Wochenabschnitt Acharej Mot, Lev 16:1 – 18:30

ב“ה

28./29. Nissan 5782                                                      29./30. April 2022

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                              18:38

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         19:57

Shabbateingang in Zürich:                                                               20:16

Shabbatausgang in Zürich:                                                                21:27

Shabbateingang in Wien:                                                                   19:47

Shabbatausgang in Wien:                                                                  20:59

Der Sündenbock © Maf Raederscheid

Im ersten Abschnitt lesen wir אַחֲרֵי מוֹת, שְׁנֵי בְּנֵי אַהֲרֹן, nach dem Tod der zwei Söhne von Aaron. Gott gibt im Folgenden eine klare Anweisung, wie und vor allem auch wann Aaron und seine Priester sich dem Allerheiligsten nähern dürfen. Sie dürfen nicht «einfach so» hineinspazieren. 

Yom Kippur, der Versöhnungstag findet in jedem Jahr am 9. Tishri statt. Heuer fällt dieser Tag auf den 4. Oktober. Bis dahin haben wir noch einige Monate Zeit. Ein hoffentlich langer, gesunder und vor allem friedlicher Sommer liegt noch dazwischen. Aber, wir lesen schon heute, welches Ritual am Versöhnungstag durchgeführt wurde. Welche Kleider die Priester tragen und wie sie sich vorbereiten mussten. Gott erwartet einen gewissen Respekt, wenn man zu ihm kommt. 

Halten wir uns heute noch daran? Beobachtet man Touristen beim Besuch eines architektonisch spannenden Gotteshauses, gleich wo auf der Welt, so sieht man oft genug Menschen, die in absolut unpassender Kleidung in die Kirche hineinspazieren. Gehören wir auch zu diesen respektlosen Touristen? Dann müssen wir uns dringend an der Nase nehmen und beim nächsten Mal besser auf unser Erscheinungsbild aufpassen. Tun wir es nicht, versündigen wir uns an Gott.

Am Versöhnungstag zur Zeit der Wüstenwandung und später der beiden Tempel bot Gott uns an, uns von allen Sünden zu befreien, uns zu reinigen. Zwei opferfähige Ziegenböcke wurden dem obersten Priester gebracht. Gott lässt durch das Los entscheiden, welcher von beiden ihm als Sündopfer dargebracht werden soll. 

Der zweite aber soll mit allen Sünden des Volkes Israel beladen werden. Gott gibt Aaron das Recht, stellvertretend für alle Anwesenden die Sünden zu bekennen und symbolisch auf dem Rücken des Tieres abzuladen. Anschliessend soll der «Sündenbock» in die Wüste getrieben. Dort wartet Asasel, der Wüstendämon auf ihn. 

Wenn es doch immer so einfach wäre, seine Sünden, grosse und kleine, entstanden aus welchem Grund auch immer, loszuwerden! Gott ist gütig. Er stellt nur eine einzige Bedingung, damit wir wieder reingewaschen sind. Wir müssen bereuen, aufrichtig bereuen und den festen Willen haben, uns nicht erneut zu versündigen. Sünden sind belastend, sie können uns einschränken in unserer Lebensfreude, wenn wir sie geheim halten müssen. 

Heute haben wir keinen Tempel mehr und auch keine Tempel-Priester. Heute können wir uns bei niemanden mehr «freikaufen». Wir müssen uns täglich und nicht nur an Yom Kippur mit uns selbst und unserem Fehlverhalten auseinandersetzen. Wir müssen tagtäglich an uns arbeiten, immer wieder hinterfragen, ist es gut, was ich tue? Kränke ich damit einen anderen Menschen? Welche Folgen hat mein Tun, für mich, aber auch für andere? Wir müssen bewusster leben und die grosse Chance, die Gott uns gegeben hat nutzen, die Fähigkeit zu entscheiden.

Doch Gott hat uns versprochen, uns von der Last zu befreien, immer wieder, solange wir nur vertrauensvoll zu ihm kommen. Johann Seidl (1804 bis 1875) hat das wunderschöne Gedicht über die menschliche Beziehung zu Gott geschrieben «Die Uhr», welches von Carl Loewe vertont wurde. 

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel, Religion

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