Beha’achlotecha Num 8:1 – 12:16

ב“ה

18./19. Siwan 5782                                             17./18. Juni 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                             19:07

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        20:29

Shabbateingang in Zürich:                                                                 22:28

Shabbatausgang in Zürich:                                                                17:38

Shabbateingang in Wien:                                                                   20:39

Shabbatausgang in Wien:                                                                  22:02

© Franz-Xavier Kosler, Nubierin

In diesem Wochenabschnitt sind wir Beobachter, wie sich das Volk Israel aus dem Sinai aufmacht und beginnt, sich auf den langen Weg nach Norden zu machen. Wiederum ist es die Wolke, in der Gott mit dem Volk zieht und die die Tagesmärsche bestimmt. Bewegt sie sich, so wandert das Volk, lässt sie sich an einem Platz nieder, so wissen die Menschen, dass es Zeit ist, das Lager aufzustellen und zu ruhen. 

Es ist der zwanzigste Tag des zweiten Monats im zweiten Jahr der Wüstenwanderung. Zuvor hatte Gott ein neues Kommunikationsmedium bestimmt, das von den Männern des Stammes Levi betätigt werden sollte. Eine Posaune, welche mit verschiedenen Signaltönen Gottes Befehle an die Menschen weitergab. Wir haben uns ja schon vorgestellt, wie lang und breit der Zug der Menschen gewesen sein muss. Nicht alle konnten jederzeit die Wolke sehen, aber die lauten Töne der Posaunen schallten so weit, dass auch die letzten Menschen sie hören konnten. 

Die Kirchenglocken und die Rufe des Muezzins erinnern heute noch an diese göttliche Kommunikation. Oftmals, vor allem in kleineren Orten, werden sie, vor allem in der Nacht, als störend empfunden. Und wir, für die Gott dieses akustische Signal eingesetzt hat, haben wir denn gar keine solchen mehr? Unsere Synagogen haben weder ein Geläute noch einen Lautsprecher. Doch was nur den wenigsten Menschen bekannt ist, jeder Shabbat und jeder Feiertag wird mit einem uralten Instrument, nachgebildet der Posaunen, von der südlichen Ecke des Altstadtmauer eingeleitet. Natürlich nur symbolisch für alle Juden weltweit, aber immerhin.

Noch immer lebte das Volk vom Manna, das Gott jeden Tag vom Himmel zu ihnen schickte. Sie aber sehnten sich nach Fischen und Fleisch, Lebensmittel, die sie in Ägypten jeden Tag genossen hatten. Das Manna schmeckte nach Koriandersamen und hatte die Konsistenz von Bdelliumharz. Noch heute findet dieses Harz Verwendung als Naturheilmittel und Duftstoff. Das Volk quengelt so lange und beschwert sich bei Moses, dass dieser sogar des Lebens überdrüssig wird und Gott bittet, ihn sterben zu lassen. Gott verspricht ihm sofort eine Linderung; er will etwas von der auf den Schultern von Moses liegenden drückenden Last auf das Volk verteilen. Er will sie also in die Pflicht nehmen, damit zu beginnen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Das Volk Israel, welches er schon aus der Knechtschaft befreit und zu freien Menschen hat werden lassen, soll nun auch damit beginnen, sich aus seiner väterlich-umfassenden Anleitung zu befreien. 

Doch, oje, der erste selbstbestimmte Versuch, sich kritisch zu äussern ging ziemlich daneben… Ältere Geschwister, vor allem ältere Schwestern neigen gerne dazu, die Jüngeren, vor allem jüngere Brüder zu bemuttern oder gar, vor allem in späteren Jahren, anstelle der oftmals vorverstorbenen Mutter zu bevormunden. Mirijam überzeugt hier sogar Aaron, sich an der heftigen Kritik zu beteiligen. Mirijam hatte sich einiges Recht für eine Kritik erworben, war sie es doch immerhin gewesen, die Moses aus dem Nil gerettet hatte.

Was aber war das Ziel der Kritik? Moses hatte sich, so lesen wir in Num 12:1 nach Zippora eine zweite Frau genommen. Eine, wie es steht Kuschiterin. Wir wissen aber gar nicht sicher, ob es sich tatsächlich um eine zweite Frau handelte, was die Frage aufwirft, was mit seiner ersten Frau Zippora, einer dunkelhäutigen Midianiterin geworden war. Oder ob die Rede von Zippora selbst ist. Kann es denn sein, dass Mirijam und Aaron tatsächliche rassistische Charaktereigenschaften zeigten? Aaron, den Gott zu Priester und damit zum Verwalter des Mischkan gewählt hatte und Mirijam, die als erste Frau in der Thora als Prophetin bezeichnet wird?

Die Kritik währt nur kurz, tatsächlich scheint es sich um einen Anfall von Neid zu handeln, weil die beiden es als ungerecht empfinden, dass Gott, wie es scheint, immer nur mit Moses spricht und sich nie an sie wendet. Gott wird zornig und wendet sich ab.

Und er bestraft Mirijam mit einem schneeweissen Aussatz – krasser könnte der Gegensatz zwischen der kritisierten dunklen Frau und der nun mit weissem Aussatz geschlagenen Schwester nicht sein. 

Wie gross die Lieben von Moses für seine Geschwister ist, wird klar, als er sich für beide bei Gott einsetzt. „Ach heile sie doch“ ruft er in Num 12:13. Gott war wiederum gnädig, Mirijam wurde nur für eine Woche aus dem Lager ausgesperrt, erst dann war sie geheilt. 

Wir lernen in dieser Woche, wie leichtfertig wir manchmal mit der Würde unserer Mitmenschen umgehen, wie schnell wir sie verurteilen, ohne die Hintergründe für ihre Handlung oder auch ihr „Anderssein“ zu erforschen. Ein Beispiel, das nicht nur Richter und Rechtsanwälte beherzigen sollen, sondern jeder, der sich anmasst, ungefragt Kritik äussern zu dürfen. 

Shabbat Shalom!



Kategorien:Religion

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