konzessioniert werden. Wie oben beschrieben, kontrollieren sie alles, jedes Gerät, jede Maschine bis hin zu jedem Messer. Sie wiederholen damit alle Arbeiten, die die Metzger vor Ort auch schon durchgeführt haben. 

Dann übernehmen die israelischen Metzger jenen praktischen Teil des Schlachtens, den bisher ihre ausländischen Kollegen erledigt haben, das eigentliche Schächten.

Die Staaten, in denen zahlenmässig die meisten Schlachtungen entsprechend der Halacha durchgeführt werden, sind Polen, Frankreich, Argentinien, Brasilien und Uruguay. Israelische Metzger reisen für einige Monate dorthin, um für das israelische Rabbanut sicherzustellen, dass jedes Kilo Fleisch, das vielleicht nach Israel exportiert wird, auch den strengsten Standards, Mehandrin, entspricht. 

Der amtierende Generaldirektor des Oberrabbinats, Harel Goldberg, sagt, das Rabbanut verdiene nichts am jeweiligen Prozess. Seine Aufgabe bestünde lediglich darin, Metzger auszubilden, Schlachthöfe zu konzessionieren und Listen von Metzgern zu erstellen, die von den Importeuren ausgesucht und angefordert werden können. Pro Monat verdient ein Metzger in dieser Position zwischen US$ 8.000 und 20.000. Das Rabbinat stellt seine Ausbildung zur Verfügung, die teilweise vom Staat bezahlt wird. Um die Beziehung zwischen Importeuren und Metzgern nicht allzu eng, und damit korruptionsgefährdet werden zu lassen, müssen die zwei leitenden Metzger jedes Teams nach jeweils zwei Monaten gegen die eines anderen Teams ausgewechselt werden. Nach vier Jahren Arbeit für den gleichen Importeur sind sie für ein Jahr für ihn gesperrt. 

Ob das Fleisch einfach nur koscher oder verschärft glatt-koscher ist, hängt vom Zustand der Lunge des Tieres ab. Und den wiederum beurteilt der Metzger. 

Harel Goldberg hat ein neues Ausbildungssystem für in Frage kommende Metzger ausgearbeitet. Je mehr von ihnen es gibt, so seine Meinung, desto mehr im Ausland geschlachtetes Fleisch wird nach Israel importiert werden können.  

Seine Antwort auf die Frage, warum das weltweit anerkannte Zertifikat der Orthodoxen Union in Israel nicht gut genug ist, klingt absurd «Weil sie zu viele Kompromisse bei der Schlachtung machen».

Gleichzeitig weist er jeden Vorwurf zurück, dass auf Grund der enormen Personalkosten importiertes Fleisch in Israel bedeutend viel teurer ist als das Fleisch von im Land gezüchteten Tieren. Überprüft und berechnet hat das aber noch niemand. 

Zur Zeit ist im jüdischen Staat Israel Politik und Religion nicht voneinander trennbar. 



Kategorien:Aus aller Welt, Israel

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