Was geschah am 30. Juni?

01. Tammus 5782

Politik/Wahlen 2022

Nach endlosen Debatten, mitternächtlichen Versuchen, doch noch eine Einigung zu erzielen, hat sich gegen 11 Uhr heute Vormittag Ortszeit die Knesset aufgelöst. Um Mitternacht wird damit der ehemalige Aussenminister Yair Lapid interimistischer PM, während der ehemalige PM Naftali Bennett nun als alternierender PM Lapids ehemalige Position einnimmt. Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Ergebnisses tauschten der nun ehemalige und der nun amtierende PM ihre Plätze im Plenarsaal.

Die letzte entsprechende Abstimmung über die Auflösung wurde mit 92 : 0 Stimmen angenommen. Als Wahltermin wurde der 1. November fixiert. Die Meretz Partei, 6 Sitze blieb der Abstimmung fern. 

Gleichzeitig übergab Bennett den Vorsitz der Yamina Partei an Innenministerin Ayelet Shaked. 

Bennett kündigte nun auch endgültig an, bei den kommenden Wahlen nicht kandidieren zu wollen, schloss aber eine Rückkehr in die Politik nicht aus.

2. MK Netanyahu wird während seiner Rede vom Vorsitzenden der «Joint List» Ahmad Tibi unterbrochen und beschimpft. 

Daraufhin kam es zu einem nahezu eskalierenden Streit zwischen Netanyahu und dem Knesset Sprecher Mickey Levy, Yesh Atid. Netanyahu kritisierte den Knesset Sprecher «Herr Sprecher, ich respektiere Sie. Sie sollten dieses Haus respektieren. So kann man keine Knesset-Sitzung abhalten.» und schlug wütend mit der Hand auf das Rednerpult «Ich bin sicher, wenn der Chef Ihrer Fraktion hier versuchte zu sprechen, würden Sie anders reagieren. Also handeln sie bitte entsprechend. Werfen Sie ihn [Tibi] aus dem Plenum.»

Levy reagiert verärgert «Knesset-Mitglied Netanjahu, ich habe dir etwas Persönliches zu sagen. Ich nehme keine Anweisungen von dir entgegen, danke.»

Bei Netanyahu dürften die Nerven angesichts des bevorstehenden Wahlkampfes und des keinesfalls sicheren Abschneidens zu seinen Gunsten nun doch ziemlich blank liegen. Inhaltlich stellte er in der Rede seine Wahlversprechen vor.

  • Er werde Israel zu «neuen Höhen» bringen – wobei er offenliess, wie diese aussehen werden.
  • Unsere erste Aufgabe, wenn wir die Wahl gewinnen, besteht darin, die Preise zu senken und die wirtschaftliche Stabilität und das Wachstum zum Wohle aller Bürger wieder herzustellen. Wie wird es in der Vergangenheit gemacht haben, als wir das Land aus den grossen Wirtschaftskrisen herausgeholt haben.
  • Wir werden dem Land seinen Nationalstolz zurückgeben. 
  • Wir sind die einzige Alternative: eine starke, stabile und verantwortungsvolle nationale Regierung.

So kann man auch die Misserfolge der Vergangenheit schönreden……

3. PM Yair Lapid besuchte unmittelbar nach der Auflösung der Knesset die Holocaust Gedenkstätte Yad VaShem. Der Besuch galt der Erinnerung an seinen Vater, Tommy Lapid, der ein Überlebender der Shoa war.

Die Familie Lapid ist serbischer Herkunft. Yairs Vater wurde mit seiner Familie von den Nazis in das Ghetto von Budapest verschleppt. Sein Grossvater wurde in einem KZ ermordet. Tommy Lapid und seine Mutter wurden von Raoul Wallenberg gerettet.

In Yad VaShemn bekräftigte PM Lapid, dass alles tun werde, um Israel so zu stärken, dass es immer in der Lage sein wird, sich selbst zu und seine Kinder zu schützen. 

BDS:

2021/2022 Unilever verkündete, dass sie alle Anteile an der Eismarke Ben & Jerry’s  an den Israeli Avi Zinger, Lizenznehmer von American Quality Products Ltd. verkauft haben. Damit endet der Boykott von Lebensmittelläden in Judäa und Samaria, der während mehr als einem Jahr dazu führte, das die beliebte Eismarke dort nicht mehr verkauft wurde.

Der Grund hierfür war, dass Unilever sich dem Druck von BDS Organisationen beugte, die gedroht hatten, alle Unilever Produkte für ganz Israel zu boykottieren.

Ab sofort kann der Verkauf in Judäa und Samaria wieder aufgenommen werden. Die Produzenten von Ben & Jerry’s teilten mit, mit der Entscheidung nicht einverstanden zu sein. «Wir halten an unserer Meinung fest, dass es mit unseren Werten nicht vereinbar ist, unser Eis in den besetzten palästinensischen Gebieten zu verkaufen.»

Kultur:

1935/2022 Carl Orff, ein bekannter Nazi, komponierte die als szenische Kantate verfassten «Lieder aus Benediktbeuren» Carmina Burana und vertonte dabei auf Latein und Mittelhochdeutsch abgefasste Texte aus dem 11. und 12. Jahrhundert. 1937 wurde das Werk in der Oper von Frankfurt uraufgeführt.

Das Werk wurde entsprechend dem Geschmack von Geobbels du Goering komponiert, fand aber in der Reichsmusikkammer keine umfassende Zustimmung. Dies einerseits auf Grund der lateinischen Texte, aber auch auf Grund der Musik, die die Mitglieder der Kammer als «Bayerische Niggermusik» und somit als «entartete Kunst» einstuften.

Darf dieser Komponist in Israel aufgeführt werden, oder muss er, so wie Wagner, von den Spielplänen gestrichen werden? Amit Weiner, Vorsitzender der «Jerusalem Academy of Musik and Dance» ist zwar der Ansicht, Wagner solle aufgeführt werden dürfen, nicht aber Orff, der ein eindeutig aktiver und bekennender Nazi gewesen sei. 

Carmina Burana wurde schon einige Male in Israel aufgeführt. Die Komposition, die dem Genre «Unterhaltungsmusik» zugeordnet wird, sorgt immer wieder für heftige Diskussionen. Nun wird das Stück wieder einmal in Be’er Sheva aufgeführt. 

1949/2022  Die Kuomintang-Regierung erlaubte ab 1949 in Taiwan als einzige Gruppenaktivität den Internationalen Volkstanz. Zu den besonders beliebten Melodien gehören heute israelische Lieder wie «Hinei Matov», «David Melech Israel» und «Sulam Ya’acov».

Diese Vorliebe stammt noch aus einer Zeit, in der nur skandinavische und israelische Tanzlehrer zugelassen waren. 



Kategorien:Aus aller Welt, Timeline

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