Timeline 2. Mai – Theodor Herzl

1.Ijjar 5782

Anlässlich des heutigen Geburtstages von Theodor Herzl gibt es heute eine nur ihm gewidmete Timeline.

Hotel Drei Könige Basel, 1897 während des 1. Zionistischen Weltkongresses

1860 wird Theodor Herzl in Pest, im Königreich Ungarn geboren. Seine Kinder- und Jugendjahre wurden stark von seiner Mutter, Hanna Herzl geprägt, die der österreichisch-ungarischen Kultur anhing und konsequent nur Deutsch mit ihm sprach. 

Bereits mit fünf Jahren erhielten die Herzl Kinder Privatunterricht. Ihr Lehrer berichtete, dass beide in weniger als zwei Wochen das Lesen und Schreiben erlernt hätten. Ab 1866 besuchte Theodor für vier Jahren die jüdische Volksschule, um dann zunächst an die Realschule und ab 1875 in das evangelische Gymnasium zu wechseln. 1878 beendete er seine Schullaufbahn mit der Matura.

Die Familie Herzl war nicht religiös, obwohl es innerhalb der väterlichen Verwandtschaft alle möglichen religiösen Ausprägungen gab, vom zum Christentum konvertierten, über den zum Judentum übergetretenen bis zu Anhängern des frühen Zionismus, die jedoch völlig assimiliert waren. Die Eltern versuchten, eine lockere Verbindung zur Religion zu halten, orientierten sich dabei aber ausschliesslich am Reformjudentum.

So gab es für Theodor keine Bar Mitzwa, sondern eine an die evangelische Konfirmation erinnernde Feier. 

Im Jahr seiner Matura zog die Familie nach Wien, wo der junge Theodor begann, Rechtswissenschaften zu studieren. Die Auseinandersetzung mit der antisemitischen Schrift «Die Judenfrage als Racen- Sitten- und Culturfrage» (sic!) war die Grundlage für seine eigenen Gedanken zu diesem Thema. 

Zu der Zeit war er Corpsstudent in der rechtsnationalen, pflichtschlagenden Burschenschaft «Albia». Diese nahm ab 1882 keine jüdischen Mitglieder mehr auf. 1883 kam es anlässlich des Trauerkommers für Richards Wagner zu einem Eklat, als einer der Corpsstudenten dessen Antisemitismus ansprach und lobte. 

Als Herzl von diesem Eklat durch die Presse hörte, trat e aus der Verbindung aus. 

1884 promovierte er zum Dr. iur und absolvierte anschliessend seine Gerichtspraxiszeit in Wien und in Salzburg.

Herzl war, als Kind seiner Zeit, in Bezug auf Juden äusserst ambivalent. Einerseits folgte er den Stereotypen, dass sie minderwertige, nur dem Gelderwerb verschriebene Menschen seien, andererseits identifiziert er sich mit ihrer Standfestigkeit trotz der permanenten Verfolgung. 

Vom strammen deutschnationalen Burschenschaftler wandelte er sich radikal zu einem gedanklichen Vorreiter des Staates Israel. Herzl war, ebenso wie Leo Pinsker und Sigmund Freud, Ehrenmitglied der der jüdisch-zionistischen Studentenverbindung «Kadima», Vorwärts, die von 1882 bis 1938 an der Universität Wien aktiv war. 

In Paris, wo er von 1891 bis 1895 lebte und arbeitete, wurde er erneut mit der «Judenfrage» konfrontiert, die er jedoch als soziales Problem einstufte, welches durch Massenübertritte zum Christentum durchaus lösbar sei. Jedoch schon 1894 gab er diesen Plan auf. Mit seinem Drama «Das neue Ghetto» hoffte er mehr Toleranz zwischen Juden und Christen erreichen zu können. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Ansätzen sah er nun Assimilation und Konversion nicht mehr als Problemlöser an. 

Baron Moritz von Hirsch auf Gereuth, Mitglied einer geadelten jüdischen Bankiersfamilie, auch bekannt unter dem Namen Maurice Baron de Hirsch,  sah sich immer wieder mit dem tragischen Los der jüdischen Einwohner Südosteuropas und Kleinasiens konfrontiert. Er unterstützte mit seinem enorm grossen privaten Vermögen Organisationen, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Juden einsetzten. 

Kronprinz Rudolf (1858 bis 1889), die tragische Gestalt aus dem Hause Habsburg gehörte zu seinen engsten Freunden. Hirsch unterstützte auch dessen Bestrebungen, sich gegen die Einflussnahme des deutschen Kaisers Wilhelm II. durchzusetzen, was allerdings misslang und letztendlich zum Suizid des Kronprinzen führte. Zuvor waren allerdings durch die Aktivitäten noch antisemitische Agitationen gegen beide, Hirsch und den Habsburgerprinzen losgetreten worden. 

1895 traf sich Herzl mit Baron de Hirsch, um ihm seine Pläne vorzulegen und seine Unterstützung zu erbitten. Das Gespräch verlief jedoch völlig erfolglos, Hirsch hörte ihm noch nicht einmal bis zum Ende seiner Ausführungen zu. Zeitgleich beendete Herzl seine Schrift «Der Judenstaat – Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage». In einem Brief an Hirsch schreibt er resignierend «Den Juden ist vorläufig noch nicht zu helfen. Wenn Einer ihnen das gelobte Land zeigte, würden sie ihn verhöhnen. Denn sie sind verkommen.
Dennoch weiss ich, wo es liegt: in uns.»
 

Herzl bereitete den Ersten Zionistischen Weltkongress für die Zeit vom 29. bis 31 August 1897 in Basel vor. Der ursprüngliche Veranstaltungsort in München war vom Allgemeinen Deutschen Rabbinerverband und der Kultusgemeinde München vehement abgelehnt worden, so dass der Ausweichort Basel zum Tragen kam.

Im «Basler Programm» wurde das Ziel formuliert «Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen.» Die 204 Abgeordneten wählten Herzl zum ersten Präsidenten der World Zionist Organisation.

Das Ergebnis fasste Herzl in seinem Tagebuch zusammen «Heute habe ich in Basel den Judenstaat gegründet.»

Nach diesem ersten Kongress fanden noch weitere fünf unter der Leitung von Herzl statt. Für sein Projekt wurden Herzl immer wieder neue Regionen angeboten, die für einen jüdischen Staat in Frage kommen könnten. Sie scheiterten alle daran, dass für die Zionisten nur Palästina als neues Staatsgebiet in Frage kam. 

Im Jahr 1900 veröffentlichte er seinen utopischen Roman «Altneuland», den Entwurf eines idealisierten jüdischen Staates Israel, der unter dem Motto, «Wenn Ihr wollt, ist es kein Traum» stand. Am utopischsten erscheint aus heutiger Sicht die Vision, dass auch die auf dem Staatsgebiet des neuen Judenstaates lebenden Araber die neuen Bürger und die neue Regierung freudig begrüssen würden. 

1904 machte Herzl den Versuch, Papst Pius X. um seine Unterstützung für die Staatsgründung zu bewegen. Erwartungsgemäss lehnte der Pontifex die Bemühungen ab. Herzl hielt später in seinem Tagebuch dessen ablehnende Worte fest «Wenn Sie nach Palästina gehen und ihr Volk dort ansiedeln, werden wir Kirchen und Missionare bereithalten, es zum Christentum zu bekehren.»

Am 3. Juli 1904 verstarb Herzl an den Folgen einer Herzkrankheit in Edlach an der Rax. Er wurde auf dem Döblinger Friedhof in Wien im Familiengrab beigesetzt.

Am 14. August 1949 wurden sein Sarg und die Särge seiner Eltern vor der Überführung nach Jerusalem im Wiener Stadttempel aufgebahrt. Ihre endgültige Ruhestätte fanden sie, entsprechend dem Wunsch von Theodor Herzl, auf dem Herzlberg in Jerusalem. 

2006 wurden auch die Särge von Pauline und Hans, zwei seiner Kinder dort beigesetzt, nur die Grabstätte von Margarete ist unbekannt, sie wurde Opfer des Holocaust. 2007 wurde auch der Sarg seines einzigen Enkels von Washington hierher überführt. 



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

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