Wochenabschnitt: Wajeze, Gen. 28:10 – 32:3

ב“ה

8./9. Kislev 5782                                                  12./13. Nov 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                 16:01

Shabbatausgang in Jerusalem:                                            17:19

Shabbateingang in Zürich:                                                 16:35

Shabbatausgang in Zürich:                                                 17:41

Shabbateingang in Wien:                                                  16:02

Shabbatausgang in Wien:                                                 17:08

Jakob, auf der Flucht vor seinem Bruder Esau, war unterwegs nach Haran. Der Stadt, in der sein Onkel Laban lebte. Wie mag ihm zumute gewesen sein? Zweimal hatte er seinen älteren Bruder bestohlen. Erst war es das Erstgeburtsrecht gewesen. Damit verbunden war ein grosser finanzieller Verlust für Esau. Und natürlich auch Macht. Der Stammeschef war der, der massgebliche Entscheidungen traf. Der, auf dessen Wort man hörte. Viel schlimmer aber war der zweite Betrug, der Segen des Vaters für den Erstgeborenen. Verständlich, dass Esau voller Hass gegen seinen jüngeren Bruder war.

Jakob muss sich furchtbar gefühlt haben. Ganz allein in der Wildnis. Niemand, mit dem er sprechen konnte. Niemand, dem er sich anvertrauen konnte.

In der ersten Nacht träumt er den Traum, der als „Jakobsleiter“ auch ausserhalb der Thora bekannt wurde. Eine Leiter verbindet den Boden, auf dem Jakob ruht, mit dem Himmel. Ganz oben steht Gott und schaut auf Jakob hinunter. Engel steigen auf der Leiter hinauf und hinab. Eine Leiter hat niemals etwas Trennendes an sich, sie ist immer Verbindung zwischen zwei Ebenen, eine Hilfe, um ein Ziel zu erreichen. 

Da sind Engel, die hinaufsteigen und Engel, die hinabsteigen. Wir wissen, dass es bei Gott und allem, was im Zusammenhang mit ihm geschieht, keine Zufälle gibt. Jede Gruppe von Engeln hat eine bestimmte Funktion. Diese Engel scheinen gezielt in eine Richtung zu gehen. Die Gruppe der Engel, die Jakob bis hierher begleitet haben, hat ihren Job erfüllt und wird nun von denen abgelöst, die ihn auf seinem weiteren Lebensweg begleiten sollten.

© Chagall, Traum des Jakob (Ausschnitt)

Gott gibt sich als der Gott Abrahams und Isaaks zu erkennen und erneuert sein Versprechen. Und noch mehr als das, er verspricht Jakob immer über ihn zu wachen und ihn zu beschützen, bis sein Versprechen erfüllt ist. Wann das sein wird, kann nur Gott selbst entscheiden. Viel wichtiger aber muss es Jakob erscheinen, dass er in Gott einen zuverlässigen Verbündeten gefunden hat, auf den er sich ganz und gar verlassen kann. Und er verspricht Gott freiwillig zurückzugeben, was nicht verlangt wurde.

Was geben wir Freunden, Familie oder anderen liebgewordenen Menschen? Zeit, das Kostbarste, das wir haben und das so viel beiträgt zu einer guten zwischenmenschlichen Beziehung. Jakob verspricht, ein Gotteshaus an dieser Stelle zu bauen. Ein Haus, in dem er Zeit mit Gott verbringen wird.

Doch bevor er in diesem Bethaus mit Gott Zwiesprache halten konnte, musste er noch weiterziehen, nach Osten zu Laban, wo er hoffte, die Frau zu finden, die sein Vater ihm gewünscht hatte. 

Obwohl er sie schnell fand, noch am ersten Tag seines Aufenthaltes auf dem Land seines Onkels, verging viel Zeit, bis er als glücklicher Familienvater wieder seinen Rückweg antreten konnte. Lea, Rachel, sowie ihre beiden Dienerinnen Silpa und Bilha hatten ihm in den Jahren insgesamt zwölf Söhne und eine Tochter geboren. Damit war der Grundstein für das von Gott prophezeite grosse Volk gelegt.

Rachel ist die Frau, die durch innere und äussere Schönheit besticht. Ob ihre Kinder „schön“ sein werden, wir werden es später lesen. Gott aber möchte unfertige, unvollkommene Kinder, die durch das Leben nach seinem Willen geformt werden. 

Lea, die unvollkommene Frau „deren Augen matt waren“, brachte die Vorfahren der Leviten und der Kohanim, der Könige, Moshe und Aaron, Isachar und Zvulun auf die Welt.

Jakob findet in Rachel seine grosse Liebe. Gottes Pläne und dadurch auch die Pläne Labans sind andere. Die Brautnacht verbringt Jakob unwissentlich nicht mit Rachel, sondern mit deren älterer Schwester Lea. Rachel aber ist und bleibt die Frau, mit der er alt werden möchte. Schlussendlich ist es aber so, dass er mit ihr nur 14 Jahre leben darf. Auch seine letzte Ruhe findet er mit Lea in der Höhle Machpela, während Rachel in der Nähe von Bethlehem beigesetzt wird. Ihr Grabmal wird der Ort, zu dem bis heute Frauen pilgern, deren Kinderwunsch unerfüllt beleibt.

Es wurde Zeit für Jakob mit seinem gross gewordenen Stamm in die Heimat zurückzukehren. Vierzehn lange Jahre hatte er seinem Schwiegervater gedient, bis der die Heirat mit beiden Töchtern erlaubte. Sechs weitere Jahre hatte er ihm gedient, um seinen Lohn zu erhalten. Laban hatte die Regeln jedes Mal geändert, den Lohn immer wieder neu festgesetzt.

Kurz bevor Jakob zu verzweifeln begann und auch seine Ehefrauen begannen, an seiner Redlichkeit zu zweifeln, versicherte Gott ihn nochmals seiner Hilfe. 

Nach Haran war er allein und ohne jedes Habe gekommen, aber in der Gewissheit, dass Gott immer bei ihm sein werde. 

Noch einmal, kurz vor der endgültigen Abreise gibt es ein Scharmützel zwischen Jakob und Laban. Auch hier traten die Engel Gottes wieder für ihn ein. Das Geschwisterband aber, das Rebekka und Laban verbunden hatte, ist nach dieser Abreise endgültig zerrissen. 

Jakob macht sich auf den Weg, endgültig seine Bestimmung zu erfüllen.

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Politik

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