Was geschah am 24./25. Juni 2022?

26. Siwan 5782

Gestorben: 

1922 wurde der damalige Reichsaussenminister Walther Rathenau, geboren am 29. September 1867 in Berlin ermordetRathenau war der Sohn des Gründers der «Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft» (AEG) Emil Rathenau. Nach der Matura am Königlichen Wilhelm Gymnasium studierte er in Berlin und Strasbourg Physik, Philosophie und Chemie, wo er auch promovierte. Anschliessend studierte er zwei Jahre Maschinenbau an der TU München, allerdings ohne Abschluss.

Danach diente er 1890/81 als Einjährig-Freiwilliger beim Garde-Kürassier-Regiment, einem Kavallerieregiment in Preussen. Als Jude waren ihm jedoch die höheren Chargen nicht zugänglich. Zwar wurde ihm angeboten, zum Christentum zu konvertieren und sich dann erneut zu bewerben, was er jedoch ablehnte. 

Bis zum Ende des Kaiserreiches am 9. November 1918 war Juden der Zugang zu höheren Positionen im Staatsdienst und an Universitäten verwehrt. Er teilte damit das Schicksal einer jungen Elite im Reichsgebiet, die zwar einerseits einer gesellschaftlichen Spitzenklasse angehörten, aber gleichzeitig auf Grund ihrer Religion diskriminiert wurden. Ab 1893 arbeitete er an leitender Stelle im Unternehmen seines Vaters, ab 1912 als Aufsichtsratsvorsitzender.

Im Laufe der Zeit überkam er zahlreiche Aufsichtsratsposten und setzte sich für strikte Massnahmen zur Verringerung der Konkurrenzbildung ein. Ab 1914 war er für die Kriegsrohstoffversorgung und nahm mit der AEG eine massgebliche Position in der Rüstungsproduktion ein. Nach heutiger Sicht war seine Unterstützung von Zwangsrekrutierungen aus der belgischen Bevölkerung mehr als fragwürdig, sie führte sogar dazu, dass Belgien ein Auslieferungsverfahren gegen Rathenau einleitete, dem aber nicht stattgegeben wurde. 

Überhaupt wurde er aufgrund seiner rassistischen und kriegstreiberischen Haltung von vielen Seiten angegriffen und hatte nach dem Krieg Probleme, sich wieder in die politisch völlig andere Gesellschaft einzugliedern. Wegen seines Verhandlungsgeschicks wurde er 1922 zum Aussenminister ernannt und vertrat Deutschland bei der Weltwirtschaftskonferenz in Genua. Er schloss einen Sondervertrag mit der Sowjetunion,  um Deutschland in Bezug auf die Reparationszahlungen mehr Handlungsraum zu verschaffen. 

Die rechtsextreme und antisemitische Terrorgruppe «Organisation Consul» verübte am 24. Juni 1922 gegen ihn ein Attentat. Nach einem Essen mit dem amerikanischen Botschafter Houghton und dem deutschen Wirtschaftsfunktionär Hugo Stinnes wurde er in seinem Auto erschossen. Die Täter konnten zunächst fliehen, wurden aber am 19. Juli gestellt. 

Politik:

2022 der scheidende PM Naftali Bennett hat in einem Interview seinen Vorgänger und möglichen Nachfolger Netanyahu als unfähig bezeichnet, nochmals als PM zu dienen.  

Gleichzeitig schloss er es aber nicht (mehr) aus, wieder in einer vom Likud, und damit auch von Netanyahu geführten Regierung zu sitzen. Andererseits hat er nach eigenen Worten noch gar nicht entscheiden, ob er überhaupt wieder kandidieren wird. 

«Ich war ein guter PM in schwierigen Zeiten.» sagte er «Meine Koalition hat gut gearbeitet. In seiner ersten Amtszeit war Yitzhak Rabin ein gescheiterter Premierminister, weil er politisches Fehlverhalten hatte. So auch Benjamin Netanjahu im Jahr 1996. Als sie zurückkamen, hatten sie Lektionen gelernt.»

Derzeit bereite er, so teilte er mit, eine ordnungsgemässe Amtsübergabe an Yair Lapid vor, der entsprechend dem Koalitionsvertrag das Amt des geschäftsführenden PM übernehmen wird, wenn die Knesset aufgelöst ist. Dies wird im Laufe der kommenden Woche der Fall sein. 

Hope to see you back soon, Naftali!!!

Balfour Residenz:

2009 – 2022 Währen der eine (Netanyhu) sich wochenlang weigerte, aus seiner geliebten Amtsvilla in der Balfour Strasse auszuziehen, weigerte sich der andere (Bennett) in das ungeliebte Haus einzuziehen. Offiziell war ihm abgeraten worden, in die dringend renovierungsbedürftige Residenz einzuziehen, bevor notwendige Arbeiten durchgeführt worden wären. 

Das war ihm nur recht, er wollte lieber in seinem Haus in Ra’anana bleiben, allein schon, damit die Kinder nicht aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen würden. Teure Um- und Zubauten waren nötig, die Nachbarn verärgert, die Staatskassen um einige zehntausend Schekel ärmer. 

Nun soll in der kommenden Woche dort der neue PM einziehen. Aber auch er wird in seinem privaten Wohnsitz bleiben. Allerdings nicht in Jerusalem, das dortige pied-à-terre ist nicht geeignet, den Sicherheitsvorschriften entsprechend umgebaut zu werden, sondern sein Haus in Tel Aviv. Die Arbeiten haben bereits begonnen. 

Seit dem Auszug von Netanyahu im vergangenen Juli ist die Balfour Strasse unbewohnt, weit und breit sind keine Arbeiter in Sicht. 

Man darf gespannt sein, welchen Wohnsitz der nächste gewählte PM wählen wird, Tel Aviv, Ra’anana, Caesarea oder einen ganz anderen…..

Wahlen 2022:

Die Parteichefs der beiden Parteien «Blau-Weiss» Verteidigungsminister Benny Gantz und von «Neue Hoffnung» Justizminister Gideon Sa’ar planen, für die kommenden Wahlen eine Wahlplattform zu bilden. 

Die im vergangenen Jahr vom Likud abgespaltene «Neue Hoffnung» würde möglicherweise die Sperrklausel von derzeit 3. 25 % nicht erreichen und damit den Einzug in die Knesset verpassen. 

Gemeinsam mit «Blau Weiss» solle der Einzug problemlos möglich sein. Dieser Zusammenschluss ist damit der erste für die kommenden Wahlen. 

Terror:

2006 verschleppten militante Hamasterroristen den Soldaten Gilad Shalit und verschleppten ihn in einen bis heute unbekannten Ort im Gaza Streifen. Die Entführung fand auf israelischem Gebiet statt. Bei dem Überfall auf einen Posten in er Nähe des Übergangs Kerem Shalom wurden zwei Soldaten getötet und vier weitere verletzt. 

Bereits am Tag darauf stellten die Kassam Brigaden ihre Bedingungen für die Freilassung. Alle weiblichen und minderjährigen Häftlinge sollten freigelassen werden, im Gegenzug würden sie Information über den Verbleib von Shalit bekanntgeben. 

Nachdem die IDF eine Militäraktion gegen Gaza begann, wurden die Bedingungen verschärft. Zusätzlich sollten nun 1.000 Inhaftierte aus israelischen Gefängnissen freigelassen werden. Einige Versuche, eine Befreiung zu erreichen, scheiterten. Auch diplomatische Bemühungen scheiterten. 

Ende September 2009 wurde ein Video mit glaubhaften Lebenszeichen von Shalit an die israelischen Behörden überbracht. 

Erst nachdem die Eltern von Shalit den Druck auf PM Netanyahu verstärkte hatten und sich in einem Protestzelt vor der Balfour Residenz niedergelassen hatten, wurden die Verhandlungen Ende 2011 wieder aufgenommen. 

Am 11. Oktober 2011 gab Netanyahu bekannt, dass man sich mit der Hamas über einen Gefangenenaustausch geeinigt hatte. 1027 Gefangene sollten in zwei Schritten freikommen. Man muss festhalten, dass diese Häftlinge insgesamt für den Tod von mehr als 200 Israelis verantwortlich waren. Nicht ausgetauscht wurde der palästinensische «Held des Terrors» Marwan Barghouti. Angeblich war die Weigerung Israels, ihn auszutauschen der Grund für die lange Verzögerung für die Freilassung Shalits. 

Am 18. Oktober 2011 wurde Shalit an Ägypten übergeben und wurde von dort aus auf den Militärflugplatz Tel Nof ausgeflogen. 

Während seiner gesamten Gefangenschaft wurde ihm der Besuch des Internationalen Roten Kreuzes verweigert, ein Anspruch, den jeder politische Gefangene hat.

2022 Vor der Grossen Synagoge von Tunis wurden zwei Wachleute von einem Terroristen angegriffen und verletzt. Der Terrorist konnte überwältigt werden. Es handelte sich um einen bereits seit 2021 wegen terroristischer Aktivitäten inhaftierten Mann, der aus dem Gefängnis freigelassen worden war. 

Von der ehemals blühenden jüdischen Gemeinde in Tunesien, die mehr als 100.000 Mitglieder hatte, sind derzeit noch geschätzten 1.000 geblieben.



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

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