Kedoshim, Lev. 19:1 – 20:27

ב“ה

5./6. Ijjar 5782                                                                      6./7. Mai 2022

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                             18:43

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         20:03

Shabbateingang in Zürich:                                                                 20:26

Shabbatausgang in Zürich:                                                                21:39

Shabbateingang in Wien:                                                                   19:57

Shabbatausgang in Wien:                                                                  21:11

קְדֹשִׁים תִּהְיוּ, ihr werdet heilig sein! Diese Aufforderung lesen wir im zweiten Vers des Wochenabschnitts. Nicht ihr seid heilig, oh nein, davon ist das Volk Israel noch immer weit entfernt, sondern «ihr werdet heilig sein!» 

Im ersten Vers haben wir eine wesentliche Information erhalten: «Ich der Herr, euer Gott, ich bin heilig!». In fünf von 37 Absätzen endet dieser mit den Worten «Ich bin der Herr, euer Gott», in weiteren acht lautet der Schluss «Ich bin der Herr».

Wie geht das, wie wird man heilig? Was bedeutet eigentlich «heilig sein»? Man findet das Wort im Zusammenhang mit ganz sein, vollständig, unversehrt, es gibt das Gegensatzpaar Heil = Glück und Unheil = Unglück. Es gibt die Verben heilen im Sinne von gesund machen. Heilen kann man Menschen an Leib und Seele. Dazu braucht es immer einen, der aktiv wird. Natürlich gibt es auch die Selbstheilung, etwas, das ein ansonsten gesunder Körper oder eine nicht zu schwer traumatisierte Seele ganz allein leisten kann. 

Ist es das, was Gott meint, wenn er Moses mitteilt, dass das Volk Israel heilig sein wird? Die Auflösung zu dieser Frage finden wir erst im fünften Buch Moses,7:6 «Denn du bist ein Volk, das dem Herrn, deinem Gott, heilig ist.» Aus diesem Satz dürfen wir lesen, dass dort, wo Gott weilt, Heiligkeit ist. 

Das bedeutet aber nicht, dass wir automatisch durch die Präsenz Gottes heilig werden. Wieder kommt massgeblich ein Element dazu, dass Gott uns gegeben hat. Die Fähigkeit zu wählen, und zwischen zwei Dingen zu entscheiden. 

Erstmals haben wir im ersten Buch Moses 2:3 gelesenen, dass Gott den Shabbat, den siebenten Tag geheiligt hat וַיְבָרֶךְ אֱלֹהִים אֶת-יוֹם הַשְּׁבִיעִי, וַיְקַדֵּשׁ אֹתוֹ. Diesen Tag beginnen wir am Freitagabend daheim mit dem Kiddush, dem Segensspruch über den Wein. Im Wort Kiddush steckt die Wurzel קדוש  heilig. Wir haben die Wahl, halten wir den Shabbat und erfüllen damit Gottes Gebot, so tragen wir einen Teil dazu bei, Heiligkeit zu empfangen. Ziehen wir es jedoch vor, uns an diesem Tag mit anderen profanen Dingen zu beschäftigen, so entziehen wir Gott die Chance, uns an seiner Heiligkeit teilhaben zu lassen. Dies ist die Heiligkeit der Zeit.

An anderer Stelle, als Moses sich dem brennenden Dornbusch zuwendet, in dem sich Gott vor seinen Augen verbirgt, lernen wir, dass auch Orte heilig sein können. Moses muss die Schuhe abstreifen, bevor er sich dem Dornbusch nähert. Auch während der langen Zeit der Wüstenwanderung lesen wir immer wieder, dass Gottes Heiligkeit nur dann auf einem Ort ruht, solange er, meist als Wolke sichtbar, auf ihm ruht. Ist er weitergezogen, so gib es keine Einschränkungen mehr, den Ort zu betreten. 

Erst auf dem Tempelberg befand sich DAS Heiligtum, gab es den beständigen heiligen Ort. Es war jener Ort, an dem sich der tatsächliche Tempel mit der Bundeslade befand. Wir wissen, unser Tempel wurde 70 CE zerstört. Wo genau sich dieser Ort, «das Allerheiligste – קֹדֶשׁ הַקֳּדָשִׁים» bezogen auf die Ruinen des Tempelberges befindet, weiss niemand. Ebenso wenig weiss man, wo sich die Bundeslade heute befindet. 

Bleibt zu überlegen, ob es ein «heiliges Volk» gibt. Das ist klar zu verneinen. Die Fähigkeit der freien Entscheidung kann nur ein Individuum haben, nicht aber das Kollektiv eines Volkes. In jedem Volk gibt es sie, die Gesetzestreuen, die Opportunisten und die Quertreiber.  

Am ehesten gelingt die Definition, wenn man die Grenzen anerkennt, die der Talmud den Menschen setzt. Der Mensch soll sich nicht über das Verlangte hinaus einschränken. Im Talmud Babli, Taanit 22b lesen wir:

«Rabbi Yosei sagt: Einem Individuum ist es nicht erlaubt, sich selbst durch Fasten zu quälen, damit es nicht zu schwach wird, um zu arbeiten und anderen Wesen verpflichtet zu sein, und diese Wesen sich seiner nicht erbarmen. Rav Yehuda sagte, dass ein Rav sagte: Was ist der Grund für Rabbi Yosei? Es ist wie geschrieben steht: „Der Mensch wurde eine lebendige Seele“ (Genesis 2:7). Rabbi Yosei interpretiert diesen Vers als Befehl: «Die Seele, die ich in dich gelegt habe, bewahre und erhalte sie.»»

Ohne die Unterstützung von Gott werden wir es nicht schaffen, uns dem erwünschten Zustand zu nähern. Wir dürfen aber sicher sein, dass jeder ernsthafte Versuch von uns, sich an Gottes Gebote zu halten, auch entsprechend gewürdigt und verstärkt wird. 

Niemand, auch Gott nicht, erwartet von uns, dass wir zwar «heilige» aber völlig genussfremde Menschen sind, die verkniffen durchs Leben gehen. Es geht darum, den guten Mittelweg zu finden. 

Shabbat Shalom!



Kategorien:Religion

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