Korach Num 16:1 bis 18:32

ב“ה

2./3. Tammus 5782                                                              1./2. Juli  2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                             19:09

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         20:31

Shabbateingang in Zürich:                                                                 21:08

Shabbatausgang in Zürich:                                                                22:27

Shabbateingang in Wien:                                                                   20:40

Shabbatausgang in Wien:                                                                   22:01

Boticelli, Sixtinische Kapelle „Korach“

Bereits kurz nach der Flucht aus dem ägyptischen Exil hatte sich abgezeichnet, dass die Kinder Israels unzufrieden waren. Immer wieder jammerten sie, warum Moses sie in die Wüste geführt hätte, wo sie es doch an den Fleischtöpfen Ägypten viel besser gehabt hätten. Ganz so, als wäre die Sklaverei ihre Komfortzone gewesen. Als hätten sie die harte Arbeit, die Strafen und vor allem, die Unfreiheit vergessen. 

Bereits im letzten Wochenabschnitt hat sich abgezeichnet, dass Unzufriedenheit über Moses’ Führung mehr und mehr wuchs. Gleichzeitig sank das Vertrauen in die Versprechungen, die Gott ihnen gegeben hatte. In Num 14:4 haben wir sie sagen hören: «Lasst uns einen [neuen] Führer wählen und nach Ägypten zurückkehren!», etwas später in Num 14:10 heisst es sogar: «Die ganze Gemeinde sagte, dass man sie [Moses und Aaron] steinigen solle.»

Mir kommt das alemannische Kinderlied vom „Hans im Schnäggeloch“ in den Sinn, jenem Kind, das einfach nicht zufrieden ist mit dem, was es hat und das doch nicht bekommen kann, was es haben will. 

So verhalten sich in diesem Wochenabschnitt 250 Männer aus den Stämmen Reuven und Levi. Mit ihrem Anführer Korach erheben sie sich gegen die beiden. Nicht das einfache Volk, sondern die Stammesspitzen waren es, die sich wortgewaltig beschwerten. «וַיָּקֻמוּ» beutetet übersetzt vom Verb לָקוּם aufstehen, sich aufmachen. Frei übersetzt bezeichnet es das, was es ist: ein Aufstand.

«Ihr nehmt euch zu viel heraus. Das ganze Volk ist heilig, jeder Einzelne von uns und Gott ist mitten unter uns. Also warum erhebt ihr euch über die Versammlung Gottes?» (Num 16:3)

Lehnt heute das Wahlvolk eines Staates den Staatschef ab, oder vertrauen ihm seine Mitarbeiter oder die der Opposition nicht mehr, so können sie einen Misstrauensantrag stellen. Ein absolut basisdemokratischer Vorgang. Je nach dem Ergebnis darf der Regierungschef weitermachen oder er muss zurücktreten. 

Im Prinzip kann man sich den Vorwürfen Korachs anschliessen. Weder er, noch die anderen Rebellen, verstehen das göttliche Gesetz. Sie verstehen nicht, dass sich Moses und Aaron nicht selbst zu ihren Anführern eingesetzt haben, sondern dass Gott sie ausgewählt hat. Weil sie das nicht verstehen, verstehen sie auch deren Verhalten nicht. 

In diesem speziellen Fall geht die „Regierungshoheit“ nicht vom Volk, den Kindern Israel aus, sondern sie basiert ausschliesslich auf Gottes Entscheidungen. Der Ausgang des Aufstandes ist vorherbestimmt. 

Im Kapitel 5, Absatz 20 in Pirkei Avot (Sprüche der Väter) lesen wir: «Jeder Streit, der in des Himmels Namen geführt wird, hat Berechtigung. Der aber nicht im Namen des Himmels geführt wird, hat sie nicht. Welcher Streit war in des Himmels Namen geführt? Der Streit des Hillel und des Schammai. Welcher ward nicht so geführt? Der Streit der Rotte Korachs und seines Anhanges.»

Moses hat es klar erkannt, der Zorn der Aufrührer richtet sich nicht gegen ihn und seinen Bruder, er richtet sich direkt gegen Gott! Deshalb fordert er sie auf, am kommenden Tag vor dem Mischkan zu erscheinen und sich dem Urteil Gottes zu stellen. 

Dieser Streit geht nicht um die vielleicht berechtigte Frage der guten oder nicht so guten Führung, sondern um die Frage, auf welcher Seite Gott steht. Wen er unterstützt. Wir kennen die Antwort. Korach und seine Rebellen standen auf verlorenem Posten, aber sie wussten es nicht. Hätten sie es auch nur vermutet, so hätten sie vielleicht eingelenkt. 

Moses weiss, dass er in Gott einen starken Verbündeten hat. Nur deshalb kann er tun, was er nun tut. Er fleht Gott an, die Opfer der Rebellen nicht anzunehmen. Gleichzeitig fordert er sie aber zu einem ungeheuren Ungehorsam auf, indem er sie auffordert, Gott direkt ein Opfer zu bringen. Ein Handeln, das nur den Priestern vorbehalten.

Gott lässt Moses, wie könnte es auch anders sein, nicht im Stich! Er befiehlt Moses, die Rebellen und ihre Familien vom restlichen Volk abzusondern. Noch einmal begehren diese auf und bezichtigen Gott selbst, statt einen in ihren Augen sündigen Menschen (Moses) das ganze, in ihren Augen unschuldige Volk zu strafen. In ihrer Verbohrtheit und ihrem grenzenlosen Zorn und Hass erkannten sie immer noch nicht, dass sie die Schuldigen, die Abtrünnigen waren.

Moses weiss, was auf sie zukommt, sie werden sterben. Die Erde öffnet sich und verschlingt die gesamte Familie von Korach. Jene aber, die die Opfer dargebracht hatten, wurden vom Feuer verbrannt. 

Doch selbst dieses tragische Ereignis liess die Menschen nicht demütig werden. Mehr noch, es schien, als sei der böse Geist, der die Aufständischen erfasst hatte, auf das gesamte Volk Israel übergesprungen. Sie klagten Moses und Aaron an, «das Volk Israel» (Num 17:28) getötet zu haben. 

Gott kündigte eine noch härtere Strafe an. Einerseits wollte er das Volk Israel mit einer tödlichen Plage strafen, forderte aber gleichzeitig Aaron auf, ein Sühneopfer darzubringen, um diejenigen, die sich korrekt verhalten hatten, zu retten. Bevor Gott dieses Opfer aber annahm und die Tötungen stoppte, waren schon 14.700 Menschen gestorben 

Wiederum gibt Moses eine göttliche Anweisung weiter. Von jedem der zwölf Stammesoberhäupter verlangt er einen Stab, auf dem der Name des jeweiligen Mannes eingeritzt ist. Diese legte er im Offenbarungszelt ab. Wieder geschah ein Wunder. Der Stab Aarons wurde grün, trieb Blätter und trug reife Mandeln. Die anderen blieben trocken und verdorrt. Deutlicher konnte das göttliche Zeichen nicht sein.

Während Moses’ Beweggründe und Handlungen fast immer von Gott gutgeheissen werden, steht hinter der Rebellion Korachs nicht der Grund, einen ungeliebten Politiker abzusetzen. Es geht darum, dass er für sich «mehr» haben möchte. Dass er nur seine ureigenen Ziele verfolgt. Korach zeigt das typische Verhalten eines populistischen Demagogen, der sich als Sprecher für die scheinbar Benachteiligten aufwirft. Wenn der einzige Zusammenhalt einer Gruppe, eines Volkes oder eines Wahlvolkes nur der ihnen gemeinsam Feind ist, dann führt jeder kleine Widerspruch, jeder geringe Gegenwind automatisch zum Ende der Gemeinschaft.                    

Allen Politikern und allen Meinungsmachern sollte dieser Wochenabschnitt zur Pflichtlektüre angeraten werden!

Shabbat Shalom!



Kategorien:Religion

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